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Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

Unterschiedlich motivierte Tötungsdelikte.
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Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#1

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Do, 29. Jan. 2015, 00:32

Ein aufsehenserregender Frall, m.E., aber darüber können (und sollten) wir diskutieren, keineswegs gelöst, auch, wenn es derzeit ein rechtskräftiges Urteil gibt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_C ... %B6hringer
Tathergang und Ermittlungen

Am Tag der Tat wollte das Opfer zu einem Termin die Wohnung verlassen. Da dieser Termin regelmäßig stattfand, wird davon ausgegangen, dass diese Gelegenheit genutzt wurde. Das Opfer wurde an der Tür abgefangen und mit Schlägen auf den Kopf in den Flur der Wohnung zurückgedrängt. Es wurde festgestellt, dass die Ermordete mit mindestens 24 Schlägen auf den Kopf getötet wurde. Es konnten schwarze Lackspuren am Schädel festgestellt werden. Das Tatwerkzeug, das nie gefunden wurde, war ein schwerer Gegenstand.[2] Denkbar sei ein Hammer mit kleiner Kante oder ein Kombiwerkzeug.[6] Todesursache war zentrale Lähmung bei schwerer Schädel-Hirn-Verletzung in Verbindung mit massivem Blutverlust nach außen. Der gerichtsmedizinische Sachverständige hält den Todeszeitpunkt zwischen 18:15 Uhr und 19:00 Uhr für plausibel, kann aber einen Todeszeitpunkt nach 19 Uhr nicht sicher ausschließen, da der 90-Prozent-Streubereich aus dem Obduktionsergebnis zwischen 15 Uhr und 23 Uhr liegt.[6]
Ermittlungen und Gerichtsprozess

Nach Ermittleransicht kam als Täter ausschließlich Charlotte Böhringers Neffe Benedikt Toth (* 2. Februar 1975) in Betracht. Er habe seine Tante ermordet, um sich den Erbanteil zu sichern, nachdem er Streit um sein abgebrochenes Studium gefürchtet habe. Toth bestreitet die Tat bis heute. Er gab an, am Tattag mit einer Erkältung zu Hause gewesen zu sein, womit ihm ein Alibi fehlte.[6] Die Verteidigung beantragte eine nachträgliche 3D-Rekonstruktion des Tatorts und erhoffte sich Aufschlüsse darüber, ob der Täter Rechts- oder Linkshänder war.[2] Aufgrund der Indizien soll der Täter vermutlich Rechtshänder gewesen sein. Der für diesen Mord Verurteilte, Benedikt Toth, ist aber Linkshänder. Laut Gutachten eines Neurologen könnte aber auch ein Linkshänder mit dem Hammer in der rechten Hand tödlich zuschlagen. Das Gericht schrieb im Urteil, dass er das Werkzeug, obwohl Linkshänder, in die rechte Hand nahm, da sich die Wohnungstür nach links öffnet und um ein Zudrücken der Tür mit der linken Hand zu verhindern und gleichzeitig zuschlagen zu können, ohne durch das Türblatt behindert zu sein.[7] Die für 13 Tage angesetzte Hauptverhandlung, unter dem Vorsitz von Manfred Götzl, begann am 2. Mai 2007 und endete am 12. August 2008 nach über 15 Monaten und insgesamt 93 Verhandlungstagen mit der Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld. Bargeld und Zeitungen aus dem Besitz des Opfers, DNA-Spuren, Gelegenheit, Motiv, Nachtatverhalten und fehlendes Alibi bildeten die Indizienkette. Es wurden DNA-Spuren am Umschlag des Testaments sowie am Sakko des Opfers gefunden. Diese DNA-Spuren konnten zwar nicht auf ihr Alter untersucht, dafür aber Toth zugeordnet werden. Die Verteidigung legte Beweise vor, dass auch an anderen Kleidungsstücken Toths DNA-Spuren zu finden sind, da er regelmäßig mit seiner Tante zu tun hatte, was kein Beweis auf die Täterschaft sei. Die Spuren auf dem Umschlag könnten existiert haben, bevor dieser als Aufbewahrung für das Testament genutzt wurde. Mindestens zwei 500-Euro-Scheine wurden im Geldbeutel Toths gefunden.[8][9] An den Scheinen wurden Blutanhaftungen und DNS-Material von Böhringer und dem Angeklagten entdeckt. Nach dem Gutachten einer Rechtsmedizinerin ist aber nicht feststellbar, um wessen Blut es sich handelt.[10] Böhringer ließ sich täglich Zeitungen in einer Tüte an die Wohnungstür hängen, um sie hineinzuholen und später zu lesen. Die drei Zeitungen vom Tag des Mordes, zwei davon als stadtteilspezifische Ausgaben, wurden in der Wohnung von Toth gefunden.[11]

Am 2. Mai 2007 wurden in der Wohnung von Charlotte Böhringer DNS-Spuren (J73.03.3) gesichert, die mit Spuren im Fall Ursula Herrmann identisch sind. Wie es dazu kam, ist bis heute nicht geklärt.[12] Diese Spur sollte den Angeklagten entlasten, wurde vom Gericht nicht zugelassen und gilt als durch das Labor „verunreinigte Spur“.[13]

Das Gericht stellte zeitlich frühere Diebstähle des Verurteilten vom Februar 2006 zu lasten des Opfers fest, die sich auf über 3500 € beziffern.[7] Der Verurteilte gab an, im Auftrag seiner Tante gehandelt zu haben, die einen Mitarbeiter loswerden und mit seiner Hilfe eine Unterschlagung vortäuschen wollte.[7]

Als Motiv für den Mord selbst kommt Habgier in Frage: Der Verurteilte habe gefürchtet, dass sein gescheitertes Jura-Studium auffliegen könnte.[3] Gegenüber seiner Tante behauptete er, das Erste Staatsexamen bestanden zu haben, obwohl er durchgefallen war. Im Herbst hätte er das Zweite Staatsexamen ablegen müssen – spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ein Streit eskalieren können.

