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Italien: Mafia-Boss Vittorio Casamonica beigesetzt

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Salva
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Italien: Mafia-Boss Vittorio Casamonica beigesetzt

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 24. Aug. 2015, 08:39

So unverschämt pompös wird der Mafia-Boss Vittorio Casamonica am 20. August 2015 beerdigt

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Foto: Corriere

Eine goldverzierte Pferdekutsche, vom Himmel fallende Rosenblätter und Musik aus dem Film "Der Pate": Mit provokant viel Pomp wurde ein Mafia-Boss in Rom beerdigt. Politik und Polizei sind verärgert.

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Von insgesamt sechs Pferden wurde die Kutsche gezogen, in der sich der Sarg mit dem Leichnam von Vittorio Casamonica befand. Der 65-Jährige gilt als mutmaßlicher Chef des gleichnamigen Mafia-Clans, der im Süden Roms unter anderem Geldwäsche und verbotene Drogengeschäfte abwickeln soll. Er wurde zwar mehrfach festgenommen, aber nie verurteilt.

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Die Beerdigung fand in der Don Bosco Kirche im Stadtteil Cinecittà statt. Der zuständige Pastor versicherte Journalisten, dass er weder von der kitschigen und aufsehenerregenden Zeremonie noch von der Vergangenheit des Verstorbenen etwas gewusst habe. Er muss nun beim Kardinalvikar vorsprechen.

► Videodokumentation der Beerdigung

[video]https://www.youtube.com/watch?v=7RH3by5U198[/video]

► "Erklärungsversuche"

Ein Aufsteiger, wie aus dem Bilderbuch der Kriminalität, sagt man. In den Siebzigerjahren zog die Sinti-Familie von Vittorio Casamonica von den kalten Bergen der Abruzzen ins warme Rom und ließ sich in den östlichen Stadtteilen Tuscolano und Anagnina nieder. Vittorio freundete sich mit dem Chef der "Magliana-Bande" an, das war damals die dynamischste Gang in der römischen Unterwelt. Aber er arrangierte sich auch mit anderen Bossen in anderen Stadtteilen. Die Drecksarbeit, Wucherkredite von säumigen Schuldnern einzutreiben, soll seine Familie damals für einige arrivierte Mafia-Fürsten übernommen haben, heißt es.

So wurde er nach und nach ein einflussreicher Mann, erst in seinem "Regierungsbezirk", später in ganz Rom - durch Kreditwucher, Schutzgelderpressung und was sonst alles noch zur organisierten Kriminalität gehört, sagen jedenfalls die Behörden der Strafverfolgung. Immer wieder gab es Polizeiaktionen gegen ihn, Durchsuchungen, Beschlagnahme von Millionenwerten. Aber so richtig beweisen konnte man ihm persönlich nicht viel.

Sein Handwerk freilich war allenthalben bekannt. Das gehört ja zum Geschäftsmodell eines jeden Mafiabosses: Wenn keiner Angst vor ihm hat, funktioniert das nicht. Wenn aber halb Rom vom zweifelhaften Ruf des Verstorbenen wusste, fragen jetzt erstaunte und erzürnte Mitbürger, wieso wurde posthum eine derartige öffentliche Huldigung erlaubt?

"Rom wurde verschandelt", sagt Matteo Orfini, Chef der in Italien wie in Rom regierenden Sozialdemokraten. "Das beleidigt alle römischen Bürger", empört sich der Vizebürgermeister. "Eine Beerdigung wurde zum Instrument gemacht, Mafia-Botschaften auszusenden", twittert sein Chef, Bürgermeister Ignazio Marino, das sei "nicht zu tolerieren". Und er habe vom Präfekten der Stadt Klärung verlangt. Der Präfekt wiederum sagt, er habe nichts gewusst, womöglich sei es aber eine Kommunikationspanne gewesen. Man müsse das klären. Die Opposition fragt den Innenminister Angelino Alfano, ob er zum Beispiel den Hubschrauberflug über Rom und den Autokorso genehmigt habe. "Nein", sagt der, verspricht aber eine Untersuchung.

Der Pater weiß von nichts

Don Giancarlo Manieri hingegen, der Salesianer-Priester, der die Beerdigungsmesse für den verstorbenen Paten geleitet hat, sieht keinen Grund für Selbstzweifel. Vom zweifelhaften Ruf des Verstorbenen habe er nichts gewusst. Erst seit drei Jahren leitet er die Gemeinde, in der auch der überaus gläubige "König von Rom" zur Messe ging. Und überhaupt, "in der Kirche haben sich alle tadellos verhalten, alle haben mitgebetet". Und, nein, die Plakate an der Kirche habe er nicht gesehen. Alles, was draußen auf den Straßen vor sich ging, sei sowieso nicht seine Kompetenz, "ich bin doch kein Verkehrspolizist".

Auch davon, dass Papst Franziskus schon 2014 alle Mafiosi exkommuniziert und die Kirche zum Kampf gegen die organisierte Kriminalität aufgerufen hat, dass er die Kirche und alle Gläubigen aufforderte, jede "Nähe zu den Kriminellen" zu vermeiden, weiß Don Manieri sicher nichts. Aber das geht ja offensichtlich vielen in der "Ewigen Stadt" so.

Quellen: Stern | Independent | Spiegel
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