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Die Suche ergab 17 Treffer

von Salva
Mi, 25. Dez. 2019, 11:55
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Internet.de beschäftigt sich mit der Frage nach Sörings Schuld oder Unschuld. Nur ein Beispiel:
Focus
von Salva
Do, 28. Nov. 2019, 21:00
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Eine Frage, die derzeit wohl viele Menschen interessiert, die den Fall Söring bzw. dessen Freilassung verfolgt haben:

Gilt Söring auch in Deutschland als Doppelmörder und muss er hier ein juristisches Verfahren erwarten?

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Beyer (als Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung im Auswärtigen Amt betreut der Rechtsanwalt den Fall seit fast zehn Jahren) steht Rede und Antwort:
Söring gilt in den USA als „rechtskräftig verurteilter Doppelmörder“, sagt Beyer. Er wurde nicht begnadigt, sondern aufgrund einer Entscheidung des Bewährungsausschusses entlassen und abgeschoben.

Für die deutsche Justiz spielt das US-Urteil keine Rolle. „Nach unseren Gesetzen hat er hier bei uns keine Tat begangen, das heißt: Er ist auch nicht vorbestraft. Jens Söring gilt hier als unbescholtener Bürger.“ Er darf aber nicht wieder in die USA einreisen.
Quelle & mehr: Welt
von Salva
Mi, 27. Nov. 2019, 21:12
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Mi, 27. November 2019: Jens Söring kommt nach 33 Jahren frei!

Bild
Jens Söring (53).
Foto: BR

Überraschende Wende in einem der spektakulärsten transatlantischen Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte: Der wegen Doppelmords in den USA verurteilte deutsche Diplomatensohn Jens Söring kommt nach Jahrzehnten im Gefängnis auf Bewährung frei.
Jens Söring sitzt seit drei Jahrzehnten im US-Bundesstaat Virginia in Haft. Er wurde für schuldig befunden, 1985 die Eltern seiner damaligen Freundin, Elizabeth Haysom, getötet zu haben. Er soll das Ehepaar Derek und Nancy Haysom mit Dutzenden Messerstichen erstochen haben. Nachdem Söring und Elizabeth Haysom in Verdacht geraten waren und sich zur Flucht entschlossen hatten, wurden sie 1986 in London gefasst und schließlich an die USA ausgeliefert. Der Diplomatensohn Söring war 1990 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine damalige Freundin bekam wegen Anstiftung zum Mord zweimal 45 Jahre Haft.

Laut US-Medien kommt Söring jetzt aus dem Gefängnis frei und wird abgeschoben. Dies habe das zuständige Gremium im Bundesstaat Virginia entschieden, berichteten mehrere Medien am Montagabend (Ortszeit) unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs des Bundesstaats, Ralph Northam. Ein Bonner Anwaltsbüro, das Söring immer wieder vertreten hat, bestätigte die Entscheidung. Eine Begnadigung des Deutschen wurde dagegen erneut abgelehnt.
Bundesregierung setzte sich für eine Überstellung nach Deutschland ein
Der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU), begrüßte die Entscheidung. "Das ist eine gute Nachricht", sagte Beyer laut Deutscher Presse-Agentur. Die Bundesregierung hatte sich schon seit längerem für eine Freilassung auf Bewährung und Überstellung nach Deutschland eingesetzt. Beyer hatte Söring zweimal persönlich im Gefängnis in Virginia besucht. "Bei unserem bislang letzten Treffen im Sommer dieses Jahres hat er einen geistig und körperlich fitten Eindruck auf mich gemacht. Und das, obwohl er sich jeden Tag der harten Realität in einem Südstaatengefängnis stellen muss, in dem Gangs, Drogen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind."

Aber Sörings Freilassung stieß nicht nur auf Zustimmung. Er sei "schockiert und empört" darüber, sagte Ben Cline, republikanischer Kongressabgeordneter des Bundesstaats Virginia. "Die Entscheidung, die nicht auf Reue der Mörder für ihre Taten, sondern auf angeblichen Kostenvorteilen für Virginia basiert, ist eine Beleidigung der Familien der Opfer und des geltenden Rechtes."
DNA-Untersuchungen sprechen gegen das Urteil
Söring beteuerte in zahlreichen Interviews auch mit dem Evangelischen Pressedienst seine Unschuld. Viele Beweismittel aus dem Prozess wurden bereits entkräftet. Auch kürzliche DNA-Untersuchungen sprechen gegen des Urteil. Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen und erklärt, er habe lediglich seine Freundin vor der Todesstrafe bewahren wollen. Der deutsche Staatsbürger erklärte, er habe erwartet, dass er als Diplomatensohn Immunität genieße.