Das Urteil wurde im April 2010 vom BGH bestätigt.[14][15] Toths Erbanteil von 50 Prozent wurde für „verfallen“ erklärt, womit die Hälfte des Vermögens dem Staat zugefallen wäre.


Der Bruder von Benedikt Toth verklagte diesen wegen Erbunwürdigkeit in einem Zivilprozess vor dem Landgericht München I im April 2011. Nach Beendigung der Beweisaufnahme erging gegen Toth ein zwischenzeitlich rechtskräftiges Versäumnisurteil. Das Landgericht stellte die Erbunwürdigkeit von Benedikt Toth fest. Deshalb fiel das ganze Erbe an den Bruder M. Toth.[16] Der verurteilte Toth bleibt voraussichtlich bis zum Jahr 2028 in Haft.[17]
Bemühungen zur Wiederaufnahme des Verfahrens

Eine Gruppe von Unterstützern von Benedikt Toth (Spitzname „Bence“), die sich "Bürgerinitiative ProBence" nennt, fordert die Wiederaufnahme des Strafverfahrens vor einem deutschen Strafgericht außerhalb der Zuständigkeit des Oberlandesgerichts München,[7] was bisher keinen Erfolg gehabt hat.
Verfilmung

Der Fall ist Thema des Dokumentarfilms Anklage Mord. Ein Freund vor Gericht von Daniela Agostini aus dem Jahr 2010.[18]
Weblinks
Auf der - natürlich parteiischen - Seite http://www.probence.de gibt es viel Material, ua das Urteil (leider nicht als pdf).

Hier der Dokumentarfilm

32r0lMNUmvE&feature=youtu.be
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 29. Jan. 2015, 22:25

Soweit ich den Fall verfolgt habe, hatte Bence das beste Motiv für den Mord. Allerdings wird wohl auch ein "anderer sehr naher Verwandter" in Erwägung gezogen und wer das sein sollte, ist wohl klar.
Habe auch mal die WWW- und FB Seite der Unterstützergruppe durchgelesen und da fällt sofort auf, dass die inzwischen nicht mehr fortgeführt werden. Der letzte Eintrag bei FB war am 27. April 2014. Desweiteren ist die Freundin inzwischen Mutter und auch sonst scheint es, als ob sich alle mit dem Urteil abgefunden haben und ihr Leben weiterleben.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#3

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Do, 29. Jan. 2015, 22:36

Salva hat geschrieben:Desweiteren ist die Freundin inzwischen Mutter und auch sonst scheint es, als ob sich alle mit dem Urteil abgefunden haben und ihr Leben weiterleben.
Sure? ich habe das nur als Gerücht gehört. Wenn es denn so ist - es ist wäre zu gönnen. So hart das für BT klingen mag. Aber sie hat auch ein eigenes Leben. Mehr muss man dazu nicht sagen. Das müssen die Betroffenen unter sich klären.

Zu anderen möglichen Verdächtigen - ja, kann sein, natürlich.

Ich habe lange, sehr lange diesen Fall in meinem Kopf bewegt und präferriere inzwischen doch jenen bis heute unbekannten letzten Besucher. Szenario: CB war einsam, war auf der Suche, und ist dabei an den fürchterlich Falschen geraten.

Das vom Urteil unterstellte Motiv (BT wollte nicht, dass seine Studienlüge auffliegt, weil sonst enterbt worden wäre - CB wusste noch nichts vom Studienabbruch, aber der Tag der Wahrheit stand drohend bevor) darf man inzwischen als widerlegt ansehen. Es gibt mW zwei Zeugen, die unabhängig voneinander klar stellten: CB habe gewusst.

Die Site probence wird sehr wohl noch gepflegt. http://www.probence.de/app/download/143 ... sklage.pdf
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#4

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 29. Jan. 2015, 22:53

Sicher, finde ich okay wenn jeder sein Leben lebt. Aber jetzt gehe ich mal von mir aus:
Wenn ich jemanden wirklich liebe und davon ehrlich überzeugt bin, dass sie unschuldig im Gefängnis sitzt, könnte ich mich nie in eine andere verlieben. Ich würde warten.

Ich meinte ja speziell die FB- Seite, weil die auf der HP extra darauf verwiesen hatten.

Ob die Studienlüge der Tante bekannt war, nun... die kann niemand mehr fragen. Die Aussagen dazu können stimmen, müssen aber nicht.

Und was diese Spur betrifft: sie war auch eine Geschäftsfrau und glaube auch nicht, dass jeder gewusst hat, welche Kontakte sie hatte oder nicht. Da ist alles offen.

Das einzige, was mich auf den ersten Blick sofort stutzig macht, ist der Punkt rechts- oder linkshändig. Seine "Standardhand" einzusetzen ist ein Automatismus, über den man eigentlich gar nicht nachdenkt. Und wenn man die Möglichkeit nicht gleich hat, dann schafft man sich die doch, oder nicht? Auch völlig automatisch bis einem bewusst wird, dass es eben nicht geht. Erst dann schwenkt man um. So geht es mir, vor allem dann, wenn ich geziehlt Kraft ausüben muss.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#5

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Do, 29. Jan. 2015, 23:54

Die neueste Entwicklung hattest du ja noch vergessen zu posten, pfiffi...
München - Das Verfahren gegen den sogenannten Münchner Parkhausmörder Benedikt Toth wird nicht neu aufgerollt. Das Landgericht Augsburg hat einen Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten als unzulässig zurückgewiesen.

[...]

