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Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Snoopy
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Di, 18. Apr. 2017, 17:18

Salva » 18 Apr 2017, 10:11 hat geschrieben:Er ist auch schuld an seiner Situation

Behauptest du. Das kann man aber auch ganz anders sehen... :)

Salva » 18 Apr 2017, 10:11 hat geschrieben:Mal davon ausgehend, dass JS nicht gemordet hat: welche Rolle spielt denn in seinem Fall das Motiv, eine Elternmörderin zu decken? Er rechtfertigt dadurch vielleicht seine Absichten und Handlungen, aber er hatte kein Recht dazu, weil er kein Angehöriger oder Hinterbliebener war. Nur die dürfen Lügen, eine Straftat decken oder die Aussage verweigern. Somit hat er sich selbst diesem Gericht ausgesetzt, dass ihm daraus einen Strick gedreht und zu lebenslanger Haft verurteilt hat.

Dass JS zum Teil illegal gehandelt hat, steht ja außer Frage. Natürlich hätte er manches nicht tun dürfen (allerdings wohl nicht primär deshalb, weil er kein Angehöriger war).

Das Motiv und die sonstigen individuellen Umstände spielen aber eine entscheidende Rolle dabei, für wie verwerflich man das Decken der Elternmörderin und die damit einhergehenden Straftaten insgesamt einschätzen kann, und wieviel Schuld dementsprechend JS mit diesem Handeln auf sich geladen hat. Das kann man sicherlich unterschiedlich bewerten... aber fest stehen dürfte, dass, selbst wenn man strenge Maßstäbe anlegt, JS mit diesem Handeln zumindest nicht eine so große Schuld auf sich geladen hätte, dass damit eine lebenslange Inhaftierung gerechtfertigt wäre. Noch nicht einmal nach US-Strafrecht, wie ich annehme. Von daher fände ich es schon mal Nonsens, zu sagen, er habe dadurch die gleiche Strafe verdient, wie wenn er die Eltern seiner Freundin selbst umgebracht hätte - und sei daher "selbst Schuld" an seiner jetzigen Lage.

Eine andere Möglichkeit, ihm berechtigterweise vorzuhalten, er sei für seine missliche Lage allein verantwortlich, sähe ich darin, wenn er die Indizien für seine Täterschaft so glaubhaft gefälscht hätte, dass Staatsanwaltschaft und Gericht die Tatbegehung durch ihn schlichtweg für erwiesen halten mussten. In dem Fall würde ich sagen, ok, das ist zwar tragisch... aber da kann er schlecht einem anderen als allein sich selbst einen Vorwurf machen. So eine Situation sehe ich hier aber nicht. Im Gegenteil - mir scheint es so zu sein, als habe man damals sehr wohl erkannt, dass es einige Anhaltspunkte dafür gibt, dass EH wesentlich direkter in die Tatbegehung involviert war, als sie zugab... und als habe man diese Anhaltspunkte sehr bewusst unter den Teppich gekehrt und JS wider besseres Wissen als Alleintäter verurteilt, anstatt die Tat so objektiv und umfassend wie möglich aufzuklären. Und DAS halte ich für ein ganz übles Fehlverhalten der Justiz, das sich mit keinem noch so blöden Verhalten des Angeklagten auch nur ansatzweise rechtfertigen lässt!

Salva » 18 Apr 2017, 10:11 hat geschrieben:Abgesehen davon: stell' dir doch bitte mal vor, Söring's Plan wäre aufgegangen. EH wäre demnach in Freiheit geblieben, er selbst hätte maximal ein paar Jährchen Jugendstrafe in Deutschland bekommen. Unter Einbeziehung der Straftaten, die er während der Flucht begangen hat. Wäre das eine gerechte Strafe für das Abschlachten eines Elternpaares?

