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Frankreich: Sterbehilfe-Debatte

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sweetdevil31
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Frankreich: Sterbehilfe-Debatte

#1

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Fr, 5. Jun. 2015, 20:40

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/s ... 37354.html


Sterbehilfe-Debatte in Frankreich: Das Recht auf den Tod

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Vincent Lambert: "Wir sind sehr weit gegangen", sagen die Ärzte

Nach langem Streit um das Schicksal des Koma-Patienten Vincent Lambert hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden: Die Ärzte dürfen ihn sterben lassen. Gegen den Willen seiner Eltern. Die kämpfen weiter.

Die Geschichte begann am 29. September 2008. Vincent Lambert, 32, Vater einer drei Monate alten Tochter, brach zur Arbeit auf. Auf dem 17 Kilometer langen Weg nach Châlons-en-Champagne, wo Lambert als Pfleger in der psychiatrischen Abteilung des örtlichen Krankenhauses arbeitete, verlor er die Kontrolle über sein Motorrad. Er erlitt schwere Kopfverletzungen.

Bis hier hin war es eine persönliche Tragödie. Eingeliefert in das Universitätskrankenhaus von Reims wurde Lambert auf der Intensivstation zunächst in ein tiefes Koma versetzt, danach erreichte er den "Status minimalen Bewusstseins". Der Terminus charakterisiert einen beinahe vegetativen Zustand: Lamberts Augen, meist ausdruckslos, bewegen sich, sie reagieren reflexartig auf Lärm. Sein Körper empfindet Schmerzen, er weint.

Spezialkliniken versuchten, Lambert zu helfen: Doch weder Bewegungstherapie und stimulierende Massagen wirkten auf sein Bewusstsein; ohne Erfolg blieben die Bemühungen der Angehörigen oder intensive sprachtherapeutische Behandlungen. Lambert hat in der Sprache der Medizin kein "zwischenmenschliches Leben".

Wer darf entscheiden?

Wie damit umgehen? Lambert hat keine Patientenverfügung, er hatte sich vor dem Unfall nicht klar geäußert, was er wünscht, sollte ihm etwas zustoßen. Die Frage entzweite die Familie, aus Lamberts Schicksal wurde ein Familiendrama, erwuchs ein öffentlicher Konflikt.

Wann ist Sterbehilfe erlaubt? Wer darf über sie entscheiden, wenn es der Patient nicht getan hat und nicht mehr kann? Angehörige? Ärzte? Gerichte?

Am Freitag ist der juristische Streit um Lambert womöglich beendet worden: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EMGR) hat entschieden, dass es kein Verstoß gegen das Recht auf Leben der Europäischen Menschenrechtskonvention sei, die künstliche Ernährung von Lambert zu beenden. Die Richter folgten damit dem Urteil von Frankreichs oberstem Verwaltungsgericht.

Das Urteil hat über den Fall Lambert hinaus Relevanz: Etwa 1700 Patienten sind in Frankreich in einer ähnlichen Lage. Und die übrigen Länder der Europäischen Union gehen unterschiedlich mit Sterbehilfe um; vielerorts, wie in Deutschland, läuft die Debatte, ob Sterbehilfe gesetzlich neu geregelt werden soll (dazu finden Sie eine Übersicht unter dem Text).

"Letzter Beweis der Liebe"

Im Fall Lambert waren sich die Ärzte und die Ehefrau einig. Im Frühjahr 2013 glaubten die Mediziner bei dem Querschnittsgelähmten Zeichen eines Widerstandes gegen die Behandlung festzustellen. Doktor Éric Kariger beschloss im Einvernehmen mit Rachel Lambert, selbst Krankenschwester, die künstliche Ernährung Vincent Lamberts einzustellen.

Frankreichs Rechtsprechung verbietet zwar "aktive Sterbehilfe", seit 2005 erlaubt ein Gesetz aber, unheilbar Kranke "sterben zu lassen". Kann der Betroffene sich nicht selbst dafür entscheiden und liegt keine Patientenverfügung vor, kann ein Ärztegremium die Entscheidung treffen. "Vincent gehen zu lassen", so Rachel 2013, "ist mein letzter Beweis der Liebe."

