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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

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DiegoTristan
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#31

Ungelesener Beitrag von DiegoTristan » Mo, 10. Sep. 2018, 20:36

Ein Bericht zum 11. Verhandlungstag (13.7.2018):
Fall Johanna: Missbrauch nicht mehr nachweisbar

Die Frage, ob der Angeklagte Rick J. 1999 die damals achtjährige Johanna auch missbraucht hat, bleibt unbeantwortet. Auch ein Forensik-Experte konnte kein Licht ins Dunkel bringen.

Hat Rick J. Johanna Bohnacker missbraucht, weshalb ihre Leiche nackt im Wald abgelegt wurde? Oder lassen sich die Fundumstände der Bekleidungsreste sowie das Fehlen ihrer Unterwäsche völlig anders erklären?

Eindeutige Antworten auf diese für den Prozess essenziellen Fragen blieb am Freitag am Gießener Landgericht ein forensischer Experte schuldig.

Forschungen zur Leichenliegezeitbestimmung betreibt in Deutschland die Abteilung Forensische Biologie am Institut für Rechtsmedizin des Universitäts-Klinikums Frankfurt.

Unterwäsche fehlte

Ein Ergebnis: Von Johanna Bohnackers Leiche, Anfang September 1999 im Wald bei Alsfeld abgelegt, dürfte nach nur 30 Tagen fast nichts mehr übrig gewesen sein.

Privatdozent Dr. Jens Amendt, Experte für forensische Insektenkunde am rechtsmedizinischen Institut in Frankfurt, ist ein gefragter Spezialist, der gestern am Gießener Landgericht als Sachverständiger gehört wurde.

Im Fokus des Interesses stand die Frage, ob sich aus der Situation am Fundort von Johannas Leiche Rückschlüsse auf deren Bekleidungszustand zum Zeitpunkt des Ablegens ziehen ließen.

Zur Erinnerung: Bei Auffinden der Leichenteile sieben Monate nach ihrem Tod lagen Überreste ihrer Jeans und ihres T-Shirts 30 bis 40 Meter entfernt, während die Unterwäsche vollständig fehlte.

Hoffnungen zerschlagen

Daraus leitete die Nebenklage die Vermutung ab, Johannas Leiche und ihre Oberbekleidung seien getrennt abgelegt worden, Johanna also zu diesem Zeitpunkt nackt gewesen. Dies wiederum hätte ein Indiz für einen sexuellen Missbrauch des Mädchens sein können.

Nach der Aussage von Dr. Amendt hatten sich die Hoffnungen auf Klärung dieser Fragen allerdings zerschlagen. 1999 sei es bis in den Oktober hinein warm und sonnig gewesen, führte der Experte aus – beste Bedingung für all jene Insekten, die tote Körper sofort wittern und als Brutplatz nutzen. Kleintiere, Vögel und Wildschweine täten dann ein Übriges.

Nach 30 Tagen vollständig zersetzt

Amendts Fazit: Unter den gegebenen klimatischen Bedingungen sei ein menschlicher Körper nach etwa 30 Tage vollständig zersetzt. Mit anderen Worten: Dass überhaupt noch Teile von Johannas Skelett gefunden wurden, ist Glück und Zufall zu verdanken.

Nichts Ungewöhnliches vermochte der Wissenschaftler in der Distanz zwischen Johannas Schädel und den Bekleidungsresten zu sehen. Es wäre völlig normal, wenn Wildschweine Beute oder Beuteteile über längere Strecken zerrten, um sich in Ruhe mit ihnen zu beschäftigen.

Gummistiefel spurlos verschwunden

So könnte auch ein Schuh – einer der beiden Gummistiefel der Achtjährigen ist bis heute nicht aufgetaucht – unauffindbar vom Fundort der Leiche entfernt worden sein. Beweisen lasse sich dies aber nicht.

Bezüglich der Unterwäsche vermochte der Experte ebenfalls keine eindeutige Auskunft zu geben: Es könne (müsse aber nicht) sein, dass Johannas Unterwäsche infolge des Wildfraßes völlig verschwunden sei.

