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von Salva
Do, 2. Mai. 2019, 23:28
Forum: USA
Thema: Bridgeton: Mutter meldet Sohn (†1) als entführt, doch Lügendetektortest bringt grausame Wahrheit zutage
Antworten: 3
Zugriffe: 607

Bridgeton: Mutter meldet Sohn (†1) als entführt, doch Lügendetektortest bringt grausame Wahrheit zutage

brianbolzmann hat geschrieben:
Fr, 12. Apr. 2019, 11:40
Sind Lügendetektorentests denn in Deutschland als Beweismittel erlaubt.
Dazu auszugsweise ein Artikel im Spiegel vom 08.04.2018:
Sofern die Beweise zu wenig hergeben, der Verdächtige schweigt oder Aussage gegen Aussage steht, kommt in Film und Fernsehen oft der große Auftritt für den Lügendetektor. Er soll den endgültigen Hinweis liefern - für Schuld oder Unschuld.

So beliebt wie das Gerät bei Regisseuren ist, so umstritten ist der sogenannte Polygraf bei Wissenschaftlern. Und doch wird er in der Realität eingesetzt. In den USA nutzen Firmen den Apparat bei Bewerbungsgesprächen, Kriminalkommissare drängen Verdächtige seit jeher gern mal zu einem Test.

Ermittler aus Belgien und Finnland machen es ihnen längst nach. Auch Briten und Niederländer versuchen mit regelmäßigen Detektorbefragungen, Sexualstraftäter besser zu kontrollieren. Selbst in Deutschland kommt der Lügendetektor im Gerichtssaal zum Einsatz.

Sachsen setzt auf den Detektor

Mindestens 16 Mal haben sächsische Opferhilfen, Beratungsstellen für Missbrauchsopfer und das Landeskriminalamt Sachsen seit 2013 den Einsatz eines Polygrafentests bei Gerichtsverhandlungen beobachtet. Auch Kölner Gerichte haben die Geräte genutzt.

Zwar hatte der Bundesgerichtshof (BGH) bereits 1998 entschieden, dass ein Lügendetektor in Strafprozessen "keinerlei Beweiswert" hat, sondern lediglich körperliche Vorgänge misst. 2003 wurde das Urteil auch vom 1. Zivilsenat des BGH bestätigt.

Doch wirklich verboten sind die Geräte damit nicht, die Tests dürfen nur nicht als Beweise genutzt werden. So kommt es, dass Gerichte durchaus mit Lügendetektoren arbeiten und die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen. Nur dürfen diese Ergebnisse dann nicht in der offiziellen Begründung eines Urteils auftauchen. Zumindest in Sachsen ist das trotzdem schon passiert. Warum all das alarmierend ist, zeigt ein Blick in die Forschung.

Die Idee hinter einem Lügendetektor ist simpel: Menschen, die lügen, sind nervös. Das zeigt sich in körperlichen Reaktionen. Sie schwitzen, haben einen erhöhten Puls, atmen unregelmäßiger oder schneller. Die Theorie ist mehr als 100 Jahre alt - und auch an der Messung hat sich seither wenig verändert.

Wer sich einem solchen Test unterzieht, dem wird ein Gurt um die Brust geschnallt, um die Atmung zu messen, erhält zudem Elektroden an die Finger oder Handfläche, die messen, ob er oder sie schwitzige Hände bekommt. Um den Oberarm wird ein Blutdruckgerät befestigt.

Der Prüfer stellt dann sogenannte Kontrollfragen, die nichts mit der Straftat zu tun haben sowie solche, die genau auf diese abzielen. Ein Gerät zeichnet für jede Frage auf, wie der Körper des Befragten reagiert. Die Werte für "Haben Sie schon einmal etwas geklaut?" stehen dann neben denen für die Tatfrage "Haben Sie Ihre Tochter misshandelt?". Die Annahme: Wer lügt, zeigt bei den Tatfragen mehr Aufregung.

Lüge oder Angst?

Aber Studien, die ganz klar zeigen, dass Lügen zu Schweiß, Herzklopfen oder Schnappatmung führen, gibt es nicht. Die American Psychological Association hält die Idee, dass man die Aufrichtigkeit eines Menschen anhand von psychophysiologischen Veränderungen feststellen kann, sogar für einen Mythos.

Der Polygraf sei weniger ein Detektor von Lügen als vielmehr ein Detektor der Angst. Etwa der Angst, entdeckt zu werden, aber auch der Angst, zu Unrecht für schuldig gehalten zu werden.

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