Doktor Kariger unterlief aber ein Fehler: Er versäumte es, die anderen Angehörigen des Patienten zu benachrichtigen. So folgte ein juristischer Grabenkrieg: Ehefrau Rachel und sechs der insgesamt acht Geschwister wollten die Sterbehilfe, die restlichen Geschwister und die Eltern sperrten sich. Sie, Katholiken aus dem Umfeld der erzkonservativen "Bruderschaft des Heiligen Pius X.", bezeichneten Vincents Zustand nicht als "unheilbare Hirnkrankheit", sondern sahen ihren Sohn als nur "behindert".

Es folgte ein Parcours durch die Gerichte: Doktor Kariger und ein Ärztegremium betrachteten jede weitere Behandlung als "vernunftwidriges Beharren", sie plädierten gegen eine "Lebensverlängerung um jeden Preis". Das von den Eltern angerufene Verwaltungsgericht entschied jedoch, die Fortsetzung der Behandlung "sei weder unnütz noch unverhältnismäßig".

"Richter an Stelle der Ärzte"

Für Jean Leonetti, den konservativen Abgeordneten und Verfasser des 2005 in Kraft getretenen Sterbehilfegesetzes, hatten "die Juristen damit die Stelle der Ärzte eingenommen". Fünf Geschwister appellierten an Gesundheitsministerin Marisol Tourraine: Vincent sollte nicht gezwungen sein, "mit den Schmerzen weiterzuleben".

Im Juni gab der Staatsrat, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, ihnen Recht. Nach Anhörung von Neurologen stellte er fest, dass es "nicht illegal" sei, die künstliche Ernährung von Vincent Lambert zu beenden. Lamberts Bewusstsein entspreche "nunmehr einem vegetativen Zustand durch unumkehrbare Hirnverletzungen". Die klinische Prognose sei schlecht.

Die Eltern schalteten schließlich den Gerichtshof in Straßburg im Eilverfahren ein. Sie riefen zugleich im Internet zur "Rettung Vincents" auf: "Im Namen welchen Grundsatzes sollte Vincent sterben, wenn er unter den liebevollen Blicken seiner Familie leben kann, mit der Versorgung, die er benötigt?"

Lamberts Arzt, Éric Kariger, hatte die Haltung der Eltern schon vor dem EGMR-Urteil als "Leugnen der Wirklichkeit" bezeichnet. "Wir sind weit, weit, sehr weit gegangen", so Kariger gegenüber "Paris-Match" zu seinen Bemühungen. "Aber wir praktizieren eine menschliche, humanistische Medizin, eine Medizin der Demut. An deren Ende steht manchmal der Tod."

Im Urteil des EGMR heißt es nun, die französische Justiz habe "alle medizinischen und ethischen Aspekte dieses Falls sorgfältig abgewogen".

Die Mutter Vincents ist verbittert, sie nannte den Spruch der Straßburger Richter ein "skandalöses Urteil". Der Anwalt der Eltern, Jean Paillot, hat bereits weitere juristische Schritte in Frankreich angekündigt, um Lambert am Leben zu erhalten.
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Re: Sterbehilfe-Debatte in Frankreich

#2

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Fr, 5. Jun. 2015, 20:43

http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 51995.html

Karte: Wie ist die Sterbehilfe in anderen Ländern organisiert?

Belgien

Aktive Sterbehilfe durch einen Arzt ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Unter anderem muss sich der Patient in einer medizinisch ausweglosen Situation befinden, in der ein anhaltendes, unerträgliches physisches oder psychisches Leid besteht - in dieser Frage muss ein zweiter Arzt hinzugezogen werden. Der verantwortliche Mediziner muss im Rahmen mehrerer Gespräche mit dem Patienten zu der gemeinsamen Überzeugung gelangt sein, dass es keine andere "vernünftige Lösung" gibt. Bekannt wurde zuletzt, dass ein Mann Sterbehilfe in Anspruch nahm, der nach einer Geschlechtsumwandlung sehr unglücklich war und keinen anderen Ausweg als den Tod sah. Die Regierung will das Gesetz für Minderjährige ausweiten. Der Senat hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Dem hat die Abgeordnetenkammer zugestimmt.