Nachdem der Bericht des Landesgerichts in Wittings Kanzlei durch das Fax gelaufen war, hatte der Anwalt nach eigenen Angaben sofort Beschwerde gegen die Entscheidung der Richter eingereicht: „Wir werden nicht aufgeben.“ Über diese Beschwerden hat nun das Oberlandesgericht München zu entscheiden.
Quelle: http://www.tz.de/muenchen/stadt/mord-pa ... 11688.html
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#6

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 00:16

hatte ich, da einige Monate raus aus der "truecrime-Online-Szene", tatsächlich nicht mitbekommen.

Schade, dass man die Ablehnung nicht konzise und konkret an den vorgetragenen Argumenten des WA-Antrga entlang begründen muss sondern dass Textbausteine reichen. Auch da würde ich für eine Reform plädieren.

Ich habe es immer für einen Fehler gehalten, den Zivilprozess nicht durchzuziehen. Wenn die Entscheidung tatsächlich so ergangen wäre, wie sich das andeutete...einer solchen Entscheidung (Zivilgericht stellt fest: nee, so kann es nicht gewesen sein) hätte man sich on Seiten der Strafjustiz kaum entziehen können. (Modelfall harry Wörz) Der richterliche Hinweis allein war dazu aber zu schwach.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#7

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Fr, 30. Jan. 2015, 01:08

pfiffi hat geschrieben:Schade, dass man die Ablehnung nicht konzise und konkret an den vorgetragenen Argumenten des WA-Antrga entlang begründen muss sondern dass Textbausteine reichen. Auch da würde ich für eine Reform plädieren.
Jaaa... darum hatte ich mit einer Ablehnung ohnehin erstmal gerechnet. War bei Harry W. übrigens genauso!

Nur, dass das Gericht in diesem Fall für die ablehnende Entscheidung runde zwei Jahre gebraucht hat, ist doch schon recht... ungewöhnlich, sag ich mal... 8-)
pfiffi hat geschrieben:Ich habe es immer für einen Fehler gehalten, den Zivilprozess nicht durchzuziehen. Wenn die Entscheidung tatsächlich so ergangen wäre, wie sich das andeutete...einer solchen Entscheidung (Zivilgericht stellt fest: nee, so kann es nicht gewesen sein) hätte man sich on Seiten der Strafjustiz kaum entziehen können. (Modelfall harry Wörz) Der richterliche Hinweis allein war dazu aber zu schwach.
Hm, das glaube ich eher nicht. Ich denke, der richterliche Hinweis war so gut wie das Urteil selbst. Hätte man die Klage nicht zurückgezogen, wäre dann ja unmittelbar das Urteil ergangen, eben genau auf Grundlage der Beweise, die auch für den Hinweis vorlagen. Und dieser lautete, soviel ich weiß, sehr eindeutig so, dass die Erbunwürdigkeit nicht festgestellt werden könne. Also... ich gehe davon aus, dass das Gericht, das über die Wiederaufnahme zu entscheiden hatte, sich genausogut auch über ein Urteil der Zivilkammer hinweggesetzt hätte.

Ja, wie gesagt, es war eh zu erwarten. Jetzt mal sehen, was die Beschwerde bringt und wann darüber entschieden wird...
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#8

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 14:16

Snoopy hat geschrieben: Hm, das glaube ich eher nicht. Ich denke, der richterliche Hinweis war so gut wie das Urteil selbst. Hätte man die Klage nicht zurückgezogen, wäre dann ja unmittelbar das Urteil ergangen, eben genau auf Grundlage der Beweise, die auch für den Hinweis vorlagen. Und dieser lautete, soviel ich weiß, sehr eindeutig so, dass die Erbunwürdigkeit nicht festgestellt werden könne. Also... ich gehe davon aus, dass das Gericht, das über die Wiederaufnahme zu entscheiden hatte, sich genausogut auch über ein Urteil der Zivilkammer hinweggesetzt hätte.

Ja, wie gesagt, es war eh zu erwarten. Jetzt mal sehen, was die Beschwerde bringt und wann darüber entschieden wird...
Das sehe ich etwas anders. Ein Urteil der Gestalt (darauf wäre es beim Feststellen der Erbwürdigkeit Toths de facto und netto end ja hinausgelaufen), dass BT unschuldig sei, nicht der Mörder seiner Tante sei, hätte, wie beim Fall Wörz, zu einem Erdbeben geführt. Denn dann hätten wir zwei rechtskräftige Urteile - und eines hätte (strafrechtlich) seine Schuld festgestellt, eines (in einem Zivilverfahren) seine Unschuld. Das hätte selbst die bayrische Justiz vor erhebliche Probleme gestellt.

ich selber bin kein Jurist, darf mir aber unterstellen, qua Familie und Bekanntenkreis (eine einzige Juristenbande!) einen intimeren Einblick in das System Justiz gewonnen zu haben (6 Anwälte, 3 Richter, 1 Staatsanwalt, 1 Chefjustitar einer Körperschaft des öffentlichen Rechts nenne ich mein Bekanntschaftseigen). Man muss klar sehen: das sind Menschen. So faul, so korrupt, so mies, so großartig, so gerecht, so widersprüchlich wie alle anderen eben auch. So ist zB, im Gegensatz zu den verlogenen offiziellen Äußerungen dazu, zu dem verlogenen Gedröhn über die richterliche Unabhängigkeit oder der Staatsanwaltschaft als "objektivste Behörde der Welt" (dass ich nicht lache!) die Berichterstattung über die Fälle den Meisten sehr wohl wichtig und sie nehmen sehr wohl auch Rücksicht darauf. Ein Zivilurteil hätte, im Gegensatz zum bloßen richterlichen Hinweis, öffentlich ganz anders gewirkt...und hätte selbstverständlich Einfluß genommen. "Richterlicher Hinweis" versteht kein mensch...urteil jedoch sehr wohl.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#9

