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17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch | Urteil | Freispruch

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sweetdevil31
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17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch | Urteil | Freispruch

#1

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Do, 6. Aug. 2015, 06:07

http://www.bild.de/regional/frankfurt/p ... .bild.html

Vater und Sohn brachten ihre Vermieter um und verließen das Gericht als freie Männer
17 Messerstiche – in Notwehr!

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Den Angeklagten Klaus-Dieter B. (61) und Claus Pierre B. (30) wurde vorgeworfen, in Maintal das Ehepaar Klock umgebracht zu haben

Hanau – Als Richter Peter Grasmück das Urteil spricht, bricht im Zuschauerraum Tumult aus: Freispruch für Claus Pierre (30) und seinen Vater Klaus-Dieter B. (60). Sie haben laut Landgericht das Ehepaar Harry (57) und Sieglinde Klock (57) in Notwehr getötet.

Rückblick 6. Juni 2014: Das Ehepaar sucht seine Untermieter, Vater und Sohn B. auf der „Main River Ranch“, einem verwahrlosten Ponyhof in Maintal, auf, fordert ausstehende Miete – 450 Euro.

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Aufgebracht verlassen Klock-Tochter Nicole R., ihr Mann Vito (m.) und Sohn Stefan den Gerichtssaal nach dem Urteil

Kurz darauf sind Harry und Sieglinde Klock tot, verscharrt unter Pferdemist. Harry Klocks Leiche weist 17 Messerstiche auf, die seiner Frau eine Schusswunde.

Am Tag darauf meldet Tochter Nicole R. ihre Eltern vermisst. Sie bleiben trotz intensiver Suche verschwunden. Allerdings findet die Polizei Blutspuren. Vater und Sohn B. kommen unter Mord-Verdacht in U-Haft.

Erst 4 Monate später führen Claus Pierre und Klaus-Dieter B. die Ermittler zu den Leichen – und berufen sich auf Notwehr. Harry Klock sei mit einem Messer auf Claus Pierre losgegangen, der habe es ihm entwinden können, in Panik zugestochen. Immer wieder.

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Harry Klock (57)

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Sieglinde Klock (57)

Die Schüsse auf Sieglinde seien aus Angst um seinen Sohn gefallen, sagt Klaus-Dieter B.: „Sie hatte ein Beil.“ Da habe er die Pistole, die er aus Angst vor den Klocks besorgt habe, aus einem Eimer geholt: „Hört auf! Ich schieße!“ Erst als sie nicht reagierte, „zuhacken“ wollte, habe er geschossen.

Aussagen, die nicht zu widerlegen sind. Und sich mit der Spurenlage vereinbaren lassen. Deshalb der Freispruch. Richter Grasmück betont: „Dass die beiden 2 Menschen getötet haben, ist völlig klar.“ Aber: „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten.“

Die Angehörigen können das nicht akzeptieren: „Das sind Mörder!“, brüllt Schwiegersohn Vito R., schlägt gegen die Trennscheibe des Zuschauerraumes.

Ein Freund zerrt ihn aus dem Saal. Tochter Nicole R. (29) verlässt schluchzend ihren Nebenkläger-Platz: „Ich tu mir das nicht mehr an.“

Richter Grasmück: „Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Claus Pierre und Klaus-Dieter B. sind für die erlittene Untersuchungshaft vom 8. Juni 2014 bis 5. August 2015 zu entschädigen.“

Der Vorsitzende, seine Richter-Kollegen, Schöffen und Verteidiger werden nach dem Urteilsspruch unter Polizeischutz aus dem Gerichts-Hinterausgang gebracht. Vito R. hatte Wachtmeistern zornbebend zugerufen: „Lasst die Anwälte bitte nicht vorne rauskommen.“
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Zuletzt geändert von Gast am Mi, 8. Jun. 2016, 15:55, insgesamt 1-mal geändert.



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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 6. Aug. 2015, 08:21

Erst 4 Monate später führen Claus Pierre und Klaus-Dieter B. die Ermittler zu den Leichen
... die sie unter Pferdemist verscharrten und dann berufen die sich auf Notwehr und Nothilfe.
Und das da jemand 17 x zustechen muss um seinen Kontrahenten zu stoppen und der andere mal eben eine Pistole aus dem Hut zaubert, scheint auch völlig normal zu sein. Ich kann nur spekulieren, weil ich die Spurenlage nicht kenne, aber Fehlurteile gibt es auch in die andere Richtung.

