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Ludwigsburg: 22-Jähriger kommt Prügelopfer zu Hilfe | Bewährung

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Eagle
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Ludwigsburg: 22-Jähriger kommt Prügelopfer zu Hilfe | Bewährung

#1

Ungelesener Beitrag von Eagle » Fr, 12. Feb. 2016, 17:40

Er wollte nur helfen: Ein 22-Jähriger schritt ein, als ein Mann von einer Gruppe Jugendlicher zusammengeschlagen wurde. Dabei verletzte er einen der Täter. Eine Richterin verurteilte ihn dafür.

Wer kann das nachvollziehen? 3 Monate und 2 Wochen auf Bewährung, er ist jetzt vorbestraft!!

Bild nicht mehr vorhandenEin 22-Jähriger kam einem Prügelopfer zu Hilfe - doch sein Einsatz brachte ihm eine Strafe ein (Symbolbild)
Wer einen "gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff" von sich oder einem anderen abwendet, handelt in Notwehr. So steht es in Paragraph 32 im Strafgesetzbuch. Genau das hat ein 22-Jähriger getan, als er im Juni 2015 in der Ludwigsburger Innenstadt einem Mann zur Hilfe kam, der zusammengeschlagen wurde, wie die "Stuttgarter Nachrichten" schreibt. Doch das Amtsgericht Ludwigsburg verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung - weil er bei seinem Einsatz einen Menschen verletzte.
Folgendes hatte sich dem Bericht zufolge damals abgespielt: Vor einer Gaststätte wurde ein Mann von einer Gruppe betrunkener Jugendlicher umringt und zusammengeschlagen. Der Angeklagte schritt gegen die Täter ein, schlug um sich. Dabei erlitt einer der Beteiligten einen Kieferbruch, er gab später zu Protokoll, grundlos ins Gesicht geschlagen worden zu sein.
Das, erklärte der Angeklagte später vor Gericht, habe er nicht gewollt. "Ich hatte Angst, dass der auf dem Boden stirbt, wenn die alle weiter auf ihn eintreten.“ Zahlreiche Zeugen und auch das Opfer unterstützten die Aussage des Mannes.
Für die Staatsanwältin war es eine klare Sache: Der Angeklagte hatte in Notwehr gehandelt und sollte nicht bestraft werden. Doch die Richterin sah das anders. Zwar zweifelte sie nicht an, dass der Mann wirklich helfen wollte - doch ihrer Ansicht nach war er zu weit gegangen. "Das Ausmaß dieser Nothilfe war so nicht erforderlich."Der Angeklagte ist nun vorbestraft
Die Richterin verurteilte den 22-Jährigen wegen fahrlässiger Körperverletzung zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis auf Bewährung. Der Grund für das Urteil ist möglicherweise auch in der Vergangenheit des Angeklagten zu finden: Vor Jahren hatte er schon einmal Ärger wegen Körperverletzung, heißt es.
Der 22-Jährige ist nun vorbestraft. Dem Bericht zufolge könnte er in einem Zivilprozess auf Schadensersatz verklagt werden. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht: Die Verteidigerin des Angeklagten kündigte an, in Berufung zu gehen.
stern



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Jason Darkstone
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Re: Ludwigsburg: 22-Jähriger kommt Prügelopfer zu Hilfe – und wird verurteilt

#2

Ungelesener Beitrag von Jason Darkstone » Sa, 13. Feb. 2016, 08:34

Also, nach dem was vorliegt ein völliges Fehlurteil.
Wenn das ursprüngliche Opfer von mehreren Personen umringt war, die auf ihn eintraten, dann war Gefahr für Leib und Leben ja vorhanden. Dass es bei der "erweiterten" Notwehr dann auch unbeabsichtigten körperlichen Schaden bei den Angreifern geben kann, ist eben so. Ist ja auch so, wenn man sich selbst wehrt.
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Eagle
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Re: Ludwigsburg: 22-Jähriger kommt Prügelopfer zu Hilfe – und wird verurteilt

#3

Ungelesener Beitrag von Eagle » Sa, 13. Feb. 2016, 08:51

@Jason Darkstone

Ein absolutes Fehlurteil.
Der 22-Jährige ist nun vorbestraft. Dem Bericht zufolge könnte er in einem Zivilprozess auf Schadensersatz verklagt werden. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht: Die Verteidigerin des Angeklagten kündigte an, in Berufung zu gehen.
Ich hoffe das in der Berufung ein anderes Urteil gefällt wird.