Wäre EH die alleinige Täterin, fände ich persönlich es nicht "gerecht", wenn sie in Freiheit geblieben wäre, und ebensowenig, wenn JS für eine Tat, die er nicht begangen hätte, jahrelang hätte einsitzen müssen. Aber ich muss das, was die beiden da nach JSs Darstellung geplant hatten, ja auch nicht für gerecht halten, oder? Und dass ein eventueller Ausgang beim Gelingen des Planes nicht dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden entspricht, heißt auch mitnichten, dass man dann zwangsläufig den Ausgang beim Scheitern des Plans als gerecht ansehen müsste ;) ...
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Salva » Di, 18. Apr. 2017, 18:20

Snoopy hat geschrieben:Behauptest du. Das kann man aber auch ganz anders sehen... :)

Stimmt, ist meine Behauptung. Es ist meiner Meinung nach nämlich überhaupt nicht ehren- oder heldenhaft einen Doppelmord zu decken, den die Liebste an den eigenen Eltern begangen hat. Genauso wenig ist es ehrenhaft, mit einem derartigen Vorschlag einverstanden zu sein und wie wir ja sehen, war es gerade EH, die durch diesen Deal ihren Ritter ans Messer geliefert hat.

Snoopy hat geschrieben:Dass JS zum Teil illegal gehandelt hat, steht ja außer Frage. Natürlich hätte er manches nicht tun dürfen (allerdings wohl nicht primär deshalb, weil er kein Angehöriger war).

Nein, nicht nur deswegen. Haysom hat keinen Kiosk geknackt oder "nur" Drogen vertickt. Das solltest du berücksichtigen.

Snoopy hat geschrieben:Das Motiv und die sonstigen individuellen Umstände spielen aber eine entscheidende Rolle dabei, für wie verwerflich man das Decken der Elternmörderin und die damit einhergehenden Straftaten insgesamt einschätzen kann, und wieviel Schuld dementsprechend JS mit diesem Handeln auf sich geladen hat. Das kann man sicherlich unterschiedlich bewerten... aber fest stehen dürfte, dass, selbst wenn man strenge Maßstäbe anlegt, JS mit diesem Handeln zumindest nicht eine so große Schuld auf sich geladen hätte, dass damit eine lebenslange Inhaftierung gerechtfertigt wäre. Noch nicht einmal nach US-Strafrecht, wie ich annehme. Von daher fände ich es schon mal Nonsens, zu sagen, er habe dadurch die gleiche Strafe verdient, wie wenn er die Eltern seiner Freundin selbst umgebracht hätte - und sei daher "selbst Schuld" an seiner jetzigen Lage.

Hier vergisst du das wesentliche: nämlich, dass Söring für den Doppelmord an Nancy und Derek Haysom verurteilt wurde und deshalb diese Strafe bekam und nicht wegen des Versuches, die Strafe auf sich nehmen zu wollen. Das ist ein großer und bedeutender Unterschied. Allerdings hat das nichts damit zu tun, ob das Urteil gerechtfertigt ist, weil Söring tatsächlich deren Mörder war. Wie bereits erwähnt, ist das eine andere Geschichte. Nämlich die eines Justizskandales. In meinen Augen jedenfalls. Es kann nicht sein, dass ein Täter nur anhand eines Sockenabdruckes derart verurteilt wird. Bis zur Vorstellung dieses "Beweismittels" stand es in der Jury 6:6 und selbst der StA sagte, dass JS ohne dem sehr wahrscheinlich freigesprochen worden wäre. Und noch weniger kann es sein, dass die wahre Mörderin quasi belohnt wird, in dem sie einen Unschuldigen hinhängt.

Du kannst es aber drehen und wenden wie du willst, @Snoopy: Jens Söring hat einen großen Fehler begangen. Das weiß er selbst und sagt das auch genau so. Hätte er damals anders gehandelt, die Möglichkeit bestand auf jeden Fall, hätte es diesen katastrophalen Prozess nie gegeben und er hätte sein Leben gelebt. Söring wird nie in Freiheit kommen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Wenn überhaupt, gibt es vielleicht nur eine Möglichkeit: er müsste seine Tat gestehen und Reue zeigen. Aber dafür ist es längst zu spät und falls er wirklich unschuldig ist, ein Schritt, den ich mir nicht überlegen möchte.

Snoopy hat geschrieben:Und dass ein eventueller Ausgang beim Gelingen des Planes nicht dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden entspricht, heißt auch mitnichten, dass man dann zwangsläufig den Ausgang beim Scheitern des Plans als gerecht ansehen müsste ;) ...