Fazit des kurzen Verhandlungstages: Weder sieht sich die Anklage in ihrem Vorwurf bestätigt, Rick J. habe Johanna missbraucht, bevor er die Leiche im Wald ablegte, noch wird die Version des Angeklagten gestützt, er habe Johanna – von der Entführung und diversen Fesselungsvorgängen abgesehen – nicht angerührt. Der nächste Verhandlungstag ist für den 8. August angesetzt.
Link zum Bericht aus der Gießener Allgemeinen: https://www.giessener-allgemeine.de/reg ... 189,458497
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#32

Ungelesener Beitrag von Salva » Mi, 12. Sep. 2018, 20:00

Offenbar geriet seine Strategie ins Wanken, bloß nicht als sexuell motivierter Kindermörder entlarvt zu werden. Weil auch er weiß, dass seine Haftstrafe dann von langer Dauer sein wird.
Der Angeklagte hat eine mords Angst, dass er in den Maßregelvollzug muss und da gehört er auch hin! Vielleicht war der Mord an Johanna sein einziges Tötungsdelikt. Dass es aber nur zwei Fälle von Kindesmissbrauch in seinem Leben gegeben haben soll, glaube ich jedoch nicht. Typen mit derartigen Neigungen hören nämlich erst dann auf, wenn sie erwischt werden.
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#33

Ungelesener Beitrag von DiegoTristan » So, 16. Sep. 2018, 21:56

Salva schrieb:
Der Angeklagte hat eine mords Angst, dass er in den Maßregelvollzug muss und da gehört er auch hin!
In dem ersten der beiden Texte, die ich am Mi, 27. Jun. 2018, 01:10 gepostet hatte, steht aber:
Nach dem Absitzen einer Haftstrafe, die bis zu 20 Jahre ausfallen könnte, wird der Mann trotzdem nicht in Sicherungsverwahrung genommen, wie Staatsanwalt Hauburger am Rande wissen ließ. Das Gesetz lasse dies nicht zu, sondern nur in Fällen, in denen mindestens zwei gleich gelagerte Taten die Grundlage des Urteils sind. Der brutale und schreckliche Fall Johanna reicht dazu nicht aus.
In Sicherungsverwahrung wird er also jedenfalls schon mal nicht kommen (Maßregelvollzug ist nicht das gleiche wie Sicherungsverwahrung, das ist mir klar).


Ein Bericht zum 12. Verhandlungstag (8.8.2018):

Die vertane Chance mit "Spur 203/560"

Johanna Bohnacker wurde 1999 entführt, gefesselt, getötet. Warum der mutmaßliche Mörder der Achtjährigen erst jetzt angeklagt ist, offenbart der Auftritt des damaligen Soko-Leiters vor Gericht.

18 Jahre lang lebte Rick J. mit dem Geheimnis, für den Tod der 1999 entführten Johanna Bohnacker verantwortlich zu sein. Er hat zugegeben, das achtjährige Mädchen am 2. September 1999 an einem Sportplatz im hessischen Ranstadt-Bobenhausen im Wetteraukreis entführt und gefesselt zu haben. Rick J. behauptet, Johanna sei durch einen Schlag auf die Nase gestorben. Ermordet aber habe er sie nicht. Ihr Tod sei ein Unfall gewesen.

Der 42-Jährige trägt auch an diesem Verhandlungstag vor dem Landgericht Gießen sein weinrotes Kurzarmhemd, die viel zu lange Hose hochgekrempelt und die schulterlangen Haare offen. Wie immer hält er den Kugelschreiber für Notizen bereit.

Aber er schreibt kaum mit, dabei ist es ein äußerst relevanter Tag für ihn: Eine Sachverständige des hessischen Landeskriminalamtes stellt ihr Gutachten zu Textilfaserspuren vor, die sie untersucht hat.

Johannas Mund und Augen waren mit silbernem Panzerband, ihr Kopf zudem in etwa 29 Zügen mit einem 15 Meter langen braunen Paketband verklebt. Johanna erstickte. Staatsanwalt Thomas Hauburger ist davon überzeugt, dass die auffallende Verklebung eine große Rolle in Rick J.s sexuellen Fantasien spielt.

Im August 2016 beobachteten Passanten Rick J. bei "sexuell motivierten Fesselungsspielen" mit einer 14-Jährigen in einem Maisfeld bei Nidda im Wetteraukreis. Rick J. verwendete auffallend viel Klebeband - wie beim Verbrechen an Johanna.