Frankreich

Aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid sind verboten. Ein Abbruch der Behandlung unheilbar Kranker ist nach einem Gesetz aus dem Jahr 2005 erlaubt, wenn der Patient dies wünscht (Passive Sterbehilfe). Das gilt auch, wenn ein Abbruch der Behandlung den Tod beschleunigt. Ende 2013 sprach sich ein im Auftrag von Staatspräsident François Hollande eingesetztes Bürgergremium für eine teilweise Zulassung der Sterbehilfe aus. Für sterbende oder unheilbar kranke Patienten sei es ein "legitimes Recht", Beihilfe zur Selbsttötung in Anspruch zu nehmen. Aktive Sterbehilfe soll hingegen im Regelfall weiter verboten bleiben, das Bürgergremium sprach sich lediglich für Ausnahmeregelungen in besonderen Fällen aus.

Großbritannien

Aktive Sterbehilfe ist verboten. Beihilfe zum Suizid - etwa die Begleitung eines Patienten zu einer Sterbehilfeorganisation in die Schweiz - ist strafbar und kann mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden. Jedoch wurde längst nicht jeder Fall verfolgt. Nach einem aufsehenerregenden Einzelfall stellte die britische Justiz 2009 neue Richtlinien vor, die klarmachen sollen, wann es zur Strafverfolgung kommt. Entscheidend ist seither unter anderem, ob der Helfer gänzlich aus Mitleid handelt (entlastend) oder vom Tod des Patienten profitiert (belastend); ob der Patient eigenständig und klar eine Entscheidung zum Suizid getroffen hat (entlastend) oder ob der Patient ermutigt und bedrängt wurde (belastend). Auch Geldzahlungen und eine Minderjährigkeit des Opfers würden eher für eine höhere Strafe sprechen. Im vergangenen Jahr hat der frühere Lordkanzler Falconer einen Gesetzentwurf vorgestellt, mit dem der assistierte Suizid unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt werden soll. Das Parlament hat darüber noch nicht beraten.

Italien

Aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid sind strafbar. Passive Sterbehilfe ist nicht strafbar, sofern unter anderem die Einwilligung des Patienten gesichert ist.

Niederlande

2002 wurde die aktive Sterbehilfe durch Ärzte unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Sie ist seither - ebenso wie Beihilfe zum Suizid - nicht strafbar, wenn sie von einem Arzt unter Einhaltung vorgegebener Sorgfaltskriterien geleistet wird. Unter anderem muss der Mediziner zu der Ansicht gelangt sein, dass der Patient freiwillig und nach reiflicher Überlegung um Sterbehilfe gebeten hat; dass der Zustand des Patienten aussichtlos und sein Leiden unerträglich ist. Zudem muss mindestens ein zweiter Arzt das Vorliegen der nötigen Kriterien bestätigen.

Österreich

Aktive Sterbehilfe ist ebenso strafbar wie Beihilfe zum Suizid, in beiden Fällen können Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren verhängt werden. Passive Sterbehilfe und indirekte Sterbehilfe sind straflos. Der Plan der Koalitionspartei ÖVP, ein Verbot der Sterbehilfe in der Verfassung festschreiben zu lassen, hat die Debatte über das Thema neu entfacht.

Polen

Jegliche Formen der Sterbehilfe sind in dem streng katholischen Land verboten.

Schweiz

Aktive Sterbehilfe ist verboten und wird als Mord, Totschlag oder Tötung auf Verlangen bestraft. Beihilfe zum Suizid ist hingegen straffrei - solange keine selbstsüchtigen Beweggründe vorliegen, wie aus Artikel 115 des Schweizerischen Strafgesetzbuches hervorgeht. Mehrere Organisationen bieten Beihilfe zum Suizid an, unter anderem Dignitas und Exit.

Spanien

Aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid sind grundsätzlich verboten.

Luxemburg

Seit 2009 sind ärztliche aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Unter anderem muss der Patient volljährig sein und sich in einer medizinisch ausweglosen Situation befinden. Bei 16 bis 18 Jahre alten Patienten müssen die gesetzlichen Vertreter zustimmen. Um das Gesetz einführen zu können, setzte das Luxemburger Parlament extra eine Verfassungsänderung durch und beschränkte Großherzog Henris Rechte im Gesetzgebungsverfahren auf eine rein repräsentative Rolle. Das katholische Staatsoberhaupt hatte seine Billigung und Unterschrift des Sterbehilfe-Gesetzes aus Gewissensgründen verweigert.

Dänemark

In dem skandinavischen Land sind aktive Sterbehilfe und assistierter Suizid per Gesetz strafbar. Passive sowie indirekte Sterbehilfe auf Wunsch des Patienten sind straffrei. Patientenverfügungen werden in einem Zentralregister erfasst.

