Herzlich Willkommen bei

Allcrime. Die Kriminalplattform


Um alle Foren einsehen, die Board-Funktionen und den Allcrime Chat nutzen zu können, musst du dich registrieren.

Dein Account und die Nutzung von Allcrime sind selbstverständlich kostenlos und werbefrei!
Bei Bedarf kannst du deinen Account jederzeit und ohne Angabe von Gründen löschen.

Wir freuen uns auf deine Mitgliedschaft!

{ Registrieren }

Die vergessenen Malaria-Opfer von Wien

Benutzeravatar
Diskussionsleitung
Jason Darkstone
Level 3
Level 3
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 17
Beiträge: 463
Registriert: 31.10.2015
Geschlecht:
Wohnort: Niederösterreich
Alter: 42
Status: Offline
Austria

Die vergessenen Malaria-Opfer von Wien

#1

Ungelesener Beitrag von Jason Darkstone » Sa, 29. Jul. 2017, 23:59

Einfach nur schrecklich, was in den österreichischen Heimen alles passiert ist...
Während meiner Volks-und Hauptschulzeit kannte ich viele Heimkinder. Viele waren Mobber, schreckliche Feinde, aus damaliger Sicht. Einige waren auch unauffällig und ruhig. Erst im nachhinein kann man erahnen, welche schlimme Vorgeschichten all dem zugrunde lagen :(
Die vergessenen Malaria-Opfer von Wien

Frühere Heimkinder, die mit "Malariafiebertherapien" gequält wurden, haben bis heute keine Entschädigung erhalten. Die Patientenanwältin will das ändern

Wenn Wilhelm Jäger, 69, von damals erzählt, funkeln seine blauen Augen, fast schaut er schelmisch drein. "Ja, die Malariatherapie haben sie an der Klinik bei uns Heimkindern gegen alles eingesetzt. Gegen mein Entweichen hat sie aber nichts genützt", erzählt der Wiener, der von 25. Mai 1964 bis 22. Juni 1964 in der Klinik Hoff, der Wiener Universitätsklinik für Neurologie und Psychiatrie, der sogenannten Malariatherapie unterzogen wurde.

Welche Erkrankung er mit dem "Entweichen" meint? Keine. Jäger zitiert nur die vielen, vielen Einträge aus seiner Heimakte, wonach "der Zögling erneut entwichen" sei. "Ich bin immer wieder geflüchtet, hab nicht verstanden, warum ich in Heimen sein muss, wo ich doch zu Hause bei den Eltern wohnen wollte", sagt er. Sicher, schwierig sei es dort gewesen mit dem alkoholkranken Vater und der schwer arbeitenden Mutter, aber besser als in den Heimen der Stadt Wien, in denen Missbrauch und Gewalt daheim waren und aus denen er erst nach sechs Jahren, mit 19, wieder rauskommen sollte. Regulär diesmal.

Weiter geht es hier:
Online Standard
0



Benutzeravatar
Salva
Administrator
Administrator
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 50
Beiträge: 4541
Registriert: 05.08.2014
Geschlecht:
Wohnort: Cadolzburg
Alter: 51
Kontaktdaten:
Status: Offline
Germany

Die vergessenen Malaria-Opfer von Wien

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » So, 30. Jul. 2017, 15:40

Von diesen Experimenten habe ich noch nie gehört! Danke für den Thread, @Jason Darkstone :like:

Das krasseste kommt ja noch:
Viel schlimmer sei aber die Malariakur gewesen, "das war die Hölle für mich". Dabei war die quälende "Malariatherapie" mit ihren Fieberschüben bis 41 Grad damals international gar nicht mehr gebräuchlich. Dass auch Heimkinder mit Malaria infiziert wurden, flog 2012 auf – im Rahmen des vom Kurier aufgedeckten Wiener Heimskandals. Wilhelm Jäger war es, der die Sache ins Rollen brachte, als er gemeinsam mit Anwalt Johannes Öhlböck als Erster seine Akten vom Wiener AKH verlangte. Der Verdacht, der damals aufkam: An der von 1950 bis 1969 vom Universitätsprofessor für Psychiatrie Hans Hoff geleiteten Uniklinik habe man mit dem Erreger der Malaria tertiana, der nur im menschlichen Blut überleben kann, experimentiert; habe u. a. Heimkinder als "Stammträger" für den Erreger verwendet, ihr infiziertes Blut weitergegeben. Kurzum: Man habe ihnen den Erreger eingeimpft, um ihn zu erhalten, und nicht (nur), um zu heilen.

In der Folge gab die Med-Uni Wien einen Bericht in Auftrag. Eine Historikerkommission unter Leitung des früheren Universitätsprofessors für Geschichte Gernot Heiss, sollte klären, ob die Malariatherapie in den 1960ern noch State of the Art war. In den 1920er- bis 1940er-Jahren wurde die von Julius Wagner-Jauregg entdeckte Methode zur Behandlung von Progressiver Paralyse als Spätform von Syphilis (Neurolues) eingesetzt. Der österreichische Psychiater hatte dafür 1927 den Medizinnobelpreis bekommen. Mit der Erfindung des Penicillins war die Behandlungsmethode obsolet.

Von State of the Art könne "nur bedingt gesprochen werden", hieß es Mitte 2015 im 297-seitigen Bericht der Kommission. Der wurde nie veröffentlicht, das werde erst nach weiteren Recherchen geschehen, hieß es. Die Arbeitsweise der Kommission und das Ergebnis sind höchst umstritten – doch dazu später. Heute sagt Heiss jedenfalls, es sei "ziemlich wahrscheinlich, dass einige Betroffene nur als Stammträger verwendet wurden".
derStandard.at

Das geht in dem verlinkten Artikel noch weiter. Demnach wurden sogar Dreijährige für diese Experimente missbraucht und was die Entschädigungen betrifft, da kneifen die Verantwortlichen die A...backen zusammen. Und die Strafverfahren? Allesamt wegen "Verjährung der Verdachtsmomente" eingestellt. Die gesichteten Beweismittel sowie die Aussagen der Betroffenen: irrelevant.
1
Bild

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Österreich“

Wer ist online?

0 Mitglieder | 2 Gäste