Rick J. streitet einen solchen Fetisch ab: Er sei an jenem Septembertag 1999 auf der Suche nach einem Mädchen gewesen, ja, er habe sich auch an ihm vergehen wollen, ja. Aber Johannas Unfalltod habe seine Pläne zunichte gemacht, er sei nicht über sie hergefallen.

Gutachten widerspricht den Angaben des Angeklagten

Hauburger glaubt ihm nicht. Auch nicht, dass Rick J. das Mädchen angezogen mit dem Paketband gefesselt haben will. Das Gutachten zu den Textilfaserspuren stützt nun die Vermutung des Staatsanwaltes: "Es gab kein Verkleben des Opfers im bekleideten Zustand." Da ist sie wieder, diese erschütternde Vermutung, dass Johanna nackt verklebt und sexuell missbraucht wurde. Nachzuweisen ist sie nicht.

Für Johannas Mutter muss dieser Verhandlungstag in doppelter Hinsicht bedrückend sein. 18 Jahre lang lebten sie und ihre Familie mit der unerträglichen Ungewissheit, was Johanna widerfahren ist und wer sie aus dem Leben riss.

Bei allem Leid und allem Schmerz hätte man ihr zumindest diese lange Verzweiflung ersparen können, wenn man an diesem Tag den damaligen Soko-Leiter im Gericht hört. Karl-Heinz L. war 1999 Leiter des Kommissariats 10, zuständig für Tötungsdelikte. Heute sei er "Kriminalbeamter im Ruhestand", sagt Karl-Heinz L. nicht ohne Stolz.

Stolz scheint der 68-Jährige auch auf die Suchaktionen zu sein, die er im Vermisstenfall Johanna Bohnacker federführend betreute: Nach der Meldung des Vaters habe man Johanna die ganze Nacht gesucht, am nächsten Morgen Wälder durchkämmt, Nachbarn befragt. Eine Woche lang seien 600 bis 700 Beamte im Einsatz gewesen, auch Hubschrauber und Taucher.

Ermittler hatten Rick J. im Visier - stellten die Spur aber zurück

Ein Zeuge, zufällig Kfz-Mechaniker, gab einen entscheidenden Hinweis: Er hatte zum Zeitpunkt von Johannas Verschwinden einen VW Jetta gesehen, mit dem Kennzeichen HG für Hochtaunuskreis/Bad Homburg. Er habe den Zeugen sogar hypnotisieren lassen, sagt Karl-Heinz L. im Gericht. Auch unter Hypnose blieb dieser bei seinen Angaben: VW Jetta, Kennzeichen HG, Farbe braun, Fahrer langhaarig.

Mehr als 590 Jettas waren damals gemeldet. Die, die infrage kamen, wurden überprüft - und so fuhr der Soko-Leiter persönlich mit einem Kollegen zu Rick J. nach Friedrichsdorf. Auf ihn passten drei der Kriterien: Es war die "Spur 203/560".

Der ehemalige Soko-Leiter erinnert sich vor Gericht an eine kleine verdreckte, chaotische Wohnung und einen ungepflegten Bewohner mit langen Haaren. Rick J. habe die beiden Polizeibeamten in die Tiefgarage geführt und ihnen seinen Jetta gezeigt. Die Ermittler schauten in den Kofferraum und vermerkten später auf dem Revier: "Die Spur wird zurückgestellt."

Ein fataler Fehler. Dietmar Kleiner, Anwalt der Familie Bohnacker, erinnert den Soko-Leiter an "Spur 99", die ihm damals vorgelegen haben müsste. Darin stand, dass Rick J. als Sittentäter geführt wurde. "Als ich mit meinem Kollegen Rick J. aufgesucht habe, wusste ich nichts über die Person Rick J." Betretenes Schweigen im Saal. Johannas Mutter schüttelt den Kopf.

"Der könnte es sein!"

Der Kollege, der Karl-Heinz L. damals begleitete, ist auch für diesen Verhandlungstag geladen, erscheint aber nicht vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin verliest ein Attest, wonach ihn die Wiederaufnahme der Ermittlungen im Jahr 2017 traumatisiert habe, seine Vernehmung in der Hauptverhandlung berge die Gefahr einer Retraumatisierung.