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Die erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Dr. Graßmück (m.). Bild
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch

#3

Ungelesener Beitrag von AndreaManuela » Do, 6. Aug. 2015, 10:49

Unfassbar! Einmal, vielleicht zweimal, in Notwehr zustechen - gut, dreimal lasse ich auch noch gelten... Aber 17 Mal??
In dubio pro reo? Wo bitte, sind den die Zweifel?

Das ist jetzt aber nicht eine deutsche Übersetzung eines Verfahrens aus einem korrupten südamerikanischen Land, oder?

Ja, man müsste mehr über die Spurenlage erfahren. Gibt es z. B. Fingerabdrücke des Toten auf dem Messer? Gibt es Fingerabdrücke auf dem Beil (von der toten Frau)? Ist überhaupt ein Beil da?

Wird es eine Revision geben?
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch

#4

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Fr, 7. Aug. 2015, 04:59

http://www.bild.de/regional/frankfurt/l ... .bild.html

Das Notwehr-Urteil, über das Deutschland diskutiert
So begründet der Richter den irren Freispruch


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Der Vorsitzende Richter Dr. Peter Grasmück sprach das Hammer-Urteil. Er sprach Klaus-Dieter B. (60) und Sohn Claus Pierre (30) frei

Hanau – Notwehr mit 17 Messerstichen, wie geht das?

In Hanau gab's Freispruch für Claus Pierre (30) und seinen Vater Klaus-Dieter B. (60), die in Maintal ihre Vermieter Harry (57) und Sieglinde (57) Klock töteten.

Im Streit um die Miete (900 Euro/Monat) für ihre Unterkunft in einer Holzbaracke auf dem Gelände der „Main River Ranch“ in Maintal (zwischen Hanau und Frankfurt) hatte Claus Pierre B. Baggerführer Harry Klock am 6. Juni 2014 mit 17 Messerstichen getötet. Sein Vater Klaus-Dieter (60) schoss zwei Mal auf Harrys Frau Sieglinde

Eine Kugel traf, zerfetzte ihre Nackenwirbel. Danach verscharrten die beiden die Leichen erst unter einem Sandhaufen, dann unter einem Haufen Pferdemist auf dem Gelände der „Ranch“. Vier Monate später führten sie die Polizei zu den Toten.

Dann der Prozess – und das Hammer-Urteil: Freispruch!

In seiner fast zwei Stunden dauernden mündlichen Urteilsbegründung erklärte Schwurgerichtskammer-Vorsitzenden Dr. Peter Grasmück die Freisprüche so: „Wenn wir jemanden verurteilen, müssen wir einen Sachverhalt zweifelsfrei feststellen.“

Da es aber keine Zeugen gab, habe sich die Kammer nur auf die Aussagen der Angeklagten und die Auswertung der Spurenlage – etwa Blutspritzer, Obduktionsergebnisse – stützen müssen. Und diese „sprechen nicht gegen die Aussagen der Angeklagten.“

Deshalb gelte: „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Wir als Gesellschaft müssen es eher hinnehmen, dass jemand fälschlicherweise nicht in Haft kommt, als dass er fälschlicherweise verurteilt wird. Das wäre unerträglich.“

Warum auch 17 Stiche eine Notwehr aus Sicht des Gerichts nicht ausschließen: „Die ersten Stiche waren als Notwehr gerechtfertigt um Gefahr für das eigene Leben abzuwenden.“

Die zwölf Stiche, die dem vermutlich schon toten Harry Klock zugefügt wurden, passierten laut psychiatrischem Gutachten mechanisch, durch eine „schwere affektive Erschütterung.“

Sprich: Claus Pierre B. war durch den Kampf mit seinem Opfer und die vorangegangenen Streitigkeiten so erregt, dass er nicht mehr wusste, was er tat und somit schuldunfähig war.