Habe ich das etwa behauptet? Keinesfalls. Ich sagte und sage noch immer: er trägt die Hauptschuld an seiner Situation. Mit Gerechtigkeit in juristischer Hinsicht hat das nichts zu tun.
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Di, 18. Apr. 2017, 22:11

Salva » 18 Apr 2017, 18:20 hat geschrieben:Stimmt, ist meine Behauptung. Es ist meiner Meinung nach nämlich überhaupt nicht ehren- oder heldenhaft einen Doppelmord zu decken, den die Liebste an den eigenen Eltern begangen hat. Genauso wenig ist es ehrenhaft, mit einem derartigen Vorschlag einverstanden zu sein und wie wir ja sehen, war es gerade EH, die durch diesen Deal ihren Ritter ans Messer geliefert hat.

Ehrenhaft finde ich das auch nicht.... jedenfalls nicht so, wie JS es gemacht hat. Aber weil sein Handeln nicht gerade ehrenhaft war, muss es nicht gleich so verwerflich gewesen sein, dass man ihm aufgrund dessen die Schuld an der Situation, zu lebenslanger Haft verurteilt worden zu sein, zuschreiben kann.

Für mich gibt es da jedenfalls noch jede Menge Raum zwischen den Extremen "ehrenhaft" und "für den Rest seines Lebens weggesperrt geschieht ihm ganz recht, selbst Schuld"...

Salva » 18 Apr 2017, 18:20 hat geschrieben:Haysom hat keinen Kiosk geknackt oder "nur" Drogen vertickt. Das solltest du berücksichtigen.

Tu ich doch - lies mal beispielsweise was ich gleich im Anschluss schrieb ;) ...:

Snoopy hat geschrieben:Das Motiv und die sonstigen individuellen Umstände spielen aber eine entscheidende Rolle dabei, für wie verwerflich man das Decken der Elternmörderin und die damit einhergehenden Straftaten insgesamt einschätzen kann, und wieviel Schuld dementsprechend JS mit diesem Handeln auf sich geladen hat.


Salva » 18 Apr 2017, 18:20 hat geschrieben:Hier vergisst du das wesentliche: nämlich, dass Söring für den Doppelmord an Nancy und Derek Haysom verurteilt wurde und deshalb diese Strafe bekam und nicht wegen des Versuches, die Strafe auf sich nehmen zu wollen. Das ist ein großer und bedeutender Unterschied.

*Seufz*... Nein, das habe ich sicherlich nicht vergessen. Was ich schrieb, bezog sich doch nicht auf das offizielle Urteil, sondern auf deine Beurteilung, dass JS an seiner jetzigen Lage Schuld sei, auch wenn er die Morde nicht begangen habe.

Nun, ich denke wir werden wohl beide bei unserer unterschiedlichen Meinung bleiben, und uns nicht vom jeweils anderen Standpunkt überzeugen lassen, egal wie lange wir noch diskutieren. Aber ist ja auch ok so.
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Salva » Di, 18. Apr. 2017, 23:25

@Snoopy
Natürlich ist es okay, unterschiedliche Meinungen zu vertreten. Ich will dich ja nicht bekehren und deine Ansichten ändern. Warum auch? Im wesentlichen und wichtigsten Punkt vertreten wir doch die gleiche Meinung: Jens Söring hat im Knast nichts zu suchen, weil er aufgrund der Beweislage/ Indizien nicht hätte verurteilt werden dürfen. :like:


Was mich bis heute aber wundert ist, dass er nicht vollständig aufdeckt was damals geschehen ist und was z.B. in diesen Briefen steht. Das macht ihn für seine Gegner angreifbar und vor allem unglaubwürdig. Einmal verurteilt, muss ein (vermeindlicher) Täter seine Unschuld beweisen. Und er muss seine Widersacher überzeugen. Eine schonungs- und lückenlose Aufklärung gehört meiner Meinung nach auch dazu, denn das selbe verlangen wir doch auch von den Ermittlern und der Justiz. Aber im Fall Söring hat jede Seite der Beteiligten so ihre Geheimnisse und sitzt ihre Ungereimtheiten und Fehler aus.
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Mi, 19. Apr. 2017, 10:39

Salva » 18 Apr 2017, 23:25 hat geschrieben:Im wesentlichen und wichtigsten Punkt vertreten wir doch die gleiche Meinung: Jens Söring hat im Knast nichts zu suchen, weil er aufgrund der Beweislage/ Indizien nicht hätte verurteilt werden dürfen. :like:

Stimmt :Y: !

