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Kind wurde entführt - Mutter soll Unterhalt an den Entführer zahlen

Delikte innerhalb der Familie oder Beziehung.
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Eagle
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Kind wurde entführt - Mutter soll Unterhalt an den Entführer zahlen

#1

Ungelesener Beitrag von Eagle » Do, 25. Aug. 2016, 19:43

Vor 3 Jahren wird der Kleine Alexander (jetzt 8 Jahre alt) von seinem Vater nach Kirgisistan entführt. Das alleinige Sorgerecht obliegt der Mutter. Die Rückführung Alexanders nach Deutschland blieb bisher erfolglos, da für Kirgisistan das Sorgerecht beim Vater liegt. Nun verlangen deutsche Behörden, dass die Mutter für ihren Sohn Unterhalt zahlt. Anna K. soll ihrem Ex-Freund 376 € Unterhalt zahlen, obwohl er mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, den deutschen Behörden sein Aufenthaltsort bekannt ist, der Junge die deutsche Staatsbürgerschaft hat.
Bild nicht mehr vorhandenBild.de Seit drei Jahren kämpft Krankenschwester Anna K. (41) um ihren Sohn Alexander. Ihr Ex-Freund hat das gemeinsame Kind in sein Heimatland Kirgisistan entführt.
„Es ist ungeheuerlich, dass sich das Bundesamt für Justiz für eine Forderung eines Kindes-Entführers starkmacht“, protestierte der Anwalt der Mutter. Noch sei die Zahlungsaufforderung nicht rechtlich bindend. Bei Nichtzahlung müsse das Familiengericht über die Situation entscheiden. Die Mutter fühle sich ohnehin machtlos im Kampf gegen ihren Ex-Freund – und wird nun offenbar noch bestraft.
Das Bundesamt hingegen weist darauf hin, dass es sich nur an geltende Gesetze hält, nach denen Unterhaltsansprüche grenzüberschreitend geltend gemacht werden können. Eine Kindesentführung dürfe nicht verhindern, dass das Kind ausreichend versorgt wird. „Sonst würde das Kind letztlich für den Rechtsbruch bestraft“, erklärte eine Sprecherin der „Bild“-Zeitung. Die Behörden wüssten zwar, wo sich Andrej B. und Sohn Alexander aufhalten und der Vater werde mit internationalem Haftbefehl gesucht, doch das sei nicht genug. „Zwischen Deutschland und Kirgisistan gibt es kein strafrechtliches Auslieferungsabkommen“, sagte der Anwalt der Mutter der „Bild“-Zeitung. „Ansonsten sind alle Versuche gescheitert, das Kind zurückzuholen.“Behördenstreit zwischen Deutschland und Kirgisistan(...)
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Eagle
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Re: Kind wurde ins Ausland entführt - Mutter soll Unterhalt an den Entführer zahlen

#2

Ungelesener Beitrag von Eagle » Do, 25. Aug. 2016, 19:49

Wieder ein Fall den man mit bestem Willen nicht nachvollziehen kann. Der Mann wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, den deutschen Behörden ist der Aufenthaltsort bekannt. Selbst wenn es kein Abkommen mit Kirgisistan bzgl. der Rückührung gibt, sollte es nicht das erste Anliegen der Behörden sein, von der Mutter Unterhalt zu forderen - oder? Haben wir denn ein Abkommen mit Kirgisistan bzgl. des Unterhaltes?

*Unter Kriminalität wegen der Entführung und internationalen Haftbefehl

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Re: Kind wurde entführt - Mutter soll Unterhalt an den Entführer zahlen

#3

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 25. Aug. 2016, 23:59

Ein typisches Beispiel dafür, welche Auswirkungen Gesetzeslücken und nicht vorhandene Auslieferungsabkommen haben können. :angry:
Eagle hat geschrieben:Haben wir denn ein Abkommen mit Kirgisistan bzgl. des Unterhaltes?
Dazu braucht es kein Abkommen, soviel ich weiß. Alleine schon die Tatsache, dass das Kind in Deutschland geboren ist, macht es unterhaltsberechtigt.

Interessant zur Höhe dieser monatlichen Unterhaltszahlung:
Lebt das unterhaltsberechtigte Kind im Ausland, kann bei der Bemessung des Unterhaltes das wirtschaftliche Niveau des ausländischen Staates nicht unberücksichtigt bleiben, wenn es deutlich niedriger liegt als in Deutschland. Unterhalt dient der Befriedigung des aktuellen Lebensbedarfs, nicht aber der Vermögensbildung. Dem Kind steht der Betrag zu, der erforderlich ist, um den ihm zukommenden Lebensstandard an seinem Aufenthaltsort zu sichern. Handelt es sich um Länder, deren wirtschaftliche Verhältnisse mit denen in der Bundesrepublik vergleichbar sind, werden im Kindesunterhalt die vollen Sätze der Düsseldorfer Tabelle geschuldet (Beispiel Holland). Lebt das Kind in einem Land mit niedrigerem wirtschaftlichen Niveau, ist durch eine Korrektur sicherzustellen, dass das Kind nur den Betrag erhält, der es in die Lage versetzt, einen dem Lebensstandard des Barunterhaltspflichtigen entsprechenden Lebensstil zu pflegen.
deutsche-anwaltshotline.de

Ich bezweifle mal stark, das Kirgisistan mit dem deutschen Niveau vergleichbar ist und demnach diese 376 € viel zu hoch bemessen sind. Einer Quelle (allerdings aus 2003) zufolge, würde der Unterhalt für das Kind in Kirgisistan nur 1/4, also 94 € betragen. Offensichtlich hat das Amt noch nie etwas von "Verbrauchergeldparität" usw. gehört bzw. gelesen, selbst wenn dieser Satz inzwischen etwas höher ausfallen sollte.

Das das Kind unterhaltsberechtigt ist, ist klar. Und nüchtern betrachtet, muss auch ein vom Vater entführtes Kind essen, trinken und Klamotten usw. haben. Sehr tragisch für die Mutter, aber am Ende kommt das Geld (hoffentlich) auch ihrem Kind zugute. Das eine (Entführung) hat nun mal mit dem anderen (Unterhalt) nichts zu tun.
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Eagle
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Re: Kind wurde entführt - Mutter soll Unterhalt an den Entführer zahlen

#4

Ungelesener Beitrag von Eagle » Fr, 26. Aug. 2016, 16:25

Ich hab mal ein bisschen recherchiert:

Die Landeswährung: Som

1 Som = 100 Tyiyn
1000 Som = 22,91 €

Das Jahreseinkommen beträgt durchschnittlich pro Kopf Brutto 1.170 USD (2015), ein Lehrergehalt z.B. ca. 60 USD/Monat

Gehen wir also davon aus, dass der Vater des Kindes ein jährliches Einkommen von ~ 1.170.- USD (mtl. 97,-- USD) hat (entspricht einem Jahreseinkommen von 1.035,53 € oder 86.-- €/mtl.)

Der geforderte Unterhalt pro Monat = 376,--€ x 12 Monate = 4.512 €/Jahr/Netto

Ein 8-jähriges Kind geht zur Schule (hoffentlich), hat Wünsche und Bedürfnisse. Bei der Höhe des Unterhaltes dürfte das zum einen überhaupt kein Problem sein und der Vater kann nach dortigen Verhältnissen in Saus und Braus leben.
Gerecht geht anders.:sad:

Quelle zum Einkommen Bundesministerium

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