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V., Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften, KNA, Deutsche Stiftung für Patientenschutz

Zum Artikel: Sterbehilfe-Debatte in Deutschland
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Re: Sterbehilfe-Debatte in Frankreich

#3

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Fr, 5. Jun. 2015, 20:50

Wir lesen jeden Tag von Mord und Totschlag...von Menschen die mit Sicherheit nicht sterben wollten...sondern denen das Leben genommen wurde. Teilweise gibt es nur recht geringe Strafen für solche Verbrechen.

Und hier nun die andere Seite....Menschen die sterben möchten...nicht weil sie des Lebens müde geworden sind, sondern weil z.B. starke, unheilbare Schmerzen, dass Leben nur unnötig verlängern...obwohl das Ende...*der Tod*...absehbar sind.
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Re: Sterbehilfe-Debatte in Frankreich

#4

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Sa, 6. Jun. 2015, 06:56

https://www.youtube.com/watch?v=lZXISadZXJc

http://www.bild.de/news/ausland/freitod ... .bild.html

Ehemann von Krebs-Patientin Brittany Maynard
„Sie schlief in fünf Minuten ein, nach 30 war sie tot“


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In einem bewegenden TV-Interview schilderte Dan Diaz (43) die letzten Momente im Leben seiner Frau Brittany Maynard (†29)

Fünf Minuten dauerte es – dann war er vorbei, all der Schmerz, den ihr der Krebs zugefügt hatte ...

Portland (US-Bundesstaat Oregon) – Im November 2014 setzte die unheilbar kranke Brittany Maynard († 29) ihrem Leben ein Ende. Die ganze Welt hatte an ihrem Schicksal Anteil genommen. Jetzt schilderte ihr Ehemann Dan Diaz (43) die letzten Momente im Leben seiner geliebten Frau.

„Innerhalb von fünf Minuten war sie eingeschlafen. Und innerhalb von 30 Minuten wurde ihr Atmen langsamer bis zu dem Punkt, an dem er ganz aussetzte und sie starb“, sagte Diaz im Interview mit der US-Moderatorin Meredith Vieira.

Die Vorgeschichte: Im Frühjahr 2014 wurde bei der jungen Frau ein Hirntumor gefunden, Ärzte gaben ihr noch sechs Monate zu Leben.

Doch Brittany wollte das nicht. Sie wollte selber entscheiden, wann und wie sie stirbt. Als Termin ihres Todes setzte sie den 1. November 2014 fest.

„Sie war von den Menschen umgeben, die sie am meisten liebten. Es war die friedlichste Erfahrung, die wir uns für sie erhoffen konnten“, sagte jetzt ihr Mann. Noch am Morgen des Tages habe sie sich so gut gefühlt, erzählte er, dass sie ihren Freitod eigentlich verschieben wollte.

Doch schon im Laufe des Tages ging es ihr wieder sehr schlecht. Die Krämpfe, die Kopfschmerzen – das alles zeigte Maynard, was in Zukunft mit ihr passieren würde.

„Es war eine Erinnerung an das, was sie riskierte, denn schon bald hätte sie ihr Augenlicht verloren, Lähmungen wären eingetreten und sie hätte nicht mehr sprechen können. Sie wäre in ihrem Körper gefangen gewesen“, sagte Diaz im Interview.

Eine Chemotherapie hatte Maynard zuvor abgelehnt. Die Behandlung hätte ihr Leben nur um wenige Wochen verlängert. Diese wertvolle Zeit wollte sie nicht in einem grauen Krankenhaus verbringen. Sie wollte stattdessen die Welt sehen, reiste mit ihrem Mann unter anderem zum Grand Canyon. Die beiden hatten erst im September 2012 geheiratet.

Kurz nach der schrecklichen Diagnose las Maynard erstmals über die „Right-to-die“-Bewegung in Oregon, einem der Bundesstaaten in den USA, in dem Sterbehilfe unter ärztlicher Aufsicht erlaubt ist. Maynard sagte daraufhin zu ihrem Mann: „Wenn es schlimmer wird, dann ist das eine Option“. Schon kurz darauf wurde es schlimmer. Die beiden, die eigentlich in Kalifornien wohnten, mieteten sich ein Haus in Oregon.