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Fr, 30. Jan. 2015, 14:52

pfiffi hat geschrieben:Das sehe ich etwas anders. Ein Urteil der Gestalt (darauf wäre es beim Feststellen der Erbwürdigkeit Toths de facto und netto end ja hinausgelaufen), dass BT unschuldig sei, nicht der Mörder seiner Tante sei, hätte, wie beim Fall Wörz, zu einem Erdbeben geführt. Denn dann hätten wir zwei rechtskräftige Urteile - und eines hätte (strafrechtlich) seine Schuld festgestellt, eines (in einem Zivilverfahren) seine Unschuld. Das hätte selbst die bayrische Justiz vor erhebliche Probleme gestellt.
Meinst du wirklich, dass ein Urteil eine solche Öffentlichkeitswirkung gehabt hätte? Dieser Fall scheint mir in der Öffentlichkeit eher wenig wahrgenommen zu werden, egal was sich da tut. Und bei einem entlastenden Zivilurteil... naja, mei, da hat ein Richter die Beweise halt anders gewertet, war vorsichtiger, hatte nicht so viel Mumm wie der Strafrichter, der Wahrheitsbegriff bei Zivilverfahren ist ein anderer als bei Strafverfahren, das kann man also gar nicht vergleichen... etc. pp. Und selbst wenn da mal kurzfristig Aufmerksamkeit entsteht - das öffentliche Interesse wendet sich doch auch genauso schnell wieder anderen Schicksalen zu. Das muss man nur aussitzen. Also... ich befürchte wirklich, auch mit einem Urteil wäre eine Ablehnung der Wiederaufnahme nicht unwahrscheinlicher geworden.

Wie ich schon sagte, gab es ja bei Harry W. trotz entlastendem Zivilurteil auch zunächst Ablehnungen... sowohl im Additions-, als auch später im Probationsverfahren. Da hat dann nur jeweils das Oberlandesgericht quergeschossen. Und ob der Einfluss der Öffentlichkeit dabei so entscheidend war, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht saß da ja auch einfach nur mal ein vernünftiger Richter zur richtigen Zeit am richtigen Platz...
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#10

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 14:58

in einem gebe ich Dir recht: Harry Wörz wirkte auf das Publikum immer sympathischer als Bence Toth. Harry Wörz, der ehrliche Arbeitsmann, Bence Toth, der Vorstadtbohemian und Millionenerbe...Denk aber auch an die anderen Fälle, in denen sich Bayern juristisch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat - Stellwag, Kulac, auch Mollath (so problematisch der letztere auch ist)...ob man sich einen weiteren Problemfall geleistet hätte? Man hätts riskieren sollen.

Wer hätte eigentlich die Kohle bekommen, wenn BT erbwürdig gewesen wäre?
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#11

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 15:14

Fairerweise muss man auch ergänzen, dass die beweislage bei Harry Wörz viel eindeutiger war als hier.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#12

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Fr, 30. Jan. 2015, 15:19

Hmmm... ja, aber man könnte auch argumentieren, gerade weil in der Öffentlichkeit momentan der Eindruck entstanden ist, dass die Bayerische Justiz sich in einigen Fällen nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, könnte doch das Bestreben um so größer sein, einen weiteren eventuellen Justizirrtum zu "deckeln", wenn es nur irgend möglich ist. Und die juristischen Möglichkeiten dazu bestehen ja... die Öffentlichkeit hat letztendlich nicht wirklich die Macht, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.

Das Vermögen wäre an den Staat gefallen. Und ich denke mal, im Falle eines erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens und Freispruchs hätte ihm das verfallene Erbe dann wohl vom Staat wiederum ausgezahlt werden müssen. Das ist noch ein Grund für mich anzunehmen, dass ein Erfolg des WAV nicht so sehr vom Zivilurteil abgehangen hätte. Wäre es so, wäre man diesen Weg sicherlich gegangen.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#13

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Fr, 30. Jan. 2015, 15:29

pfiffi hat geschrieben:Fairerweise muss man auch ergänzen, dass die beweislage bei Harry Wörz viel eindeutiger war als hier.
Ohh, schon so lange her... das hab ich gar nicht mehr präsent. Wie wurde die Wiederaufnahme noch mal begründet? Ich meine, ich fand die Argumente damals gar nicht sooo zwingend.

Außerdem... da waren doch diese unsäglichen Handschuhfingerspitzen mit Harrys DNA...
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#14

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 15:52

Snoopy hat geschrieben:
pfiffi hat geschrieben:Fairerweise muss man auch ergänzen, dass die beweislage bei Harry Wörz viel eindeutiger war als hier.
Ohh, schon so lange her... das hab ich gar nicht mehr präsent. Wie wurde die Wiederaufnahme noch mal begründet? Ich meine, ich fand die Argumente damals gar nicht sooo zwingend.

Außerdem... da waren doch diese unsäglichen Handschuhfingerspitzen mit Harrys DNA...
Nur zum Detail DNA. Da die ungeheuer feine Deutung der DNA-Mischspuren durch den Richter im Zivilprozess Wörz auch hier beim Fall Böhringer, wo es ebenfalls um DNA-Mischspuren geht, einschlägig ist/sein sollte, sei das Wörz-Zivilurteil zitiert