Die Zeitung "Richmond Times-Dispatch" zitierte die Vorsitzende des für Begnadigungen in Virginia zuständigen Gremiums mit den Worten, jahrelange Untersuchungen hätten ergeben, dass Sörings Unschuldsbeteuerungen "unbegründet" seien. Eine Haftentlassung Sörings und Haysoms sei aber "angemessen", erklärte Adrianne Bennett demnach. Sie begründete dies mit dem jungen Alter der beiden zum Tatzeitpunkt und der langen bereits abgesessenen Haftstrafe. Auch komme eine Freilassung aus der Haft den Steuerzahlern zugute.
Unterstützer aus Deutschland halten Söring für unschuldig
Die Entscheidung, den 53-Jährigen freizulassen, sei "überraschend", schrieb die "Washington Post". Der brutale Doppelmord hatte jahrzehntelang in den USA und auch international Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In Deutschland setzt sich seit Jahren ein Unterstützerkreis für Söring ein. Die Mitglieder halten den Verurteilten für unschuldig. Auch in dem Dokumentarfilm "Das Versprechen" aus dem Jahr 2016 wurde das Urteil gegen Söring infrage gestellt.
Quellen: BR | Tagesspiegel | RTL | Jens Sörings Homepage
von Salva
Mo, 1. Mai. 2017, 01:05
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

@Snoopy

90 Jahre und muss im Jahr 2032 auf Bewährung freigelassen werden. Das hatte ich wohl vergessen. Deswegen ja: sie sollte sich mehr zu Wort melden! Danke also :like:

Snoopy hat geschrieben:Zu Wort meldet sie sich zwar selten, aber sie tut es... und zwar vorzugsweise dann, wenn sie JS damit Knüppel zwischen die Beine werfen kann, scheint mir... :raised_eyebrow: :cool:
Vielleicht besucht sie ihren Ex dann im Knast. Samt TV-Crew :blush:
von Salva
So, 30. Apr. 2017, 23:24
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Och naja... ich bin halt grundsätzlich vorsichtig damit, mir eine feste Meinung über solche Dinge zu bilden. Für mich geht es eher darum, was ich für wahrscheinlicher und unwahrscheinlicher halte.
Also auch nur Spekulationen :wink_face: Geht in solchen Fällen gar nicht anders, wenn du mich fragst.

Snoopy hat geschrieben:Aber warum sagst du jetzt wieder, die amerikanische Justiz sei davon überzeugt, dass alles sauber abgelaufen ist? Sagtest du nicht kurz zuvor noch, dass da ganz bewusst und mit voller Absicht getrickst wurde? Oder meinst du, für die Justiz sei es "sauber", weil aus ihrer Sicht unter dem Strich dann doch die Richtigen die passende Strafe bekommen hätten :)?
Genau das:
Oder meinst du, für die Justiz sei es "sauber", weil aus ihrer Sicht unter dem Strich dann doch die Richtigen die passende Strafe bekommen hätten
:like:

Snoopy hat geschrieben:Aber vielleicht kommt ja spätestens wieder Bewegung in die Sache, wenn EH 2032 freigelassen wird? Das sind noch 15 Jahre...
In 15 Jahren hat EH erst die Hälfte ihrer Strafe abgesessen, denn sie wurde ja zu 2x 45 Jahren Haft verurteilt, die sie "hintereinander" brummen muss. Da hat Söring noch mehr Chancen, eines Tages in Freiheit zu kommen.
Mich wundert es allerdings immer wieder auf's neue, dass sie nie ein Interview gegeben oder sich erklärt hat. Mit ihrer Geschichte über sexuellen Missbrauch und Drogenkonsum hätte sie vielleicht mehr erreicht.
von Salva
So, 30. Apr. 2017, 12:04
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Nicht für mich - meine Überzeugungen basieren nicht auf Spekulationen...
:thinking: Und wie bzw. durch was bildest du dir im Fall Söring deine Meinung? Es gibt keine eindeutigen Beweise für dessen Schuld oder Unschuld und was den Prozess betrifft, da ist ja nicht nur die amerikanische Justiz davon überzeugt, dass alles sauber abgelaufen ist.

Snoopy hat geschrieben:[...] Die Milde gegenüber EH scheint mir eher andere Gründe zu haben.
Und die wären?

Snoopy hat geschrieben:Zudem finde ich es widersprüchlich, was du schreibst. Wenn die Ermittler keine handfesten Beweise hatten, konnte ihnen auch nicht "klar sein", wer diese Tat begangen hatte. Hatten sie dagegen genügend eindeutige Indizien, um sich sicher sein zu können, dass beide tatbeteiligt waren - dann hätten auch beide mit guter Verurteilungswahrscheinlichkeit wegen Mordes angeklagt werden können.
Es gibt auch in Deutschland immer wieder Fälle, wo die Strafverfolgungsbehörden einen Tatverdächtigen auch für tatsächlich schuldig befinden, ohne ihn (in juristischer Hinsicht) dafür belangen zu können. Manchmal reichen eben die Indizien oder sogar Beweise für eine Verurteilung nicht aus und dann wird auch schon mal getrickst oder Recht gebeugt. Im Fall Söring könnte es doch ähnlich abgelaufen sein, denn Widersprüche gibt es ja, wie du weißt und selbst ausgeführt hast.

Snoopy hat geschrieben:So wie im Fall "Peggy K." oder "Bauer Rupp" zum Beispiel :cool: :ups:?
Diese Fälle sind Beispiele für
Manchmal reichen eben die Indizien oder sogar Beweise für eine Verurteilung nicht aus und dann wird auch schon mal getrickst oder Recht gebeugt.
Auch da waren sich Polizei und Staatsanwaltschaft sicher, die Richtigen am Haken gehabt zu haben und das sie sich "irren" können, sehen wir ja.

Snoopy hat geschrieben:Mit Bewährung :blush: ...
Ich hätte schreiben sollen: Ohne Chance auf Bewährung.