Bei Vater Klaus-Dieter B. sei der Fall klarer: „Er handelte in Nothilfe um seinen Sohn vor einem Angriff der Sieglinde Klock mit einem Beil zu schützen. Zuvor hatte er versucht, sie an den Haaren von ihm wegzureißen. Das war nicht erfolgreich, er hatte nur einen Büschel Haare in der Hand. Außerdem hat er nach seiner Aussage gerufen: ,Hört auf! Ich schieße!’“

Richter Grasmück sieht auch in Ort und Zeit der Tat entlastende Aspekte für Claus Pierre und Klaus-Dieter B.: „Beide Angeklagten sind laut Gutachten durchschnittlich intelligent, es liegt keine hirnorganische oder psychische Erkrankung vor. Sie sind also ganz normale Leute, auch wenn ihre Art zu leben für viele seltsam sein mag. Deshalb sprechen die Umstände der Tat gegen eine Planung. Dafür war es zu dilettantisch. Die Tat geschah gegen 13.30 Uhr auf einem gut einsehbaren Gelände, an dem immer damit gerechnet werden muss, dass Zeugen vorbeikommen. Wer einen Mord plant, geht dieses Risiko nicht ein."
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch

#5

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Fr, 7. Aug. 2015, 12:02

Erst Freispruch, dann Polizei-Schutz für Killer!

Jetzt stehen jedem der Männer 10 600 Euro Schadenersatz zu (25 Euro pro Tag für 424 Tage U-Haft) – und Polizeischutz bekommen sie auch. Angehörige hatten noch im Gerichtssaal gerufen: „Das sind Mörder.“

Der Richter sah das anders, weil er keine eindeutigen Beweise für eine Mordabsicht hatte: „Wir als Gesellschaft müssen es eher hinnehmen, dass jemand fälschlicherweise nicht in Haft kommt, als dass er fälschlicherweise verurteilt wird.“

Die freigesprochenen Männer sollen sich nun in einem geheimen Haus auf dem Land aufhalten – und werden nach BILD-Informationen von Elitepolizisten bewacht.

Das Staatsanwalt hat Berufung angekündigt. Außerdem drohen den beiden weitere Verfahren: wegen Störung der Totenruhe (sie hatten das tote Paar vier Monate lang unter einem Haufen Pferdemist versteckt) und illegalen Besitzes einer Pistole.

Diese Verfahren dürften mit Bewährungsstrafen enden …


Mehr bei...
http://www.bild.de/news/inland/freispru ... .bild.html
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch | Urteil | Freispruch

#6

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Mi, 25. Jan. 2017, 18:48

Getötetes Ehepaar: Bundesrichter prüfen Freisprüche

25.01.2017, 16:59 Uhr
Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe prüft, ob der Prozess um ein getötetes Ehepaar in Maintal neu aufgerollt wird.
Ein Vater und sein Sohn waren im August 2015 in Hanau vom Vorwurf des Mordes beziehungsweise des Totschlags freigesprochen worden. Ob es bei den Freisprüchen bleibt, wird der zuständige BGH-Senat am kommenden Mittwoch (1.2.) verkünden, wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch in Karlsruhe sagte. Zuvor hatte der private Rundfunksender FFH darüber berichtet.

Die beiden Angeklagten hatten damals zwar eingeräumt, das Ehepaar im Streit um Mietschulden auf einem Reiterhof in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) getötet zu haben, beriefen sich aber auf Notwehr. Diese Version sah das Landgericht Hanau als nicht widerlegbar an. Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage Rechtsmittel angekündigt. Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt.
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch | Urteil | Freispruch

#7

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 26. Jan. 2017, 02:04

Jetzt bleibt zu hoffen, dass der BGH das Urteil aufhebt und die beiden wegen dem verurteilt werden, was sie auch getan haben. Es war Mord und versuchter Mord. Nichts anderes.
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Re: 17 Messerstiche – in Notwehr! Freispruch | Urteil | Freispruch

#8

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Mi, 1. Feb. 2017, 17:05

BGH hebt Freisprüche im Fall eines getöteten Ehepaars auf

01.02.2017, 16:49 Uhr
Der Bundesgerichtshof hat die Freisprüche in einem Prozess um ein getötetes Ehepaar in Maintal bei Hanau aufgehoben.
Der Fall müsse von einer anderen Kammer des Landgerichts Hanau neu verhandelt werden, entschied der 2. Strafsenat am Mittwoch in Karlsruhe. Das Urteil des Landgerichts weise Lücken, Ungenauigkeiten und missverständliche Formulierungen auf, sagte der Vorsitzende Richter.

Ein Vater und sein Sohn hatten zugegeben, im Juni 2014 ihre Vermieter im Streit ums Geld auf einem Reiterhof getötet zu haben. Sie beriefen sich aber auf Notwehr. Das Landgericht Hanau hatte die beiden deshalb im August 2015 freigesprochen. Ursprünglich waren sie wegen Mordes und Totschlags angeklagt worden. Nach den Freisprüchen war es in Hanau zu Tumulten im Gerichtssaal gekommen.
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