http://www.harrywoerz.de/?pg=33
Dass der Beklagte als (Mit-)Spurenverursacher der an den Innenseiten der beiden Fingerlinge gesicherten Spuren in Betracht kommt, besagt aber noch nicht, dass diese Spuren anlässlich eines von dem Beklagten auf die Klägerin durchgeführten Angriffs angetragen wurden. Zum einen ist die durchgeführte DNA-Analyse - wie Dr. Förster im Bericht vom 22.07.1997 (Seite 10) ausführt - äußerst sensitiv, so dass oft kleinste Mengen kernhaltigen Zellmaterials nachweisbar seien, egal, ob tatrelevant oder legal angetragen, mit der Folge, dass - wie Dr. Förster im Bericht vom 28.08.1997 (Seite 2) weiter darlegt -über die Tatrelevanz bei Hautantragungen keine Angaben gemacht werden könnten. Zum anderen erläuterte Dr. Förster in der mündlichen Verhandlung vom 05.03.2001 auch, dass keinerlei Aussage über den Zeitpunkt der Antragung des Zellmaterials gemacht werden könne. Unter Umständen könne die Spur - so der Sachverständige - bereits mehrere Jahre alt sein. Auch dies belegt, dass die Annahme, am Tatort könnten sich noch vom Beklagten zu früheren Zeitpunkten getragene Einweghandschuhe befunden haben, eine durchaus naheliegende und nicht lediglich theoretisch mögliche Überlegung darstellt, die an den Innenseiten der Fingerlinge gesicherten Spuren zu erklären. Es kommt hinzu, dass - wie der Sachverständige Dr. Förster in der mündlichen Verhandlung vom 05.03.2001 ebenfalls erklärte - es bei Hautspuren auch auf die jeweilige Spurengebereigenschaft einer Person ankomme. Es gebe Personen, die beispielsweise beim Anfassen eines bestimmten Gegenstandes mehr DNA oder Hautschuppen hinterließen als andere Personen. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass der Täter - wenn er überhaupt die Handschuhe getragen haben sollte, von denen die abgerissenen Fingerlinge stammen - mangels guter Spurengebereigenschaft keine DNA-Menge hinterließ, in welcher seine gesamten Merkmale nachweisbar sind.
DNA = Do not ask. oder, wie ich immer sage: DNA? Alles klar! Und natürlich ist goa nix klar.

Insofern gibt es auch kriminalistische Parallelen zwischen beiden Fällen. Auch hier gab es ja eine Mischspur. Nur: Niemand kann klären, ob Toth diese Spur während der Tatbegehung setzte, oder ob sie harmlos zustande kam. So wie Harry Wörz ja unstreitig noch Kontakt mit seiner Ex-Frau hatte und es, wie das Gericht zutreffend ausführte, völlig harmlose Erklärungen für diese Spuren gab, und zwar Erklärungen, die mitnichten an den Haaren herbeigezogen waren, gilt dies auch für die DNA-Mischspur hier im Fall Böhringer. Das Gericht nahm hier aber eine andere, durch die moderne Forensik nicht mehr gedeckte Deutung vor. StA Kronester - so wortwörtlich in der bekannten Doku - hielt das DNA-Indiz sogar für entscheidend. Ich werfe es ihm nicht vor. Das waren halt noch die letzten Ausläufer jener DNA-Gläubigkeit, die inzwischen als erschüttert gelten sollte. "DNA? Alles klar!"...Nix ist klar.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#15

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 16:14

OT, zu Wörz, ergänzend: Die Fallanalytiker des BKA haben diese Fingerkuppen mit guten Gründen so gut wie sicher als tatirrelevant gesehen:

http://www.harrywoerz.de/neuimages/bka- ... 050608.pdf dort pdf-page 7. Aber ist jetzt OT.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#16

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 30. Jan. 2015, 18:11

Snoopy hat geschrieben:Hmmm... ja, aber man könnte auch argumentieren, gerade weil in der Öffentlichkeit momentan der Eindruck entstanden ist, dass die Bayerische Justiz sich in einigen Fällen nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, könnte doch das Bestreben um so größer sein, einen weiteren eventuellen Justizirrtum zu "deckeln", wenn es nur irgend möglich ist. Und die juristischen Möglichkeiten dazu bestehen ja... die Öffentlichkeit hat letztendlich nicht wirklich die Macht, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen.
Das kann ich jetzt natürlich auch nicht ausschließen. Ja, kann sein.

Als ich hörte, dass Manfred Götzl den NSU-Prozess übernahm, war mir sowieso klar, dass die WA scheitern würde. Eine solche Delegitimation des Richters, der den mit wichtigsten Prozess in der Geschichte der Bundesrepublik führt...unmöglich. Und man erzähle mir nicht, solche vorbewussten/unbewussten Einstellungen hätten auf das Urteil von Richtern keinen Enfluß.

Das wichtigste wäre, generell eine Stimmung pro WA zu schaffen (ich meine jetzt: Nicht nur in diesem Fall, sondern generell), so dass eine WA aufgrund zB neuer Fakten nicht gleich einen Karriereknick, eine "Niederlage" für den Richter in erster Instanz bedeuten muss. Wenn wir schon keine zweite tatsacheninstanz haben, sollte man die kriterien für eine WA bei schwerer Kriminalität - dort geht es für die bwetroffenen um ihre Eistenz - wenigstens niedriger hängen.

Derzeit muss diese Neigung leider vermutet werden. Ebenso beobachte ich die Tendenz, selbst dort, wo eine WA und ein Freispuch beim 'besten' Willen nicht mehr zu umgehen waren, dem Freigesprochenen noch mal eine zu "verpassen". Beispiele: Monica de Montgazon, die zT auf ihren Kosten sitzen bleibt, was ich empörend finde. Donald Stellwag, gegen den schnell noch mal in einem anderen Verfahren wegen Raubes ermittelt wurde, was man brühwarm der Öffentlichkeit mitteilte (ist natürlich nie was raus gekommen). Ulvi Kulac, der jetzt als gefährlich eingestuft wurde von einem Gutachter, der in diesem unseligen Verfahren schon früher tätig war - und dem sich das Gericht natürlich umgehend anschloss. Henry Arnold, dessen Entschädigung man verzögerte, bis sich das Problem biologisch "klärte".

Fehlurteile sind selten, aber sie kommen eben vor. Und da muss eine Gesellscharft großherzig handeln und nicht knausern. Für eine satte Entschädigung zu Unrecht Verurteilter zahle ich jedenfalls sehr gerne Steuern. Das ist nun wirklich eine sinnvolle Ausgabe.

Ist jetzt aber eher ein Post fürs allgemeine Thema WA, Fehlurteil, gesellschaftlicher Umgang damit. Der Admin mag es gerne verschieben.