Salva » 18 Apr 2017, 23:25 hat geschrieben:Was mich bis heute aber wundert ist, dass er nicht vollständig aufdeckt was damals geschehen ist und was z.B. in diesen Briefen steht. Das macht ihn für seine Gegner angreifbar und vor allem unglaubwürdig. Einmal verurteilt, muss ein (vermeindlicher) Täter seine Unschuld beweisen. Und er muss seine Widersacher überzeugen. Eine schonungs- und lückenlose Aufklärung gehört meiner Meinung nach auch dazu, denn das selbe verlangen wir doch auch von den Ermittlern und der Justiz. Aber im Fall Söring hat jede Seite der Beteiligten so ihre Geheimnisse und sitzt ihre Ungereimtheiten und Fehler aus.

Genau so sehe ich das ebenfalls. Von daher wundert es mich auch ziemlich, wie JS diesen relativ großen, überwiegend wohl fest von seiner Unschuld überzeugten Unterstützerkreis um sich versammeln konnte. Manchmal denke ich, zumindest der engste Kreis müsste da eigentlich doch mehr wissen. Aber vielleicht ist die Version, wie es nun wirklich war, nicht genügend öffentlichkeitstauglich, weil JS zwar nicht der brutal mordende Einzeltäter war, aber eben auch nicht der völlig naiv und ahnungslos in Washington wartende Unbeteiligte...? Hmmm... :thinking:

Was denkst du denn, wie es wirklich abgelaufen ist? Hast du eine Theorie?
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 21. Apr. 2017, 21:57

Snoopy hat geschrieben:Genau so sehe ich das ebenfalls. Von daher wundert es mich auch ziemlich, wie JS diesen relativ großen, überwiegend wohl fest von seiner Unschuld überzeugten Unterstützerkreis um sich versammeln konnte. Manchmal denke ich, zumindest der engste Kreis müsste da eigentlich doch mehr wissen.

Jemand aus der Unterstützergruppe sagte mal in einer TV-Sendung, dass es ihnen nicht um die Frage nach der Schuld oder Unschuld geht, sondern um das unmenschliche amerikanische Strafsystem und um die Tatsache, dass der damals 19-jährige Jens Söring in Deutschland niemals so hart verurteilt worden wäre, selbst wenn er einer der Mörder gewesen wäre. Und dass sie nicht wüssten, ob Söring ein Mörder ist. Ihrer Meinung nach hat er ausreichend für seine Fehler gebüßt und eine zweite Chance verdient (mich erinnert das komischerweise immer an Jack Unterweger).
Da sie mit dieser Einstellung jedoch weder von der politischen Seite, noch von der breiten Öffentlichkeit die erhoffte Resonanz und das erforderliche hartnäckige Engagement erhielten, mussten sie sich zwangsläufig mit dem Fall selbst beschäftigen, der Welt die Diskrepanzen und Fehlverhalten aufzeigen und den Eindruck eines Justizirrtums erwecken. Allerdings geht diese Taktik bislang nicht auf und das liegt überwiegend an Jens Söring selbst Er ist für die breite Masse unglaubwürdig und dem schließe ich mich an.

Snoopy hat geschrieben:Aber vielleicht ist die Version, wie es nun wirklich war, nicht genügend öffentlichkeitstauglich, weil JS zwar nicht der brutal mordende Einzeltäter war, aber eben auch nicht der völlig naiv und ahnungslos in Washington wartende Unbeteiligte...?

... und somit am Ende doch selbst schuld an seiner Situation ist? :psst:


Snoopy hat geschrieben:Was denkst du denn, wie es wirklich abgelaufen ist? Hast du eine Theorie?

