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Augsburg: Hebamme missbraucht eigene Kinder

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sweetdevil31
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Augsburg: Hebamme missbraucht eigene Kinder

#1

Ungelesener Beitrag von sweetdevil31 » Di, 25. Aug. 2015, 09:57

Dieser Fall ist zwar von Februar diesen Jahres...aber man sollte ihn gelesen haben :(

Augsburg - Hebamme missbraucht eigene Kinder: Über drei Jahre Haft

Eine 37-jährige Frau, die ihre Kinder missbraucht hatte, erhält ein vergleichsweise mildes Urteil. „Sie wollte ihren Kindern etwas Gutes tun“, sagte der Gutachter.

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Die Hebamme, die ihre eigenen Kinder missbraucht hat, schämt sich für ihre Taten. Sie hatte sich beeinflussen lassen. Symbolbild

Das Urteil, da waren sich Zuhörer schon nach den Plädoyers sicher, wird nur verstehen, wer selbst im Prozess gewesen ist. Fünf Tage stand eine Mutter vor Gericht, von der Staatsanwaltschaft des schweren sexuellen Missbrauchs an zwei ihrer drei Kinder sowie wegen Besitz und Verbreitung pornografischer Bilder angeklagt. Ihr einziges Motiv, das nimmt ihr am Ende der Verhandlung sogar Gutachter Richard Gruber ab: Sie wollte, wie sie sagt, ihren Kindern „etwas Gutes tun“. Sie sollten, anders als sie es selbst erfahren hat, frühzeitig den eigenen Körper, ihre Gefühle kennenlernen.

Am Freitag hat die Jugendkammer des Landgerichts viel Verständnis für die geständige Angeklagte aufgebracht und ein mildes Urteil verhängt. Die 37-Jährige, bis zu ihrer Verhaftung als Hebamme tätig, muss nur für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Staatsanwältin Julia Keilbach hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten beantragt. Für die Angeklagte (Verteidiger: Werner Ruisinger) hätte es viel schlimmer kommen können. Nach dem Strafgesetz wäre eine Strafe bis zu elf Jahren möglich gewesen.

Doch schon die Anklägerin hatte in ihrem Plädoyer fast mehr Zeit darauf verwendet, was für die Angeklagte spricht. Ähnlich sah es das Gericht im Urteil. Der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch machte einleitend deutlich, dass der Justiz Grenzen gesetzt sind, wenn sie herausfinden soll, was in einem Täter vorgeht. Die menschliche Seele habe zu viele Facetten und Abgründe. Das Gericht gestand der Angeklagten zu, ein „liebevolle Mutter“ zu sein. Umso unverständlicher sei es, dass sie sich zu Taten habe anstiften lassen, die dem gesamten Wertesystem widersprechen.

Die Angeklagte hatte in ihrem Schlusswort versichert: „Ich schäme mich sehr.“ Sie werde jede Strafe akzeptieren. Im Januar und März 2014 sind es sechs Wochen, welche die Welt der Augsburgerin und ihrer Familie auf den Kopf stellen sollten.

Die Hebamme, seit zehn Jahren mit einem Afrikaner verheiratet, fühlt sich schon länger mit Beruf, Haushalt und den Kindern – zwei schulpflichtigen Mädchen, ein Baby – überfordert. Abends ist sie viel im Internet unterwegs, tauscht sich über Facebook mit Müttern und Schwangeren aus. Eine „Nicole“, eine „Elke-Marie“ und ein „Jens“, der sich als alleinerziehender Vater vorstellt, suchen Kontakt zu ihr.

Drei Facebook-Freunde stachelten sie im Chat an

Was die Hebamme nicht ahnt, bei ihren neuen Facebook-Freunden handelt es sich um ein und dieselbe Person: einen 26 Jahre alten Mann, kinderlos, der mit seinen Eltern auf dem Bauernhof bei Bielefeld lebt. Seit 2010 laufen gegen ihn Ermittlungen wegen verschiedener Sexualdelikte. Sein Prozess wird im März sein. Dem 26-Jährigen droht Sicherungsverwahrung.

In Internet-Chats der „Drei“ war es bald nur noch um das Thema Selbstbefriedigung bei Kleinkindern gegangen. „Jens“ berichtete, was er angeblich bei seinem neunjährigen Sohn beobachtet hatte. Es gelingt ihm, die Angeklagte so weit zu bringen, dass sie bei ihrer siebenjährigen Tochter selbst Hand anlegt, dem Mädchen zeigt, was ein Orgasmus ist. Kommen der Mutter Zweifel, wird sie von „Nicole“ und „Elke-Marie“ in ihrem Tun bestärkt.

Sechsmal missbraucht die 37-Jährige zwei ihrer Kinder. Bei ihrem einjährigen Sohn bemüht sie sich vergeblich, ihm zu einer Erektion zu verhelfen. Ihm ist die Milchflasche, die er gerade trinkt, wichtiger. Alle Handlungen sind durch Aufnahmen mit der Handykamera dokumentiert. „Jens“ hatte sie verlangt, um die Angeklagte besser beraten zu können.

Die 37-Jährige ist mehrmals gutachterlich untersucht worden. Für Richard Gruber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, hat die Angeklagte zu „Jens“, obwohl sie ihn nie persönlich kennengelernt hat, eine Hörigkeit entwickelt. Strafrechtlich sei sie daher vermindert schuldfähig.

Laut Gutachten ist die 37-Jährige hochintelligent

Laut Gutachten ist die 37-Jährige hochintelligent, verfügt aber trotzdem über geringes Selbstvertrauen, ist leicht zu beeinflussen. Zeugen schilderten die Angeklagte als außergewöhnlich naiv und „in Liebesdingen geradezu blind“. Mit 17 geht sie ein Verhältnis mit einem Iraner ein, sein Teppichgeschäft liegt auf ihrem Schulweg.

Er ist mehr als doppelt so alt, verheiratet. Bis sie eines Tages vor seiner Gewalt aus der Wohnung flieht. Danach geht sie eine Beziehung mit einem Algerier ein, tritt zum Islam über, trägt eine Zeit lang Kopftuch und Burka. Die Angeklagte, so auch der Eindruck von Staatsanwältin Keilbach, „hat das ganze Leben Halt und Orientierung gesucht“. Gutachter Gruber rät der Angeklagten, sich auf eine mehrjährige Therapie einzulassen. Um lebenstüchtig zu werden. Den Beruf einer Hebamme wird sie ohnehin nie mehr ausüben können. Und was das Sorgerecht für ihre Kinder betrifft, wird das Jugendamt ein gewichtiges Wort mitzureden haben.

Augsburger Allgemeine
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