Zum Fall selber: Was ist eine "neue Tatsache" im Sinne des Gesetzes? Ich würde ja sagen: Sollte festgestellt worden sein, dass CB eben doch wusste, wäre dies, nach meinem Tatsachenbegriff, ein neuer Sachverhalt. Juristen an die Front!
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#17

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Sa, 31. Jan. 2015, 11:28

Horst Arnold natürlich, nicht Henry. Und sorry für meine klemmende Tastatur, ich weiß, ich bräuchte mal ne neue.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#18

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Sa, 31. Jan. 2015, 13:21

pfiffi hat geschrieben:Zum Fall selber: Was ist eine "neue Tatsache" im Sinne des Gesetzes? Ich würde ja sagen: Sollte festgestellt worden sein, dass CB eben doch wusste, wäre dies, nach meinem Tatsachenbegriff, ein neuer Sachverhalt. Juristen an die Front!
Ich glaube, das kann praktischerweise sehr "elastisch" ausgelegt werden. Wenn der Wille (ausnahmsweise mal) da ist, können auch durchaus schon Kleinigkeiten als "neu" definiert werden; und ebenso Umstände, die zum Zeitpunkt des ersten Verfahrens schon bekannt waren, vom Gericht aber nicht ausreichend beachtet oder unzutreffend gewertet wurden. Wenn der Wille dagegen, wie ja meist, nicht da ist, können selbst erhebliche und wirklich neue Umstände als unbedeutend abgeschmettert werden. Es ist schwer, dagegen anzukommen... der heere Wert des "Rechtsfriedens" ist da doch ein mächtiges Argument.

Aber frag doch mal die vielen Juristen in deinem Umfeld! Es würde mich interessieren, was die dazu sagen.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#19

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Sa, 31. Jan. 2015, 13:36

Die gaben in etwa Deine Antwort ;-) Die "freie Beweiswürdigung" unterliegt zwar bestimmten Regeln (sie darf nicht unlogisch sein, innerhalb ihrer darf der Richter nichts Unwahres vertreten etc), aber da gibt es tatsächlich Spielraum. Leider? Gottseidank? Schwierig. Das Rechtsfriedenargument kam natürlich auch, ist aber nicht stichhaltig. Bei den umstrittenen Fällen reden wir über wenige inmitten tausender, die unstreitig sind... Gerade deswegen verstehe ich die Angst vor Delegitimation so gar nicht. Es macht den Glauben an den Rechtsstaat eher stärker, wenn der die Größe hat, in wenigen einzelnen Fällen zu sagen "Oh wei, da haben wir aber daneben gehauen!"

einer "meiner" Juristen kam mit Radbruch. Im Recht, so Radbruch (ich gebe das aus dem Gedächtnis wieder) gehe es um drei Aspekte: Gerechtigkeit, Rechtssicherheit, Handhabbarkeit. Alle Rechtsbereiche müssten allen drei Aspekten gerecht werden, wobei der Fokus variiert: Im Strafrecht geht es primär um Gerechtigkeit, im Zivilrecht, zB Vertragsrecht primär um Rechtssicherheit, im Verwaltungsrecht fokussiere man sich stark auf Handhabbarkeit. (Oder war das jetzt Karl Engisch? Muss nachfragen...)
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#20

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Sa, 31. Jan. 2015, 14:17

pfiffi hat geschrieben:Die gaben in etwa Deine Antwort ;-)
Ha ich hab's geahnt... an mir ist eine Juristin verlorengegangen :D !
pfiffi hat geschrieben:Das Rechtsfriedenargument kam natürlich auch, ist aber nicht stichhaltig. Bei den umstrittenen Fällen reden wir über wenige inmitten tausender, die unstreitig sind... Gerade deswegen verstehe ich die Angst vor Delegitimation so gar nicht. Es macht den Glauben an den Rechtsstaat eher stärker, wenn der die Größe hat, in wenigen einzelnen Fällen zu sagen "Oh wei, da haben wir aber daneben gehauen!"
Naja, die "wenigen inmitten tausender" sind ja nur die bekannten Fälle. Aber was muss erst alles passieren, dass so ein Fall in der Öffentlichkeit bekannt wird, so dass ein unbeteiligter Laie überhaupt davon erfahren kann? Da müssen schon eine ganze Menge Faktoren zusammenkommen... der Verurteilte braucht Intelligenz, psychische Stabilität, Mut, Beharrlichkeit, eine gute gesundheitliche Verfassung, Unterstützung durch Familie/Freunde, fähige, engagierte Anwälte, finanzielle Mittel... und und und. Ich bin nicht so optimistisch zu glauben, dass bei verurteilten Straftätern sehr oft alle diese Faktoren (oder zumindest die meisten) zusammentreffen. Von daher halte ich es für sehr gut möglich, dass die "bekannten Fälle" nur die Spitze des Eisbergs sind.

Vor allem, wenn man mal von den "eindeutig Unschuldigen" wegkommt, die aufgrund ihrer Persönlichkeit und der Umstände ihres Falles breite Sympathien in der Bevölkerung finden, und sich den Bereich "Schuldfrage unklar, aber eindeutig unfaire Verfahrensweise, einseitige Ermittlung/Würdigung von Beweisen" anschaut, wird das mit der Öffentlichkeit schwierig. Sich für den Verurteilten in so einem Fall einzusetzen, ist doch absolut unpopulär und stößt einfach nicht dauerhaft auf breite Aufmerksamkeit oder gar Unterstützung. So wie ja auch hier beim Böhringer-Mord. Ich glaube, daran hapert es in diesem Fall am meisten... auch wenn die oben genannten Faktoren hier ja ausnahmsweise alle vorliegen.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#21

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Sa, 31. Jan. 2015, 14:32

Unter vier Augen: natürlich hast Du Recht, und es wird ja auch über 10 % Fehlurteile spekuliert, was schon recht heftig ist (manche sprechen von bis zu 25 % - das scheint mir aber recht hoch).