Dafür erscheint ein anderer Kriminalhauptkommissar. Er besichtigte mit dem Zeugen, dem Kfz-Mechaniker, Rick J.s Wagen. Er habe den Jetta gesehen und sofort den Impuls gehabt: "Der könnte es sein!", sagt der Beamte. Ein Impuls, den der Zeuge nicht gehabt habe. Wegen der Farbe habe der Mechaniker dieses Modell kategorisch ausgeschlossen. Rick J.s Jetta hatte eine besondere Metallic-Lackierung. Je nach Lichteinfall wirkte die Farbe anders.

Wer denn damals entschieden habe, ob Rick J. und sein Fahrzeug "eine heiße oder kalte Spur" seien, will Staatsanwalt Hauburger von dem Kommissar wissen. Die Farbe habe nicht gepasst, antwortet der Ermittler. Er vermute, dass das "das entscheidende Kriterium" gewesen sei, die Spur zurückzustellen. Dass Rick J. jedoch "als Sittentäter bereits auffällig geworden war", sagt der Beamte, "das habe ich gewusst."
Link zum Bericht aus dem Spiegel: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/g ... 22229.html
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#34

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 17. Sep. 2018, 22:26

@DiegoTristan

Maßregelvollzug heißt, der verurteilte "Patient" landet in einer Klinik für Forensische Psychiatrie. Die gesetzliche Grundlage hierfür:

§ 63 StGB - Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
Bezieht sich auf schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Straftäter, die aufgrund ihrer Erkrankung als für die Allgemeinheit gefährlich gelten und von denen weitere erhebliche Straftaten (Gewaltdelikte, aber auch Sexualdelikte) zu erwarten sind. Diese Maßregel ist unbefristet.
Und vor dem hat der Angeklagte hier schiss.
Nach dem Absitzen einer Haftstrafe, die bis zu 20 Jahre ausfallen könnte, wird der Mann trotzdem nicht in Sicherungsverwahrung genommen, wie Staatsanwalt Hauburger am Rande wissen ließ. Das Gesetz lasse dies nicht zu, sondern nur in Fällen, in denen mindestens zwei gleich gelagerte Taten die Grundlage des Urteils sind. Der brutale und schreckliche Fall Johanna reicht dazu nicht aus.
Der § 66 StGB - Unterbringung in der Sicherungsverwahrung gibt schon ein bisschen mehr her. Z.B.:
Das Gericht ordnet neben der Strafe die Sicherungsverwahrung an, wenn
4. die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Taten ergibt, dass er infolge eines Hanges zu erheblichen Straftaten, namentlich zu solchen, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden, zum Zeitpunkt der Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich ist.
Und das sollte ein Gericht checken (lassen).
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#35

Ungelesener Beitrag von DiegoTristan » Di, 18. Sep. 2018, 23:20

@Salva

Daß
die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Taten ergibt, dass er infolge eines Hanges zu erheblichen Straftaten, namentlich zu solchen, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden, zum Zeitpunkt der Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich ist.
ist doch im Grunde eine Tatsache. Oder etwa nicht? Die Dinge, die in diesem Thread hier nachzulesen sind und sein werden, dürften das eigentlich eindeutig beweisen. Aber scheinbar reicht dieser Punkt nicht aus (wahrscheinlich müssen alle oder mehrere Punkte in dem von dir verlinkten Gesetzestext erfüllt sein - da muß man nochmal drüber nachdenken). Wäre es aber KEINE Tatsache, wie lange könnte man ihn denn dann wegsperren?


Hier ein Bericht zum 13. Verhandlungstag (14.8.2018):
(in der "echten" Gießener Allgemeinen beginnt der ansonsten identische Text mit dem Satz "Als er den Saal betritt, stehen Schweißperlen auf der Stirn von Rick J." Dann kommt "Am Dienstag geht es....")
Zum Wegschauen

Am Dienstag geht es am Gießener Landgericht erstmals seit Prozessauftakt im April nicht darum, dass Rick J. 1999 Johanna Bohnacker entführt, missbraucht und getötet haben soll, sondern um einen ganz anderen Vorwurf: den Besitz von Kinderpornografie.

