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von Eagle
Sa, 26. Sep. 2015, 14:32
Forum: Abgeschlossene Gerichtsprozesse
Thema: Frankfurt/Main: Mord an Rocker - Ben-Gurion-Ring | Urteil
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Frankfurt/Main: Mord an Rocker - Ben-Gurion-Ring | Urteil

Mord an Rocker in Frankfurt: „Warum applaudiert mir denn keiner?“

Es ging um Drogen, Macht und Ehre: Mit 22 Kugeln streckte ein Mann einen Rocker in einem Frankfurter Park nieder, am helllichten Tag. Für den Mord bekam er jetzt die Höchststrafe.

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Wegen Mordes verurteilt: Der Angeklagte, hier verdeckt von seinem Anwalt

Zubaidulla K. kaut Kaugummi, als die Richterin seine Strafe verkündet, und zeigt Zustimmung nur an einer Stelle der Urteilsbegründung: Als es darum geht, dass sein Opfer, Rocker und Drogenhändler Kibrom T., kein guter Mensch gewesen sei, sondern ein Schläger, der auch aus Spaß Leute verprügelt habe. Lebenslang muss K. für den Mord an seinem Konkurrenten im Rauschgifthandel in Haft, außerdem stellte das Frankfurter Landgericht am Donnerstag die besondere Schwere der Schuld fest. Die Tat, die an einem späten Frühlingsnachmittag im April 2014 in einem gut besuchten Park am Frankfurter Ben-Gurion-Ring geschah, habe Hinrichtungscharakter besessen.

Opfer und Täter waren beide Drogenhändler, aber sie kamen sich lange nicht in die Quere. Schütze Zubaidulla K. vertritt ohnehin die Ansicht, am Ben-Gurion-Ring, einer Hochhaussiedlung an der nördlichen Peripherie der Stadt, dürfe jeder Drogen verkaufen. Während er im Park dort im großen Stil mit Marihuana handelte, hatte sein späteres Opfer sein Revier im sogenannten Pennerpark, einem Stück Grün an der nahe gelegenen U-Bahnstation Kalbach. Streit gab es erst, als die Gruppe um Kibrom T. die Familie von K. mit einem sogenannten Rip-Deal betrog: Sie gab vor, Drogen für 40.000 Euro kaufen zu wollen, zahlte aber nur mit zwischen ein paar Scheinen getarnten Papierschnipseln. Das, so das Gericht, sei für die Familie des nun Verurteilten nicht nur ein finanzieller Schaden gewesen, sondern insbesondere für ihn selbst auch ein Macht- und Gesichtsverlust.

Irgendwann in den Wochen nach dem missglückten Deal besorgte K. sich eine Waffe. Am Tattag, dem ersten schönen Frühlingstag des vergangenen Jahres, ging er nach den Feststellungen des Gerichts mit seinem vier Jahre alten Sohn zum Spielplatz in dem Park, in dem er Stunden später Kibrom T. erschießen würde. T. hielt sich damals vor allem in Fulda auf, wo er dem Rockerclub Gremium angehörte, und kam nur nach Frankfurt zurück, weil seine Leute nach dem Rip-Deal Angst vor der Familie von K. hatten. Als Zubaidulla K. seinen Konkurrenten auf einer Parkbank am Weiher sitzen sah, in seinem Revier, wurde er wütend, polterte vor Freunden herum. Er holte seine Waffe, und erfuhr dann, dass einer seiner Leute just in seiner Abwesenheit von Kibrom T. zusammengeschlagen worden war – laut der Vorsitzenden Richterin der endgültige Anstoß zu seiner Tat.

Frankfurt: Prozess um Rockermord am Ben-Gurion-Ring eröffnet - Schüssen in Bonames ging ein Streit voraus

Insgesamt 22 Schüsse feuerte K. ab und traf Kibrom T. 13 Mal. Der hatte sich mit zwei seiner Kumpels in sicherer Überzahl gewähnt, als der aufgebrachte K. auf seinem Fahrrad angefahren kam und noch beim Anhalten zu schießen begann. Deshalb, so das Gericht, sei die Tat heimtückisch gewesen, und weil der Schütze aus Wut, Zorn und Rache gehandelt habe, sei sie aus niederen Beweggründen geschehen. Der Ansicht der Anwälte des Deutsch-Afghanen, er habe im Affekt gehandelt, folgte die Kammer nicht.

Der 115 Kilo schwere Kibrom T. konnte den Schüssen von K. nicht entfliehen. Die Begleiter des Rockers warfen mit Steinen, Handys, Messern und Bierflaschen auf den Rasenden. Der verletzte auch diese Männer mit je einem Schuss, aber sein Ziel war der verhasste Widersacher. Als der leblos am Boden lag, schlug K. mit dem Schaft seiner Pistole auf ihn ein. „Niemand rippt die K.s ab“ soll er laut den vielen Zeugen gerufen haben und: „Warum applaudiert mir denn keiner?“

Den wechselhaften Aussagen von K. glaubte die Kammer nicht. Weder seinen Worten, er habe am Tattag mehrere Joints geraucht, noch der Geschichte, wegen des finanziellen Verlusts aus dem Rip-Deal habe er eine ihm versprochene Frau in Afghanistan nicht heiraten können, und die habe sich dann umgebracht.

Die vielen Freunde von Kibrom T., die den Prozess in Gedenk-T-Shirts begleiteten und wegen derer bei der Urteilsverkündung auch viele schwer gerüstete Polizisten im Gerichtssaal waren, klatschen sich nach dem Urteil ab, sich ihrer Freude vergewissernd. Für viele der Anwohner des Parks war die öffentliche Tat traumatisch. Ein Mann mit Rollator erzählte vor Gericht, er habe nicht schnell genug fliehen können und ein anderer Zeuge sagt: „Der Ben-Gurion-Ring ist schlimmer als der Knast.“

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 24047.html

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