Snoopy hat geschrieben:Hm. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Bekanntschaft des Richters mit den H.s, und überhaupt die Prominenz und der Einfluss dieser Familie, etwas damit zu tun hatte. Das Ganze war ja schon skandalös und katastrophal genug... aber ein Schuldspruch EHs als tatsächliche Mörderin ihrer Eltern, und ggf. sogar ein Todesurteil gegen sie, hätte für noch mehr Dramatik, Aufruhr und negative Schlagzeilen gesorgt, und zwar möglicherweise über Jahr(zehnt)e hinweg. Ich glaube kaum, dass das im Interesse der Familie lag. Die Verurteilung von EH "nur" als Anstifterin, verbunden mit dem konsequenten Aufbau eines Bildes von ihr als zutiefst reuige und geläuterte, demütig und bescheiden ihre Strafe verbüßende Sünderin, stellte demgegenüber zweifellos eine Variante dar, mit der der Schaden für die Familie so gut minimiert werden konnte, wie es eben in dieser Situation überhaupt noch möglich war...
Kann aber durchaus so gewesen sein. Wie aber soll man diese Ineinflussnahme, durch wen auch immer, denn beweisen?
Ich glaube, dass sich das Urteil auch dann nicht kippen lässt, wenn weitere Fakten auf dem Tisch landen. Die sitzen den Fall aus, während JS im Knast schmort.

Snoopy hat geschrieben:Na die kennst du jetzt - ich habe keine :)!
:like:

Und was den Beitrag auf Stern-TV betrifft: stimmt. Aber was sollte man erwarten?
von Salva
Fr, 28. Apr. 2017, 20:07
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Ich hatte jedenfalls mal eine "unheimliche Begegnung der dritten Art" :fearful: mit einer Unterstützerin, bei der sich das nicht so verhielt. Sie war offensichtlich felsenfest überzeugt von der völligen Unschuld ihres Schützlings, schwärmte mir verzückt vor, was für ein toller Mensch er doch sei, und reagierte höchst empfindlich und beleidigt, als ich es wagte, kritische Fragen zu stellen... :ups:! Das kam mir doch schon sehr naiv vor, muss ich sagen.
Bestimmt gibt es auch Unterstützer, die an JS' Unschuld glauben. Idealisten eben, die damals aber auch nicht dabei gewesen sind. Die Indizien lassen sich nun mal nicht leugnen. Da gibt es schon andere Fälle, die zu 100% nach Justizskandal riechen und nicht nur nach 70.
Snoopy hat geschrieben:Oh - du meinst, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie das Ganze überhaupt abgelaufen ist, könnte ich doch trotzdem mal ganz locker davon überzeugt sein, er sei jedenfalls selbst Schuld :wink_face:? Sehr logisch :grin:!
Wäre jedenfalls eine Option. Oder nicht? :blush:
Snoopy hat geschrieben:Na wenn allen klar war, dass es zwei Täter gab, dann wäre es aber doch gerade NICHT so abgelaufen, wie StA und Gericht es (offiziell) annahmen - denn angeklagt und verurteilt als Tatausführender wurde ja JS alleine.
Ich habe doch den Grund dafür genannt:

... Da sie keine forensischen/ handfeste Beweise und Tatzeugen hatten und Söring seine Geständnisse zurückzog, mussten sie EH diesen Deal anbieten. Mit Erfolg, auch wenn es dann doch noch sehr knapp wurde mit dessen Verurteilung.
Allen war klar, dass es zwei Täter gab und einer davon war Söring.