Einige Prozessbeteiligte wenden den Blick angewidert ab. Rick J. nicht. Er starrt auf den Bildschirm. Stiert regelrecht darauf. Minutenlang. Zu sehen sind Kinder- und Jugendpornos. J. dürfte die Videos und Fotos kennen: Sie waren auf seinem Computer, auf SD-Karten und Festplatten gespeichert.
Verteidiger Uwe Krechel hatte zu Beginn der Verhandlung gesagt: »Die Frage ist, ob wir uns das überhaupt alles anschauen müssen. Wenn er hier verurteilt wird, kann man sich das doch abschminken.« Richterin Regine Enders-Kunze erwiderte: »Na ja, es ist angeklagt.« Bedeutet also: Ja, es muss angeschaut werden. Krechel legte nach: »Mich interessiert dieser ganze Anklagepunkt nicht, mich interessiert, wie er 1999 getickt hat.«
Damals traf sein Mandant in Ranstadt auf Johanna Bohnacker. Er entführte das acht Jahre alte Mädchen. Wenige Stunden später war Johanna tot. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass J. die Schülerin missbraucht und ermordet hat. Rick J. bestreitet das, stellt Johannas Tod als einen Unfall dar. Bislang ging es im Verfahren ausschließlich darum.
Am Dienstag ging es um andere Kinder. Um Kinder, die missbraucht und dabei fotografiert oder gefilmt worden waren. Die Dateien hatte sich J. im Internet beschafft. Die Polizei fand sie bei einer Hausdurchsuchung, nachdem J. vor zwei Jahren bei Sexspielen mit einer damals 14-Jährigen in einem Maisfeld erwischt worden war.

Undankbare Aufgabe

Zwei Ermittler schilderten, wie sie die Dateien – gefunden auf rund zwei Dutzend Datenträgern – sortiert und aufbereitet hatten. Ein Team, bestehend aus zehn Personen der Bereitschaftspolizei Lich, hatte die Aufgabe, die Bilder zu kategorisieren. Danach, ob es sich um Kinder- oder Jugendpornografie handelt, oder »um ein Foto, das für den unbedarften Betrachter vielleicht so aussieht wie Kinderpornografie, aber gar keine ist«, berichtete ein Oberamtsrat. Inhaltlich sei für den Prozess eine Vorauswahl getroffen worden. »Sonst würden wir Weihnachten noch hier sitzen.«
Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung, Nebenklage und Gutachter mussten sich also »nur« Dutzende Bilder und Videos ansehen. Den Zuschauern blieb der Anblick gänzlich erspart: Der große Fernseher im Sitzungssaal war mit der Rückseite zu ihnen gedreht. Dateinamen wie »Young Girl got raped«, also »Junges Mädchen wird vergewaltigt« ließ lediglich erahnen, was sich die Prozessbeteiligten ansehen mussten. Einen Einblick in das Seelenleben von J. dürften sie bekommen haben. Ob die Bilder und Videos seine sexuelle Gesinnung von 1999 widerspiegeln, ist fraglich. Lediglich eine Festplatte könnte aus der damaligen Zeit stammen, alle anderen hat J. dem Herstelldatum der Datenträger nach zu urteilen später angeschafft.
Die Mutter von Johanna, sie tritt im Prozess als Nebenklägerin auf, war nicht zur Verhandlung erschienen. Der Prozess soll am Montag, 3. September, fortgesetzt werden. Dann wird es wieder um die Frage gehen, ob J. Johanna ermordet hat oder nicht.
Link zum Text aus der Gießener Allgemeinen: https://www.giessener-allgemeine.de/reg ... 189,471363
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#36

Ungelesener Beitrag von DiegoTristan » Mi, 19. Sep. 2018, 01:29

Ein Bericht zum vierzehnten Verhandlungstag (3.9.2018):
Fall "Johanna": Polizeiarbeit wirft Fragen auf - Prozess in Gießen

Das Landgericht Gießen befasste sich mit den "Sexspielchen", die zur Verhaftung des Angeklagten geführt hatten. Ein aufmerksamer Jagdpächter hatte den Hinweis gegeben.