Diaz selber hatte anfangs große Probleme mit der Entscheidung seiner Frau: „Wollte ich, dass sie stirbt? Natürlich nicht! Wollte ich, dass ihr Leiden ein Ende hat? Natürlich. Habe ich je gehofft, dass sie ihre Meinung ändert? Nein. Denn ich wollte nicht, dass meine Frau aus irgendeinem Grund leidet.“

Und Maynards Entschluss stand fest: Am 1. November wollte sie sterben. Nach dem Frühstück machten er und seine Frau an diesem Tag einen Spaziergang. Mit dabei: ihre Hunde Charley und Bella. Knapp 90 Minuten wanderten sie gemeinsam in der Nähe ihres Mietshauses in der Stadt Portland.

Als sie vom Spaziergang zurückkamen sagte Maynard, dass ihre Zeit nun gekommen sei. Noch am selben Tag bekam sie das Beruhigungsmittel verabreicht und entschlief. Seine Frau habe niemals an ihrer Entscheidung gezweifelt, ihr Leben selber zu beenden, bevor der Krebs dies tun würde, stellte Diaz klar.

Kurz vor Maynards Tod waren Videos ausgestrahlt worden, die die Frau noch sehr mutig und zuversichtlich zeigten, sie sah gesund aus – aufgenommen wurden die Filme aber bereits drei Wochen vor ihrem Freitod.

„In den letzten Wochen vor ihrem Tod wurden ihre Symptome immer schlimmer: Die Krämpfe, die Schmerzen. Nach einem der Anfälle konnte sie vier Stunden lang nicht sprechen“, sagte Diaz. Er will nun in Kalifornien für die Einführung der Sterbehilfe kämpfen, dass hatte er seiner Frau versprochen.

Eines wollte Diaz nicht öffentlich machen: die letzten Worte seiner Frau. „Das ist ein heiliger Teil dessen, was ich für mich alleine haben werde und nicht mit der Welt teilen möchte“, sagte Diaz.


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Re: Sterbehilfe-Debatte in Frankreich

#5

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Do, 11. Jun. 2015, 08:10

http://www.rp-online.de/politik/ausland ... -1.5155087

Doch keine Sterbehilfe?
Vincent Lambert reagiert auf Impulse


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Das lange Ringen um die weitere Behandlung von Wachkoma-Patient Vincent Lambert hatte eigentlich ein Ende.

Reims. Die Unterstützer der lebensverlängernden Maßnahmen für den im Wachkoma liegenden querschnittsgelähmten Franzosen Vincent Lambert haben ein erschütterndes Video des Patienten veröffentlicht. Der Film war am Mittwoch im Internet zu sehen und wurde von französischen Medien aufgegriffen.

Das Video soll die Auffassung der Befürworter der lebenserhaltenden Geräte verdeutlichen, dass der Patient nicht am Ende seines Lebens steht, sondern auf Impulse reagiert.

Lambert ist in dem Video mit halbgeschlossenen Augen zu sehen, während eine Hand ein Handy mit der Stimme seiner Mutter an sein Ohr hält. In einer anderen Sequenz ist sein Halbbruder zu sehen, der sich zu ihm hinunterbeugt und mit ihm spricht. Lambert reagiert mit einem Blinzeln. Die Aufnahmen sollen am Freitag von einem mutmaßlichen ehemaligen Klassenkameraden Lamberts gemacht worden sein, der sich gegen eine Abschaltung der Geräte einsetzt. Die Eltern und zwei Geschwister des Patienten sind ebenfalls gegen die Abschaltung.

Lamberts Ehefrau Rachel und sechs Geschwister des Patienten fordern dagegen für den 38-Jährigen das Recht zu sterben. Rachel Lambert zeigte sich am Mittwoch bestürzt über das Video. Dieses bringe keine neuen Erkenntnisse, zudem sei der Zustand ihres Mannes "nicht in zwei Minuten zu erfassen", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Ein früherer Arzt Lamberts sagte, der Film verletze die Würde des Patienten. Überdies seien "vegetative Reaktionen" bei solchen Patienten normal.

Lambert hatte bei einem Motorradunfall im September 2008 schwere Kopfverletzungen erlitten. Seither ist er querschnittsgelähmt, liegt im Wachkoma und wird nur mit Ernährung durch eine Magensonde am Leben erhalten. In dem seit Jahren andauernden Rechtsstreit um den Patienten hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Freitag einem Ende der künstlichen Ernährung zugestimmt.
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