Snoopy hat geschrieben:Ein "Unbekannter" wurde ja erst ins Spiel gebracht, als schon seit Jahren die Theorie stand, dass EH und JS für diese Tat verantwortlich seien. Ein Urteil basierend auf dieser Theorie war bereits ergangen. In so einem Stadium ist die Justiz im Allgemeinen schlichtweg höchst unwillig, nochmal umzuschwenken. Dazu kommt, dass JS nun mal sooo schöne Geständnisse geliefert hatte... daher hatte man bei ihm beste Chancen, dass man ihn verurteilt bekommt, und seine eigene Karriere auf diese Weise mit einem weiteren "sauber" gelösten Fall schmücken kann. Warum also noch mal nach links und rechts schauen, wenn man sich damit nur Ärger einhandeln kann... :cool:?
Das Problem ist zunächst, dass in den USA Geständnisse wesentlich mehr Aussagekraft besitzen als hierzulande. Bei uns wird ein Geständnis auf Plausibiität und Echtheit überprüft und das aus gutem Grund.
Dass sich die amerikanische Justiz so selten Fehler eingesteht, hat auch die von dir genannten Gründe. Hinzu kommen noch die oftmals millionenschweren Abfindungen für zu Unrecht Verurteilte. Aber was will man von einem System erwarten, welches aus purem Egoismus und Karrieregeilheit seiner Vertreter/ Teilhaber zulässt, tatsächlich Unschuldige hinzurichten.
Snoopy hat geschrieben:Meinst du? Ich finde die Indizien, dass EH während der Tat anwesend war, durchaus recht gewichtig. Das Argument, dass einer der beiden zum fraglichen Zeitpunkt in Washington gewesen sein muss, kommt mir dagegen recht schwach vor (wenn mir auch noch nicht ganz klar ist, wie man in dem Fall dann an die richtigen Kinokarten kam...). Also, insgesamt wäre die Anklage und Verurteilung einer gemeinschaftlich begangenen Tat aus meiner Sicht auch möglich gewesen.
Und warum dann diese Konstellation, wie sie heute ist? JS 2x lebenslange Haft ohne Bewährung und EH 90 Jahre?
Snoopy hat geschrieben:Na, als "clever" würde ich das Vorgehen der Justiz nicht bezeichnen... vielmehr tatsächlich als trickreich und vor allem unfair. Klar wurmt JS das. Finde ich auch verständlich.
Na ja... da wären wir wieder beim Thema "Selbst schuld". :grin: Nein... Trickreich und clever war das Ding mit dem Sockenabdruck. Ungerecht und unfair der Deal mit EH. Auch die Nummer mit den Blutgruppen und DNS-Spuren stinkt zum Himmel.
Snoopy hat geschrieben:Ob es ihn mehr oder weniger kratzt als die Konsequenz dieser Vorgehensweise, nämlich dass er inzwischen seit über drei Jahrzehnten inhaftiert ist und kaum eine Chance auf Entlassung hat, wage ich nicht zu beurteilen...
Ich wollte nur deine persöniche Meinung dazu erfahren :wink_face:
von Salva
Fr, 21. Apr. 2017, 21:57
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Genau so sehe ich das ebenfalls. Von daher wundert es mich auch ziemlich, wie JS diesen relativ großen, überwiegend wohl fest von seiner Unschuld überzeugten Unterstützerkreis um sich versammeln konnte. Manchmal denke ich, zumindest der engste Kreis müsste da eigentlich doch mehr wissen.
Jemand aus der Unterstützergruppe sagte mal in einer TV-Sendung, dass es ihnen nicht um die Frage nach der Schuld oder Unschuld geht, sondern um das unmenschliche amerikanische Strafsystem und um die Tatsache, dass der damals 19-jährige Jens Söring in Deutschland niemals so hart verurteilt worden wäre, selbst wenn er einer der Mörder gewesen wäre. Und dass sie nicht wüssten, ob Söring ein Mörder ist. Ihrer Meinung nach hat er ausreichend für seine Fehler gebüßt und eine zweite Chance verdient (mich erinnert das komischerweise immer an Jack Unterweger).
Da sie mit dieser Einstellung jedoch weder von der politischen Seite, noch von der breiten Öffentlichkeit die erhoffte Resonanz und das erforderliche hartnäckige Engagement erhielten, mussten sie sich zwangsläufig mit dem Fall selbst beschäftigen, der Welt die Diskrepanzen und Fehlverhalten aufzeigen und den Eindruck eines Justizirrtums erwecken. Allerdings geht diese Taktik bislang nicht auf und das liegt überwiegend an Jens Söring selbst Er ist für die breite Masse unglaubwürdig und dem schließe ich mich an.
Snoopy hat geschrieben:Aber vielleicht ist die Version, wie es nun wirklich war, nicht genügend öffentlichkeitstauglich, weil JS zwar nicht der brutal mordende Einzeltäter war, aber eben auch nicht der völlig naiv und ahnungslos in Washington wartende Unbeteiligte...?
... und somit am Ende doch selbst schuld an seiner Situation ist? :psst:

Snoopy hat geschrieben:Was denkst du denn, wie es wirklich abgelaufen ist? Hast du eine Theorie?
Meine Theorie ist, dass es so abgelaufen ist, wie die StA und das Gericht es angenommen hat. Da sie keine forensischen/ handfeste Beweise und Tatzeugen hatten und Söring seine Geständnisse zurückzog, mussten sie EH diesen Deal anbieten. Mit Erfolg, auch wenn es dann doch noch sehr knapp wurde mit dessen Verurteilung.
Allen war klar, dass es zwei Täter gab und einer davon war Söring. Hätte es wirklich einen anderen Beteiligten gegeben, dann frage ich mich, warum Haysom nicht den ans Messer lieferte. Die andere Frage ist, warum die StA unbedingt den Jens Söring an den Kragen wollte, wenn denn tatsächlich die Möglichkeit bestand, dass EH und ein bis dato Unbekannter die beiden Morde verübten.
Die Behörden hatten keine andere bzw. bessere Möglichkeit BEIDE zu verurteilen und deswegen wirken einige Passagen zu sehr konstruiert und genau da haken JS' Unterstützer ein. Und auch ich verurteile solche Methoden, selbst wenn dadurch ein Mörder ungestraft davonkommen könnte. Es bleiben halt immer ein bitterer Geschmack und Fragezeichen und zwar in beide Richtungen.


Jens Söring ist weitaus cleverer, gerissener und abgebrühter als man ihm zutrauen möchte. Selbst damals schon, als junger 19-Jähriger und das zeigt alleine schon die Tatsache, wie er all diese Jahre im Gefängnis überstanden hat. Mit seiner hervorragenden Intelligenz, gepaart mit seinem unschuldig wirkenden Wesen, wickelt er die Menschen in gleicher Art und Weise um seine Finger, wie er andere durch seine maßlose Überheblichkeit und Arroganz abstößt.
Was glaubst du Snoopy: was kratzt Söring am allermeisten? Die vielen Jahre im Bau oder die Tatsache, dass die Justiz am Ende doch um einen Tick cleverer und trickreicher war als er? Ich bin der Meinung: letzteres.
von Salva
Di, 18. Apr. 2017, 23:25
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