BOBENHAUSEN/GIESSEN - Wie hochexplosiv gefährlich der des Mordes Angeklagte im Fall Johanna Bohnacker auch anderweitig war, wurde gestern vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Gießen deutlich, als es darum ging, nähere Umstände jener Vorgänge zu eruieren, die sich im August 2016 in einem Maisfeld bei Nidda ereigneten und letztendlich dazu führten, dass der 42-jährige Friedrichsdorfer dingfest gemacht werden konnte. Denn die vor zwei Jahren ermittelten Spuren führten die Polizei aufgrund neuer Technik zum Fall Johanna, der sich bereits 1999 ereignete. Das Maisfeld bei Borsdorf wurde dem Angeklagten deswegen zum Verhängnis, weil ein aufmerksamer Jagdpächter dieses Terrain einzäunen wollte und zu jener Zeit, Mitte August, die Grenzen abschritt, um einen Überblick über die Größe des Vorhabens zu gewinnen. So schilderte es vor Gericht bei seiner Zeugenaussage ein 50-jähriger Kripo-Hauptkommissar, der mit den Geschehnissen betraut war.

Bei seinem Rundgang vernahm der Jagdpächter aus dem Feld Stimmen eines Mannes und eines Mädchens, was für ihn schon ungewöhnlich genug war, um die Polizei zu informieren, deren Streife dann aber erst nach zwei Stunden eintraf und beim Eindringen ins Feld niemanden mehr antraf, allerdings eine kleine, niedergetretene und mit Heu ausstaffierte Fläche entdeckte. Die Polizei vereinbarte daraufhin mit dem Jagdpächter, sollte sich erneut eine ähnliche Situation ergeben, möge er selbst unter Hinzuziehung möglichst einer weiteren Person nach dem Rechten sehen. Dem so Beauftragten ließ das jedoch keine Ruhe, er wandte sich noch am selben Tag an den Ortslandwirt von Borsdorf, der sich bereit erklärte, wenn es nötig werde, ebenfalls mit ins Feld zu ziehen.

Das wurde nötig. Schon 14 Tage später. Da waren aus dem Feld wieder Stimmen zu vernehmen. Der Ortslandwirt, sein Enkel, ein weiterer Mitpächter sowie der Jagdpächter machten sich zu viert von verschiedenen Seiten des Feldes auf, um die Sache genau zu beleuchten. Was sie auf der kleinen Freifläche inmitten vom Mais sahen, verschlug ihnen die Sprache. Dort entdeckten sie ein Mädchen, das geknebelt und gefesselt war, ihre Arme hinterm Rücken verbunden, der Kopf umwickelt und die Brüste so verschnürt, dass einige Stellen schon blau angelaufen waren. Neben der 14-Jährigen wurde ein Mann gesichtet, der angab, es handele sich hier um "ein Sexspielchen auf freiwilliger Basis".

Den Angaben des Kripomannes zufolge wurde erneut die Büdinger Polizei informiert, doch von dort sei die Angabe erfolgt, eine Streife sei so schnell nicht abkömmlich, man möge doch bitteschön selbst die Personalien der beiden Angetroffenen feststellen. Was jetzt vor Gericht ein mehr als fragwürdiges Bild vom Selbstverständnis der Büdinger Polizeiarbeit aufwarf. Nichtsdestotrotz gelang es dem Jagdpächter, aus dem Rucksack des Mannes eine EC-Card zu holen, die dessen Namen aufwies, was dann der Polizei gemeldet wurde.

Der Hauptkommissar nahm, so schilderte er, kurze Zeit später eine Besichtigung am Ort vor, fand zwei Zigarettenkippen, auf der später die DNA des Beschuldigten und des Mädchens sichergestellt wurde. Außerdem sah sich der Kripo-Mann von einer sichergestellten Kamera Videoaufnahmen der sexuellen Handlungen im Maisfeld an, die der Friedrichsdorfer angefertigt hatte. Die Schlussfolgerung des Zeugen vor Gericht: "Da war der Eindruck von Panik und Todesangst zu erkennen." Die 14-Jährige habe offenbar um ihr Leben gekämpft. Diese Erkenntnisse mit der Sicherstellung des Namens des Beschuldigten waren ganz offensichtlich die Grundlage, warum der Friedrichsdorfer ins Netz ging und mit dem Fall Johanna in Zusammenhang gebracht werden konnte. Wobei das Mädchen aus dem Maisfeld, das zu jenem Zeitpunkt den geistigen Stand einer etwa Zehnjährigen aufwies, für die Beamten zu einer weniger großen Hilfe geriet, weil sie die schrecklichen Geschehnisse einfach verdrängen wollte, aus eigener Scham nicht mal zugab, dass sie es war, die da im Feld zugegen war, wie eine weitere Kripobeamtin aussagte.