Aber psssst, nicht weitersagen. Aus diskurstaktischen Gründen müssen das bedauerliche Einzelfälle bleiben...
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#22

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 9. Feb. 2015, 19:16

Die Ablehnung der WA soll immerhin 75 Seiten haben. Das läse ich jetzt doch ganz gerne noch. Und den WA-Antrag selber natürlich auch.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#23

Ungelesener Beitrag von Finlule » Mo, 9. Feb. 2015, 19:32

Kurz was zum Thema Rechtshänder oder Linkshänder.Wenn man rechts Händer ist hat man genau in der rechten Hand mehr Kraft als in der linken.Das wird einem im normalen Leben nicht so bewusst!Hatte mal ein Auto rechts gefahren,dh.links musste ich schalten.Ich habe nicht gewusst wie langsam und schwach doch die linke Hand gegenüber der rechten ist!Genauso wird das bei einem Linkshänder sein.Also in den meisten Fällen wohl gar nicht so einfach mit der anderen Hand viel Kraft zu entwickeln,das müsste trainiert werden!

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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#24

Ungelesener Beitrag von tenbells » Di, 10. Feb. 2015, 12:41

Weiss jemand genaueres über Werner M. ?
Werner M. ist ja wegen der Entführung mit Todefolge von Ursula Hermann 2011 zuu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Seine DNA wurde wohl an einem Weinglas in der Wohnung von CB gefunden. Weiss jemand ob das geklärt wurde?

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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#25

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Di, 10. Feb. 2015, 14:43

Hallo tenbells, nein, es ist nicht W.s DNA. Am Weinglas wurde (bisher nicht zuzuorcdnende) DNA gefunden, die der DNA entsprach, die man auch auf der Kiste gefunden hat, in der Ursula Hermann starb.

Vermutlich DNA eines Technikers/KTUlers/Ermittlers (männliche DNA).

M.E. hat sich die Verteidigung zu sehr auf diese Spur fokussiert.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#26

Ungelesener Beitrag von tenbells » Di, 10. Feb. 2015, 14:58

Ah, ok...dann hatte ich das im Wiki Eintrag falsch verstanden. Danke für die Info

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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#27

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Fr, 13. Feb. 2015, 14:24

Finlule hat geschrieben:Kurz was zum Thema Rechtshänder oder Linkshänder.Wenn man rechts Händer ist hat man genau in der rechten Hand mehr Kraft als in der linken.Das wird einem im normalen Leben nicht so bewusst!Hatte mal ein Auto rechts gefahren,dh.links musste ich schalten.Ich habe nicht gewusst wie langsam und schwach doch die linke Hand gegenüber der rechten ist!Genauso wird das bei einem Linkshänder sein.Also in den meisten Fällen wohl gar nicht so einfach mit der anderen Hand viel Kraft zu entwickeln,das müsste trainiert werden!
Da kann ich dir nur uneingeschränkt zustimmen!!!

Meine persönliche "Zusammenfassung" dieses Falls (aus Pfiffis altem Forum, ergänzt):

1. Linkshändigkeit - in meinen Augen eine katastrophale Argumentation des Gerichts, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann - ich bin selbst Linkshänder und fühle mich regelrecht "behindert", wenn ich eine Kraft und/oder Geschicklichkeit erfordernde Tätigkeit mit rechts ausführen soll.

2. Motiv: Verschweigen des Studienabbruchs - hierzu ein paar Artikel:
17. Mai 2010, 21:45 - Böhringer-Prozess: Gerd Käfer sagt aus
"Die Neffen seien der Gesellschaft stets als "ihre Nachfolger" präsentiert worden, doch habe sich Böhringer zunehmend über Benni beklagt, über seinen Studienabbruch, seine Freundin und seine Geldforderungen."
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/boe ... e-1.663070
Benedikt T. hingegen sagt, er habe sich seiner Tante längst offenbart gehabt, was Böhringers Steuerberater gestern vor dem Landgericht bestätigte. "Sie hat gesagt, er hat sein Studium beendet und war verärgert darüber", so der Steuerberater. "Hätte sie geglaubt, er habe das Studium erfolgreich beendet, dann wäre sie wohl kaum verärgert gewesen.“ Dies habe er so auch schon im Strafprozess ausgesagt. Doch die Richter gaben in ihrem Urteil an: Das Wort beenden könne auch auf einen erfolgreichen Abschluss hindeuten. „Ich höre heute zum ersten Mal, dass ich so interpretiert wurde“, so der Steuerberater. „Darüber wundere ich mich schon.“
Quelle: http://www.merkur-online.de/lokales/mue ... 93359.html
Anwalt Witting hat den ehemaligen Steuerberater Böhringers erneut befragt. Der erzählte, Böhringer habe ihm vom Abbruch des Studiums selbst berichtet. Er habe in Erinnerung, dass die Millionärin "damals verärgert war". Eine andere Zeugin sagte Ähnliches: "Wenn ich mich recht erinnere, äußerte sie über den Benedikt, dass er das Studium aufgegeben habe."
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-94139265.html
Also... den Aspekt "Motiv" finde ich regelrecht skandalös. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass die Aussage des Steuerberaters (-> zweiter Artikel) vom Strafgericht damals tatsächlich "missverstanden" wurde. Es kommt mir viel eher einfach "zurechtgewürdigt" vor... 8-) :( .
Allerdings kann man dieses "Missverstehen" jetzt ja mal einfach als gegeben annehmen... um so besser, dann ist die jetzige Aussage des Zeugen wirklich NEU :) !