@Snoopy
Natürlich ist es okay, unterschiedliche Meinungen zu vertreten. Ich will dich ja nicht bekehren und deine Ansichten ändern. Warum auch? Im wesentlichen und wichtigsten Punkt vertreten wir doch die gleiche Meinung: Jens Söring hat im Knast nichts zu suchen, weil er aufgrund der Beweislage/ Indizien nicht hätte verurteilt werden dürfen. :like:


Was mich bis heute aber wundert ist, dass er nicht vollständig aufdeckt was damals geschehen ist und was z.B. in diesen Briefen steht. Das macht ihn für seine Gegner angreifbar und vor allem unglaubwürdig. Einmal verurteilt, muss ein (vermeindlicher) Täter seine Unschuld beweisen. Und er muss seine Widersacher überzeugen. Eine schonungs- und lückenlose Aufklärung gehört meiner Meinung nach auch dazu, denn das selbe verlangen wir doch auch von den Ermittlern und der Justiz. Aber im Fall Söring hat jede Seite der Beteiligten so ihre Geheimnisse und sitzt ihre Ungereimtheiten und Fehler aus.
von Salva
Di, 18. Apr. 2017, 18:20
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Behauptest du. Das kann man aber auch ganz anders sehen... :)
Stimmt, ist meine Behauptung. Es ist meiner Meinung nach nämlich überhaupt nicht ehren- oder heldenhaft einen Doppelmord zu decken, den die Liebste an den eigenen Eltern begangen hat. Genauso wenig ist es ehrenhaft, mit einem derartigen Vorschlag einverstanden zu sein und wie wir ja sehen, war es gerade EH, die durch diesen Deal ihren Ritter ans Messer geliefert hat.
Snoopy hat geschrieben:Dass JS zum Teil illegal gehandelt hat, steht ja außer Frage. Natürlich hätte er manches nicht tun dürfen (allerdings wohl nicht primär deshalb, weil er kein Angehöriger war).
Nein, nicht nur deswegen. Haysom hat keinen Kiosk geknackt oder "nur" Drogen vertickt. Das solltest du berücksichtigen.
Snoopy hat geschrieben:Das Motiv und die sonstigen individuellen Umstände spielen aber eine entscheidende Rolle dabei, für wie verwerflich man das Decken der Elternmörderin und die damit einhergehenden Straftaten insgesamt einschätzen kann, und wieviel Schuld dementsprechend JS mit diesem Handeln auf sich geladen hat. Das kann man sicherlich unterschiedlich bewerten... aber fest stehen dürfte, dass, selbst wenn man strenge Maßstäbe anlegt, JS mit diesem Handeln zumindest nicht eine so große Schuld auf sich geladen hätte, dass damit eine lebenslange Inhaftierung gerechtfertigt wäre. Noch nicht einmal nach US-Strafrecht, wie ich annehme. Von daher fände ich es schon mal Nonsens, zu sagen, er habe dadurch die gleiche Strafe verdient, wie wenn er die Eltern seiner Freundin selbst umgebracht hätte - und sei daher "selbst Schuld" an seiner jetzigen Lage.
Hier vergisst du das wesentliche: nämlich, dass Söring für den Doppelmord an Nancy und Derek Haysom verurteilt wurde und deshalb diese Strafe bekam und nicht wegen des Versuches, die Strafe auf sich nehmen zu wollen. Das ist ein großer und bedeutender Unterschied. Allerdings hat das nichts damit zu tun, ob das Urteil gerechtfertigt ist, weil Söring tatsächlich deren Mörder war. Wie bereits erwähnt, ist das eine andere Geschichte. Nämlich die eines Justizskandales. In meinen Augen jedenfalls. Es kann nicht sein, dass ein Täter nur anhand eines Sockenabdruckes derart verurteilt wird. Bis zur Vorstellung dieses "Beweismittels" stand es in der Jury 6:6 und selbst der StA sagte, dass JS ohne dem sehr wahrscheinlich freigesprochen worden wäre. Und noch weniger kann es sein, dass die wahre Mörderin quasi belohnt wird, in dem sie einen Unschuldigen hinhängt.