Meine Theorie ist, dass es so abgelaufen ist, wie die StA und das Gericht es angenommen hat. Da sie keine forensischen/ handfeste Beweise und Tatzeugen hatten und Söring seine Geständnisse zurückzog, mussten sie EH diesen Deal anbieten. Mit Erfolg, auch wenn es dann doch noch sehr knapp wurde mit dessen Verurteilung.
Allen war klar, dass es zwei Täter gab und einer davon war Söring. Hätte es wirklich einen anderen Beteiligten gegeben, dann frage ich mich, warum Haysom nicht den ans Messer lieferte. Die andere Frage ist, warum die StA unbedingt den Jens Söring an den Kragen wollte, wenn denn tatsächlich die Möglichkeit bestand, dass EH und ein bis dato Unbekannter die beiden Morde verübten.
Die Behörden hatten keine andere bzw. bessere Möglichkeit BEIDE zu verurteilen und deswegen wirken einige Passagen zu sehr konstruiert und genau da haken JS' Unterstützer ein. Und auch ich verurteile solche Methoden, selbst wenn dadurch ein Mörder ungestraft davonkommen könnte. Es bleiben halt immer ein bitterer Geschmack und Fragezeichen und zwar in beide Richtungen.


Jens Söring ist weitaus cleverer, gerissener und abgebrühter als man ihm zutrauen möchte. Selbst damals schon, als junger 19-Jähriger und das zeigt alleine schon die Tatsache, wie er all diese Jahre im Gefängnis überstanden hat. Mit seiner hervorragenden Intelligenz, gepaart mit seinem unschuldig wirkenden Wesen, wickelt er die Menschen in gleicher Art und Weise um seine Finger, wie er andere durch seine maßlose Überheblichkeit und Arroganz abstößt.
Was glaubst du Snoopy: was kratzt Söring am allermeisten? Die vielen Jahre im Bau oder die Tatsache, dass die Justiz am Ende doch um einen Tick cleverer und trickreicher war als er? Ich bin der Meinung: letzteres.
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Re: Virginia/Dillwyn: Jens Söring seit 30 Jahren in US-Gefängnis

Ungelesener Beitrag von Snoopy » Mi, 26. Apr. 2017, 13:58

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Jemand aus der Unterstützergruppe sagte mal in einer TV-Sendung, dass es ihnen nicht um die Frage nach der Schuld oder Unschuld geht, sondern um das unmenschliche amerikanische Strafsystem und um die Tatsache, dass der damals 19-jährige Jens Söring in Deutschland niemals so hart verurteilt worden wäre, selbst wenn er einer der Mörder gewesen wäre. Und dass sie nicht wüssten, ob Söring ein Mörder ist. Ihrer Meinung nach hat er ausreichend für seine Fehler gebüßt und eine zweite Chance verdient (mich erinnert das komischerweise immer an Jack Unterweger).
Da sie mit dieser Einstellung jedoch weder von der politischen Seite, noch von der breiten Öffentlichkeit die erhoffte Resonanz und das erforderliche hartnäckige Engagement erhielten, mussten sie sich zwangsläufig mit dem Fall selbst beschäftigen, der Welt die Diskrepanzen und Fehlverhalten aufzeigen und den Eindruck eines Justizirrtums erwecken. Allerdings geht diese Taktik bislang nicht auf und das liegt überwiegend an Jens Söring selbst Er ist für die breite Masse unglaubwürdig und dem schließe ich mich an.

Hmmm...

Ich hatte jedenfalls mal eine "unheimliche Begegnung der dritten Art" :fearful: mit einer Unterstützerin, bei der sich das nicht so verhielt. Sie war offensichtlich felsenfest überzeugt von der völligen Unschuld ihres Schützlings, schwärmte mir verzückt vor, was für ein toller Mensch er doch sei, und reagierte höchst empfindlich und beleidigt, als ich es wagte, kritische Fragen zu stellen... :ups:! Das kam mir doch schon sehr naiv vor, muss ich sagen.