Nunja, wie auch immer... mittlerweile sagen jedenfalls anscheinend nicht nur der Steuerberater, sondern auch zwei weitere Personen, Frau B. sei über den Studienabbruch informiert gewesen. Es gibt also starke Hinweise darauf, dass das Motiv, so wie im Urteil 2008 festgestellt, falsch sein könnte. Gerade angesichts der dünnen sonstigen Beweislage sehe ich darin schon ein sehr gewichtiges Argument für eine Wiederaufnahme. Mich würde interessieren, was in der Begründung der Ablehnung dazu steht...

3. DNA-Spuren - sind meiner Meinung nach nicht sehr aussagekräftig und vermutlich leicht mit naheliegenden nicht tatbezogenen Vorgängen/Handlungen zu erklären. Allerdings fehlen mir da bisher noch detailliertere Informationen. Vom Urteil habe ich bisher erst den ersten Teil gelesen, den Rest nur überflogen... es kommt mir aber so vor, als sei das genaue Ergebnis der kriminaltechnischen Untersuchung im Urteil gar nicht wiedergegeben worden? Also, die Spuren-Rohwerte, meine ich... welche DNA-Banden untersucht wurden, und wie viele und welche Merkmale in welcher Intensität in den einzelnen Banden jeweils gefunden wurden? Im Fall Harry W. war das anders - und ich fand es wirklich sehr aufschlussreich, diese Rohdaten mal genau anzuschauen.

Hat sich zufällig jemand das Urteil komplett durchgelesen und kann Näheres dazu sagen?

4. Spur-Spur-Treffer - Hier vermute ich auch, dass es sich um eine Verunreinigung handelt. Die Untersuchung der Schraube aus dem Fall U.H., und die Spurensicherung beim Parkhaus-Mord lag zeitlich nur wenige Monate auseinander, soviel ich weiß... es könnten dabei also durchaus aus derselben Charge stammende Wattestäbchen verwendet worden sein.

Zum Rest - Geldscheine, Zeitungen, Augsburg-Fahrt, angebliche Diebstähle - habe ich bisher zu wenig Informationen, um mir irgendeine Meinung bilden zu können.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#28

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 13. Feb. 2015, 15:15

Wir waren uns über die Bewertung der Indizien ja völlig einig; ich schieße mich an. Am fassungslosesten machte mich dabei immer schon die Aussage des Steuerberaters (er könne nicht nachvollziehen, im Strafprozess derart falsch verstanden worden zu sein).

Eine WA muss es mE zwingend geben. BT kann der Täter gewesen sein; aber das Urteil so, wie es da steht, ist nicht haltbar.

Nein, die Meßdaten werden nicht so exakt analysiert wie beim Wörz-Zivilverfahren. Was Spur-Spur betrifft sind wir uns einig, Verunreinigung, KTU-Mitarbeiter, was auch immer. Wattestäbchen eher nicht, weil die DNA-Spur sonst noch woanders aufgefallen wäre. Die Verteidigung hat hierauf mE zu sehr insistiert.

Zeitungen - um dieses Indiz überhaupt erst scharf zu machen, erdichtet das Urteil einen möglichen Packfehler. Die bei BT gefundenen Zeitungen haben den 'falschen' Lokalteil, können also eigentlich nicht die besagten von der Tür der Tante sein...aber macht nix, dann wars halt ein Packfehler. Für mich eine der monströsesten Absurditäten des Urteils. So bekomme ich natürlich jeden verurteilt. Im Urteil p. 130ff (Die SZ hate auch nicht den Nordteil, wie er in BTs Wohngegend vertrieben wurde, sondern den Südteil - weder Parkgarage - Ostteil - noch BTs Wohnung also) Auf den Zeitungen fanden sich nicht die Spuren, die zu erwarten gewesen wären (keine Fingerabdrücke, kein DNA, der Mitarbeiter, die die Tüte für CB gepackt haben). Tenor Urteil: Dann waren das halt schlechte Spurengeber... (Urteil 143) Auch das geht nicht. Zwar ist die Abwesenheit zB von DNA in der Tat kein Beweis. Aber zusammen mit dem "falschen" Lokalteil doch wohl ein deutlicher Hinweis darauf, hier müssen man etwas vorichtiger werten.

Geld/500 Euro Scheine - Wittig hat einen Zeugen gefunden, der aussagte, CB habe mal geäußert, sie wolle dem Bence Geld für ein neues Fahrrad spendieren, "der sei so fett geworden". Es spricht nichts dagegen, dass dieses Geld ihm von seiner Tante ganz legal geschenkt worden ist.

Augsburg-Fahrt: Beweise (Tatwerkzeug oä) wurden nicht gefunden. Allenfalls zu erwartende, von der Tat beschmutzte Kleidung wurde nicht gefunden. Was die Augsburgfahrt beweisen soll erhellt sich mir nicht.

Automatenklauereien - muss ich mich neu einlesen.
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#29

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 13. Feb. 2015, 15:25

Ein weiteres Problem: Im Urteil p. 143ff wird erklärt, dass Spuren BTs "ausschließlich" (wortwörtlich so gesagt) an Objekten mit Tatrelevanz gefunden worden seien. Kunststück. Woanders wurde ja gar nicht gesucht. Die Verteidigung hat dann weitere Untersuchungen veranlaßt...und Überraschung! Natürlich fanden sich auch an nicht tatrelevanten Dingen DNA-Spuren, deren Urheber BT sein kann (Mischspuren).
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Re: Parkgaragenmord (Mord an Charlotte Böhringer)

#30

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 13. Feb. 2015, 15:30

Und weiter: Schon wenige Tage nach der Tat verkündete Wilfling im Fernsehen: Raubmord sei auszuschließen, es fehle nichts. Es fehlt sehr wohl, und nicht zu knapp: 10.000 Euro sind unklar, CBs Ehering fehlt. Selbstverständlich ist das Szenario "Raubmord durch einen Gigolo" (CB war einsam und nachweisbar auf der Suche nach Zärtlichkeit für sich) nicht auszuschließen. Ich weiß nicht, wie Wilfling auf diese Idee kommt...
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