Du kannst es aber drehen und wenden wie du willst, @Snoopy: Jens Söring hat einen großen Fehler begangen. Das weiß er selbst und sagt das auch genau so. Hätte er damals anders gehandelt, die Möglichkeit bestand auf jeden Fall, hätte es diesen katastrophalen Prozess nie gegeben und er hätte sein Leben gelebt. Söring wird nie in Freiheit kommen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Wenn überhaupt, gibt es vielleicht nur eine Möglichkeit: er müsste seine Tat gestehen und Reue zeigen. Aber dafür ist es längst zu spät und falls er wirklich unschuldig ist, ein Schritt, den ich mir nicht überlegen möchte.
Snoopy hat geschrieben:Und dass ein eventueller Ausgang beim Gelingen des Planes nicht dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden entspricht, heißt auch mitnichten, dass man dann zwangsläufig den Ausgang beim Scheitern des Plans als gerecht ansehen müsste ;) ...
Habe ich das etwa behauptet? Keinesfalls. Ich sagte und sage noch immer: er trägt die Hauptschuld an seiner Situation. Mit Gerechtigkeit in juristischer Hinsicht hat das nichts zu tun.
von Salva
Di, 18. Apr. 2017, 10:11
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Meinst du? Ich fand eher, dass du mich missverstanden hattest.
Kann auch sein :grin: Und nun? :thinking: Ich glaube, wir sollten den Fall nach unterschiedlichen Gesichtspunkten bewerten und diskutieren.
Snoopy hat geschrieben:Sicherlich war JS im juristischen Sinne vermutlich schuldfähig. Darum ging es mir aber nicht.
Nicht nur das. Er ist auch schuld an seiner Situation und das war Thema.
Snoopy hat geschrieben:"Rechtfertigt" nicht - aber die Schuld erhöht oder vermindert sehr wohl. Außerdem, ich wiederhole mich, geht es hier eben nicht um die Motivation zur Tötung von Menschen, sondern um die Motivation, eine Doppelmörderin zu decken, mit ihr zu fliehen, und die Morde fälschlicherweise zu gestehen, um sie vor der Hinrichtung zu bewahren.
Mal davon ausgehend, dass JS nicht gemordet hat: welche Rolle spielt denn in seinem Fall das Motiv, eine Elternmörderin zu decken? Er rechtfertigt dadurch vielleicht seine Absichten und Handlungen, aber er hatte kein Recht dazu, weil er kein Angehöriger oder Hinterbliebener war. Nur die dürfen Lügen, eine Straftat decken oder die Aussage verweigern. Somit hat er sich selbst diesem Gericht ausgesetzt, dass ihm daraus einen Strick gedreht und zu lebenslanger Haft verurteilt hat. Ob das Urteil richtig oder falsch ist, ist eine ganz andere Frage. Und ob er aus moralischer Sicht richtig oder falsch gehandelt hat, auch.

Abgesehen davon: stell' dir doch bitte mal vor, Söring's Plan wäre aufgegangen. EH wäre demnach in Freiheit geblieben, er selbst hätte maximal ein paar Jährchen Jugendstrafe in Deutschland bekommen. Unter Einbeziehung der Straftaten, die er während der Flucht begangen hat. Wäre das eine gerechte Strafe für das Abschlachten eines Elternpaares?
von Salva
Di, 18. Apr. 2017, 01:51
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

@Snoopy
Du bringst hinsichtlich Schuld, Schuldfähigkeit bzw. Schwere der Schuld und Tatmotivation einiges durcheinander. Auch das, was ich darüber geschrieben habe.
Zu den Themen Schuld und Schuldfähigkeit/ Schwere der Schuld möchte ich zunächst aus dem Essay "Einer muss immer Schuld haben" der Stern-Autorin Frauke Hunfeld im Stern Crime 04 zitieren:
Schuld bedingt, dass man sich entscheiden konnte. Dass man auch anders hätte handeln können. Dass man wusste, was man tat und wie es ausgeht oder ausgehen könnte, dass man es wollte oder in Kauf nahm. Schuld setzt Wissen voraus, Wollen und Einsicht. Oder zumindestens die Möglichkeit des Wissens.
Beziehe doch bitte mal vor allem den letzten Absatz auf Jens Söring:
Ungeachtet dessen, ob tatsächlich des Doppelmordes schuldig oder nicht, er konnte doch anders handeln und sein Tun beweist auch, dass er über die möglichen Konsequenzen für sich und Haysom sehr genau Bescheid wusste. Er wollte sie "nur schützen" und nahm dazu sogar bewusst in Kauf, an ihrer Stelle für die Tat belangt zu werden. Dass das Gericht sein Spiel mitspielte und ihn verknackte, damit rechnete er und das ist bekannt. Dass das aber in den USA und mit diesem Strafmaß geschah... das allerdings nicht. Es war ein Spiel mit dem Feuer und Haysom mit ihrem Deal mit der StA und die Justiz bzw. das Gericht haben ihm gehörig die Finger verbrannt. Aber mit dem gleichen Brennstoff, den Söring selbst geliefert hatte.

Zur Tatmotivation: da wiederhole ich mich wenn ich sage, dass kein Motiv der Welt die Tötung eines Menschen rechtfertigt. Selbst wenn das eine Motiv nachvollziehbarer wäre als das andere.
von Salva
Fr, 14. Apr. 2017, 00:51
Forum: USA
Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

@Snoopy

Zwischen Schuldfähig und Schuldunfähig gibt's noch etwas: Die verminderte Schuldfähigkeit nach § 21 StGB.
Zudem ist die Schwachsinnigkeit nur ein Kriterium für die Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit eines Täters von weiteren:
§ 20 StGB - Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen

Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.
dejure.org

§ 21 StGB - Verminderte Schuldfähigkeit

Ist die Fähigkeit des Täters, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, aus einem der in § 20 bezeichneten Gründe bei Begehung der Tat erheblich vermindert, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.
dejure.org

Ich kann suchen wie ich will, für Söring finde ich nichts passendes. Wobei andere der Meinung sind, dass die vehemente Leugnung seiner Tat krankhaft ist und jemand so einen Mord nur begehen kann, wenn er nicht alle Tassen im Schrank hat. Demnach wäre Söring nach dem deutschen Gesetz schuldunfähig. Wie auch immer, ein Urteil richtet sich auch nach der Schwere der Schuld, die ein Täter auf sich geladen hat und da gibt es nun mal starke Unterschiede.