Finde den Urteilsspruch äusserst befremdlich. Wie wäre das Ganze ohne das Einschreiten des Helfers ausgegangen? Und dann hat der "Geschädigte" auch noch die Möglichkeit Schadenersatz einzuklagen? Was ist mit dem Opfer welches zusammengetreten wurde??

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Zivilcourage - zu feste zugeschlagen

#4

Ungelesener Beitrag von AndreaManuela » Do, 25. Feb. 2016, 14:33

Focus

Es ist unfassbar... Bei solchen Urteilen muss man sich doch dreimal überlegen, ob man eingreift oder nicht. Siehe auch die Kommentare. Ich hoffe, der Verurteilte kriegt in einem Revisionsprozess sein Recht.

(hab das mal hier eingestellt, bin aber nicht sicher, ob es hierhin gehört - Admin, wenn nötig bitte verschieben)
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Re: Zivilcourage - zu feste zugeschlagen

#5

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 25. Feb. 2016, 15:35

@AndreaManuela
Dein Thema ist schon an der richtigen Stelle :like:

Aus deiner Quelle:
Er kam einem Mann zu Hilfe und rettete ihm eventuell das Leben. Trotzdem wurde ein 22-Jähriger jetzt zu drei Monaten und zwei Wochen Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Das berichten die "Stuttgarter Nachrichten". Statt um vorbildliche Zivilcourage habe es sich um fahrlässige Körperverletzung gehandelt, entschied das Gericht. Dabei hatten sowohl Verteidigerin als auch Staatsanwältin gefordert, den Mann nicht zu bestrafen.
Ungeachtet der Umstände frage ich mich, wer denn das Verfahren überhaupt zugelassen hat! Es ist doch die Staatsanwaltschaft, die einen Fall prüft und bei ausreichenden Beweismittel Anklage erhebt.
Die Beweisaufnahme habe zweifelsfrei ergeben, dass der Angeklagte versucht hat, dem Opfer zu helfen. Das bestätigte nicht nur das Opfer, sondern auch zahlreiche Zeugen. Verteidigerin und Staatsanwältin kamen zu dem Schluss, der 22-Jährige habe den Jugendlichen nur unabsichtlich verletzt.

Die Richterin war trotzdem davon überzeugt, der Mann habe bei seiner Hilfe übertrieben. „Das Ausmaß dieser Nothilfe war so nicht erforderlich“, heißt es. Bei dem Urteil könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der Verurteilte bereits zuvor wegen Körperverletzung mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war.
Objektiv betrachtet, bedeutet bzw. beinhaltet "Nothilfe" ja nicht, jemanden niederzuschlagen oder gar dessen Kiefer zu brechen und ich bin mir sogar sicher, dass der Gesetzeskonflikt wegen Körperverletzung zu dieser Strafe geführt hat. Laut der Richterin würde sich niemand mit "normal" aggressivem Potenzial in eine Meute angesoffener und prügelnder Jugendlicher trauen und selbst zum Schläger werden, sondern die Polizei verständigen. Egal, was mit dem Opfer geschieht. Eine andere Erklärung hätte ich jetzt auch nicht, warum diese Richterin so geurteilt hat. Es ist auf jeden Fall grenzwertig, denn Gewalt mit Gegengewalt zu begegnen ist in Deutschland eben nur den Sicherheits- und Ordnungsorganen gestattet. Wenn es sich nicht um Notwehr handelt.

Ob jemand das Urteil für richtig oder falsch hält, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich als Richter hätte den Nothelfer mit ein paar eindeutigen Worten in Hinblick auf sein Aggressionspotezial und -verhalten laufen lassen und zwar alleine schon deshalb, weil er einen hilf- und wehrlosen Menschen höchstwahrscheinlich das Leben, aber mit Sicherheit dessen Gesundheit gerettet hat und das wäre mir wichtiger als ein gebrochener Kiefer.
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Re: Zivilcourage - zu feste zugeschlagen

#6

Ungelesener Beitrag von AndreaManuela » Fr, 26. Feb. 2016, 08:28

@Salva, ich denke, woher die Motivation schlussendlich stammt, ist dem am Boden liegenden Opfer völlig wurst. Versetz Dich mal in so eine Lage: Du siehst, wie jemand verprügelt wird - ich selbst habe mich noch nie gekloppt, also würde ich wahrscheinlich nicht körperlich eingreifen. So. Aber dieser junge Mann hat den Mum gehabt, überhaupt hinzugehen. Dann kommt das Adrenalin. Du musst gegen mehr als drei Leute angehen, die gerade voll in Aktion sind. Denkt man dann darüber nach, wo die Faust, die Hand, der Fuß landet? Ich denke nicht. Man will einfach nur die Situation beenden und das wehrlose Opfer da rausholen.