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:... und somit am Ende doch selbst schuld an seiner Situation ist? :psst:

Oh - du meinst, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie das Ganze überhaupt abgelaufen ist, könnte ich doch trotzdem mal ganz locker davon überzeugt sein, er sei jedenfalls selbst Schuld :wink_face:? Sehr logisch :grin:!

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Meine Theorie ist, dass es so abgelaufen ist, wie die StA und das Gericht es angenommen hat. Da sie keine forensischen/ handfeste Beweise und Tatzeugen hatten und Söring seine Geständnisse zurückzog, mussten sie EH diesen Deal anbieten. Mit Erfolg, auch wenn es dann doch noch sehr knapp wurde mit dessen Verurteilung.
Allen war klar, dass es zwei Täter gab und einer davon war Söring.

Na wenn allen klar war, dass es zwei Täter gab, dann wäre es aber doch gerade NICHT so abgelaufen, wie StA und Gericht es (offiziell) annahmen - denn angeklagt und verurteilt als Tatausführender wurde ja JS alleine.

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Hätte es wirklich einen anderen Beteiligten gegeben, dann frage ich mich, warum Haysom nicht den ans Messer lieferte.

Wieso hätte sie das tun sollen? Solange man annahm, sie sei in Washington gewesen, als die Morde geschahen, war sie doch fein raus... etwas Besseres konnte ihr ja gar nicht passieren.

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Die andere Frage ist, warum die StA unbedingt den Jens Söring an den Kragen wollte, wenn denn tatsächlich die Möglichkeit bestand, dass EH und ein bis dato Unbekannter die beiden Morde verübten.

Ein "Unbekannter" wurde ja erst ins Spiel gebracht, als schon seit Jahren die Theorie stand, dass EH und JS für diese Tat verantwortlich seien. Ein Urteil basierend auf dieser Theorie war bereits ergangen. In so einem Stadium ist die Justiz im Allgemeinen schlichtweg höchst unwillig, nochmal umzuschwenken. Dazu kommt, dass JS nun mal sooo schöne Geständnisse geliefert hatte... daher hatte man bei ihm beste Chancen, dass man ihn verurteilt bekommt, und seine eigene Karriere auf diese Weise mit einem weiteren "sauber" gelösten Fall schmücken kann. Warum also noch mal nach links und rechts schauen, wenn man sich damit nur Ärger einhandeln kann... :cool:?

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Die Behörden hatten keine andere bzw. bessere Möglichkeit BEIDE zu verurteilen und deswegen wirken einige Passagen zu sehr konstruiert und genau da haken JS' Unterstützer ein.

Meinst du? Ich finde die Indizien, dass EH während der Tat anwesend war, durchaus recht gewichtig. Das Argument, dass einer der beiden zum fraglichen Zeitpunkt in Washington gewesen sein muss, kommt mir dagegen recht schwach vor (wenn mir auch noch nicht ganz klar ist, wie man in dem Fall dann an die richtigen Kinokarten kam...). Also, insgesamt wäre die Anklage und Verurteilung einer gemeinschaftlich begangenen Tat aus meiner Sicht auch möglich gewesen.

Salva » 21 Apr 2017, 21:57 hat geschrieben:Was glaubst du Snoopy: was kratzt Söring am allermeisten? Die vielen Jahre im Bau oder die Tatsache, dass die Justiz am Ende doch um einen Tick cleverer und trickreicher war als er? Ich bin der Meinung: letzteres.

Na, als "clever" würde ich das Vorgehen der Justiz nicht bezeichnen... vielmehr tatsächlich als trickreich und vor allem unfair. Klar wurmt JS das. Finde ich auch verständlich. Ob es ihn mehr oder weniger kratzt als die Konsequenz dieser Vorgehensweise, nämlich dass er inzwischen seit über drei Jahrzehnten inhaftiert ist und kaum eine Chance auf Entlassung hat, wage ich nicht zu beurteilen...

-----------------------------------------------------------------------------------------------

Heute Abend ist der Fall übrigens Thema bei "Stern-TV":

http://www.stern.de/tv/seit-ueber-30-ja ... 16444.html

Ich bin mal gespannt, was man dort so hören wird. Aber vermutlich nichts wirklich Neues...
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