Snoopy hat geschrieben:Nunja... in Deutschland ist das immerhin noch nicht mal strafbar. Jaja, ich weiß, in den USA schon ;)!
Wenn Söring wusste, dass Haysom ihre Eltern ermorden wollte, hätte er sich auch in Deutschland strafbar gemacht. Und zwar nach § 138 StGB - Nichtanzeige geplanter Straftaten.

Snoopy hat geschrieben:Woher weißt du so genau, wie bewusst ihm damals irgendetwas war, wie vorausschauend er zu dem Zeitpunkt handeln konnte, und welche Alternativen er ggf. sah, abwog und verwarf? Hinterher kann man immer leicht reden. Aber wenn man - mit 18/knapp 19 Jahren! - ohne zu wissen wie einem geschieht plötzlich in eine zuvor noch nie auch nur ansatzweise so erlebte Extremsituation hineinkatapultiert wird und die Zukunft noch nicht kennt, ist das u.U. weitaus weniger klar... auch für einen sehr intelligenten Menschen.
:thinking: Söring hat das doch selbst erzählt und seine Handlungen immer wieder hinreichend und ausführlich begründet. Keine Ahnung, warum du das geschrieben hast. :confused:

Snoopy hat geschrieben:Und warum du meinst, das Motiv dürfe dabei keine Rolle spielen, verstehe ich auch nicht ganz. Für mich spielt bei der Bewertung der Handlung eines Menschen jedenfalls sehr wohl eine große Rolle, ob ein menschlich/moralisch nachvollziehbares Motiv ersichtlich ist oder nicht.
Wenn wir vom Tatbestand MORD sprechen, gibt es keinen Spielraum. Diese Frage stellt sich also erst gar nicht. Ein menschlich/moralisch nachvollziehbares Motiv würde sich eventuell nur bei den anderen Tötungsdelikten finden lassen und dennoch gibt es nichts, was die Tötung eines anderen Menschen rechtfertigt.

Snoopy hat geschrieben:Da sind wir ziemlich einer Meinung. Dann verstehe ich aber um so weniger, warum du meinst, JS brauche sich nicht darüber zu beklagen, dass der Staat ihm Unrecht angetan habe :o :thinking:. Nur weil ein Tatverdächtiger möglicherweise einige sehr dumme Dinge tut und sagt, verwirkt er ja nun nicht automatisch den Anspruch auf ein faires Verfahren. Somit beschwert er sich also auch zu Recht, wenn ihm kein faires Verfahren zuteil wurde.
Im Fall Söring gibt es zwei wesentliche Grundfragen, die weltweit diskutiert werden:

1. Ist Jens Söring schuldig?

2. Sind ~ 31 Jahre Knast genug (= Bewährung = evtl. Freiheit)?

Für diejenigen, die Söring für einen Doppelmörder halten, sind diese knapp 31 Jahre quasi erst der Anfang. Für die andere Seite sind die ein Justizskandal. Und dann gibt es welche, für die sind selbst für einen Doppelmörder 31 Jahre zuviel des Guten.
Ich weiß nicht, ob Söring diese Morde begangen hat. Betrachte ich alleine die forensischen Beweise, dann nicht. Aber es gibt Indizien. Und es gibt diesen Deal von Haysom mit der Staatsanwaltschaft, bei dem sie Söring ans Messer geliefert hat und andere "Ungereimtheiten" wie Falschaussagen usw. und um die geht's mir bei diesem Fall.
Söring hat den Fehler gemacht, Haysom decken bzw. vor der vermeindlichen Todesstrafe retten zu wollen. Hätte er das nicht getan sondern gehandelt, wie das Gesetz vorschreibt, wäre er niemals in diese Situation geraten und diesen Schauprozess gegen ihn hätte es erst gar nicht gegeben. Natürlich liegt die Schuld beim Gericht. Schon wegen der Art und Weise, wie der Prozess geführt wurde. Aber die Hauptschuld trägt Söring selbst.
von Salva
Mo, 10. Apr. 2017, 00:34
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Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

@Snoopy

Ich kann einem hochintelligenten 19-Jährigen wesentlich mehr Sinn für Gerechtigkeit und Wissen um sein Tun zumuten als jemanden, dessen Mofa mehr PS hat als er Punkte bei einem IQ Test erreicht und das tue ich auch.
Wurde Söring von Haysom hereingelegt? Mag sein. Aber ab einen gewissen Punkt hätte ihm klar sein müssen, dass es einfach nicht richtig sein kann, einen Doppelmord zu decken. Das Tatmotiv darf dabei niemals eine Rolle spielen, selbst wenn es in manchen Fällen durchaus nachvollziehbar ist. Söring hat sich selbst in diese Lage gebracht und noch schlimmer: sogar bewusst! Schon deshalb hält sich mein Mitleid doch sehr in Grenzen und ich ändere meine Meinung diesbzgl. nicht.

Eine andere Frage betrifft das Strafmaß:
Ist Söring tatsächlich unschuldig, dürfte er nicht bestraft werden. Somit wäre diese Zeit im Knast weitaus mehr als nur eine Katastrophe. Ist er es nicht, sehe ich aufgrund eben seiner überragenden Intelligenz und seiner Handlungsfähigkeit - die er ja bis heute jedem unter die Nase reibt - keine mildernden Umstände. Das Problem ist nur, dass das amerikanische Strafsystem ein wenig anders tickt als das Deutsche und nicht auf Resozialisierung, sondern auf Bestrafung basiert. Aber auch dieser Umstand war Söring durchaus bekannt. Ob so ein System angemessen bzw. besser ist als ein anderes, soll dabei jeder selbst beurteilen. Ich verabscheue das amerikanische Justizwesen und erst recht dessen Vollzug. Aber nicht die Höhe bzw. Dauer der Haftstrafen, wenn es denn den Richtigen trifft. Die Todesstrafe lehne ich dabei aber ganz entschieden ab. U.a. aus Gründen der Menschlichkeit.