Wie hätte die Schlagzeile sonst ausgesehen? So vielleicht: "Mann tot getreten. Gaffende Passanten kamen nicht zu Hilfe. Mangelt es den Deutschen an Zivilcourage?"

Ein Anruf bei der Polizei? Reicht das? Die wären erst in zehn Minuten (oder mehr) da und in der Zeit kann sehr viel mit einem Kopf, der von Tritten traktiert wird, passieren.

Also mir wäre es in der Situation als Opfer echt egal, ob mein Retter schon mal wegen Körperverletzung verknackt wurde. Ich wäre nur dankbar.

Ich finde das Urteil absolut falsch. Es setzt ein falsches Zeichen. Es wird viele abschrecken, Zivilcourage zu zeigen, wenn man erst darüber nachdenken muss, wie man juristisch belangt werden kann, wenn man das tut oder das tut.
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Re: Zivilcourage - zu feste zugeschlagen

#7

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 26. Feb. 2016, 15:21

@AndreaManuela
Natürlich ist es dem Opfer in so einer Situation völlig egal, wer ihm geholfen hat und warum. Selbst die Staatsanwaltschaft hat Straffreiheit für den Helfer gefordert und da geht das Dilemma in diesem Fall eigentlich schon los. Wer hat denn dafür gesorgt, dass der junge Mann überhaupt erst angeklagt wurde und vor allem: warum? Es wäre sehr hilfreich das Urteil lesen zu können, denn darin steht die genaue und ausführliche Begründung. "Unverhältnismäßigkeit" ist ein recht schwammiger und dehnbarer Begriff, der nun mal in erster Linie auf einer subjektiven Einschätzung und Meinung basiert und selbst juristisch betrachtet, lässt der dem Entscheidungsträger eine Menge Spielraum für seine Beurteilung. Die Richterin hätte nicht zwingend so urteilen müssen. Davon bin ich überzeugt. Und wenn der Helfer in Zukunft nicht mehr negativ auffällt... eine bessere Rehabilitierung kann sich niemand vorstellen.

Was du aufführst, nämlich das "erst gar nicht Tätig werden", ist natürlich das gegenteilige und äußerst negative Extrem zu diesem Fall und leider eher die Regel als die Ausnahme. Das Thema kennt mit Sicherheit jeder von uns und ich darf wohl behaupten und sagen, dass sich jeder schon wenigstens einmal Gedanken darüber gemacht hat, wie man selbst reagieren und agieren würde. Andere haben eine solche Situation vielleicht sogar schon selbst erlebt. Ich selbst musste ein paar mal schlichten, wobei es nie zu brenzligen Situationen kam und angemacht oder provoziert wurde ich auch nie. Aber für mich ist klar, dass ich in dieser Situation auch nicht erst auf die Polizei gewartet hätte. Darüber muss ich erst gar nicht nachdenken und welche rechtlichen Konsequenzen mein Einschreiten hätte, wäre mir erst einmal auch völlig gleichgültig.
AndreaManuela hat geschrieben:Ich finde das Urteil absolut falsch. Es setzt ein falsches Zeichen. Es wird viele abschrecken, Zivilcourage zu zeigen, wenn man erst darüber nachdenken muss, wie man juristisch belangt werden kann, wenn man das tut oder das tut.
Und das ist ein ganz ganz wichtiger Punkt: im Gesetz ist ganz eindeutig und unmissverständlich beschrieben was geschieht, wenn man NICHT hilft und damit ist der Hauptteil bzgl. der Frage nach der Zivilcourage schon mal geklärt.
Der verbleibende und geringst Teil davon ist jener, den jeder für sich entscheiden muss und darf und den auch niemand auf der Welt vorgeben, besser wissen oder unter Zwang stellen kann, auch juristisch nicht. Das wäre die Frage: "WIE helfe ich?".
Wer also aufgrund eines solchen Urteils in einer Notsituation absichtlich die Augen verschließt und sich später darauf beruft, Angst von rechtlichen Konsequenzen gehabt zu haben, der muss sich auch nicht wundern, wenn ihn der dicke Hammer des Gesetzes trifft. Völlig zurecht, wie ich meine.
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