Was Söring's Schuld oder Unschuld betrifft:
Für mich basierte der Prozess auf Indizien + mehr Lug und Betrug und ich habe nie einen Hehl daraus gemacht: Söring hätte niemals verurteilt werden dürfen. Das ist übrigens der einzige Grund weshalb auch ich der Meinung bin, dass Söring nach Deutschland überstellt und Aussicht auf ein Leben in Freiheit bekommen sollte.
von Salva
Do, 6. Apr. 2017, 22:38
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Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Wie auch immer man das nennen will... das rechtfertigt aber doch alles keine Inhaftierung eines Heranwachsenden bis zum Lebensende, oder?
Nehmen wir mal an, Söring ist tatsächlich ein Doppelmörder. Welche Strafe wäre dann angemessen? Nicht vergessen: hätte es diesen Deal vor der Auslieferung nicht gegeben, wäre Söring womöglich längst hingerichtet worden und zwar entsprechend dem bundesstaatlichen Gesetz, nach dem für bestimmte Straftaten die Todesstrafe verhängt wird. Er kann also froh sein, dass er überhaupt noch lebt. Andere hatten da wesentlich weniger Glück, obwohl sie nachweislich unschuldig waren.

Du darfst unser Rechts- und Strafsystem auch nicht mit dem amerikanischen vergleichen. Unser System setzt auf Resozialisierung, das der Ami's auf Rache = drakonische Strafen. Deshalb werden dort mitunter sogar psychisch Kranke hingerichtet oder Minderjährige auf Ewig weggesperrt. Also: Wo immer ich auch lebe, habe ich mich der dortigen Gerichtsbarkeit unterzuordnen. Das verlangen wir z.B. bei den Flüchtlingen oder Asylbewerbern in Deutschland doch auch. Oder nicht? Warum, frage ich dich, sollten die Amis bei Söring eine Ausnahme machen, wenn er von einem amerikanischen Gericht für Schuldig befunden wurde?
von Salva
Di, 4. Apr. 2017, 21:53
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Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy hat geschrieben:Naja... wenn Sörings Story so stimmen würde, wie er sie erzählt, könnte man ihm doch nicht viel vorwerfen, oder? Dass EH in diesem Fall akut von der Todesstrafe bedroht gewesen wäre, ist wohl kaum zu leugnen... und dass er sie davor bewahren wollte, finde ich jetzt nicht wirklich verwerflich.
[...]
Aber meine Güte, 19 Jahre alt und blind vor Liebe... da macht man solche Fehler. Ein lapidares "hat er sich doch selbst eingebrockt" fände ich angsichts der fatalen Folgen dieser jugendlichen Fehleinschätzung schon ganz schön hart...
:thinking: Ich weiß ja nicht... wenn ein hochbegabter und -intelligenter Stipendiat einen äußerst brutalen und grausamen Elternmord deckt, sich dann von Tannen macht und zudem weitere Straftaten begeht, kann man wohl kaum noch von jugendlichen Leichtsinn oder Fehler sprechen. Oder etwa doch?
von Salva
Mo, 3. Apr. 2017, 19:40
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Thema: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Die amerikanische Justiz wird einen Teufel tun und Jens Söring begnadigen! Denen geht es alleine schon um's Prinzip. Das zeigt auch der Fall Dieter Riechmann obwohl längst erwiesen ist, wie da gelogen und betrogen wurde. Klar... bei uns wäre ein 19-Jähriger nach so einer Tat längst wieder in Freiheit. Wenn denn die Beweismittel für dessen Verurteilung ausreichend bzw. hinreichend begründet gewesen wären. Im Fall Söring sehe ich das nach wie vor nicht. Haysom war cleverer: sie hat ihren Deal gemacht und musste deshalb nicht auf dem Blitz reiten!

Er sei unglaublich enttäuscht und überrascht, schrieb Jens Söring noch am Freitag. "Für mich ist diese Entscheidung absolut unverständlich nach all den neuen Erkenntnissen." Er werde trotzdem nicht aufgeben zu kämpfen. "Der Staat hat mir entsetzliches Leid angetan in den letzten 31 Jahren, er hat mir mein Leben und meine Freiheit geraubt, diese Entscheidung ist nur ein weiteres Unrecht, nein, es ist eine Straftat." Söring schrieb noch am Sonntag, dass die einzig gute Nachricht sei, dass der Antrag auf seine Unschuldserklärung, den sein Anwalt im August letzten Jahres mit den neuen DNS-Erkenntnissen eingereicht hatte, wohl noch nicht entschieden wurde. Zur gleichen Zeit wurde über die Medien bekannt, dass der Gouverneur angedeutet habe, auch die Unschuldserklärung abzulehnen.
jenssoering.de/SZ, 3. April 2017

Das sehe ich nicht so. In diese Lage hat er sich ganz alleine gebracht und zwar egal, ob schuldig oder nicht.

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