Diese Zeugin war später bei der Bildauswertung des umfangreichen Materials, das bei der Hausdurchsuchung des Angeklagten gefunden wurde, in wichtiger Funktion bei der Soko im Einsatz. Der Friedrichsdorfer hatte zahlreiche Kinder ohne deren Wissen gefilmt, aber auch im Netz Kontakte zu jungen Mädchen gesucht mit üblen Aufforderungen, an sich sexuelle Handlungen vorzunehmen. Diese Auswertungen führten dazu, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt vier weitere Ermittlungsverfahren wegen strafbarer Handlungen gegen den Angeklagten anordnete.
Link zum Text aus dem Gießener Anzeiger: https://www.giessener-anzeiger.de/lokal ... n_19041611


Und ein weiterer Bericht zum vierzehnten Verhandlungstag (3.9.2018):
Angeklagter im Fall Johanna: Brutale Fesselspiele mit 14-Jähriger

Drogen, sexuelle Fantasien und der Drang, diese mit möglichst jungen Mädchen auszuleben, bestimmten 25 Jahre lang das Leben von Rick J. aus dem Fall Johanna Bohnacker.

Das Mädchen war gerade 14 Jahre alt, als sie – vermutlich in den ersten Monaten des Jahres 2016 – über Instagram in Kontakt mit Rick J. kam.

Ob unter dessen richtigem Namen oder einer seiner auf jugendlich getrimmten Fake-Identitäten, blieb am gestrigen 14. Verhandlungstag vor dem Gießener Landgericht offen, weil unter anderem die Handy-Chatverläufe des jungen Mädchens aus dieser Zeit nicht mehr überprüfbar waren.

Der 42-Jährige ist wegen der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der achtjährigen Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen im September 1999. Zu seinen Opfern zählt aber auch eine heute 16-Jährige aus Nidda.

Kind aus gescheiterter Beziehung
Aus zig anderen Chatverläufen lassen sich jedoch Inhalte rekonstruieren, über die der damals bereits 40-Jährige vielleicht auch mit ihr gechattet haben könnte: über vorhandene sexuelle Erfahrungen, seinen Wunsch nach Nacktfotos, nach Fotos von Selbstberührungen, nach Fotos beim Toilettengang. Im Mai 2016 war die 14-Jährige vom Vater zur Mutter und deren neuer Familie gezogen.

Von den Social-Media-Kontakten ihrer 14-jährigen Tochter, deren geistige Reife einem amtlichen Gutachten zufolge etwa um vier Jahre hinter ihrem tatsächlichen Alter zurück ist, bekam die Mutter ebenso wenig mit wie von den Treffen, die Rick J. mit dem Mädchen vereinbarte.

Von Radfahrer überrascht
Insgesamt sechs sollen es gewesen sein; zuvor hatte sich Rick J. im Internet über eventuelle juristische Konsequenzen des Geschlechtsverkehrs mit 14-Jährigen informiert.

Beim Schmusen auf einer Wiese wurde das ungleiche Paar von einem Radfahrer überrascht. Die Jugendliche soll daraufhin den Umzug ins angrenzende Maisfeld vorgeschlagen haben.

Am 14. August 2016 jedenfalls hörte der örtliche Jagdpächter, der das Feld zum Schutz gegen Wildschweine einzäunen wollte, Stimmen aus den Maisstauden. Er rief die Polizei in Büdingen, die allerdings erst zwei Stunden später eintraf – zu spät.

Bis zur Blaufärbung abgeschnürt
Zwei Wochen später dieselbe Situation. Auf Rat der Polizei holte sich der Jäger Verstärkung im Ort: ein Landwirt, dessen Enkel und ein weiterer Jäger begleiteten ihn zum Ort des Geschehens.

Auf einer zweieinhalb mal drei Meter großen Fläche, mit Mais und Stroh als Lager ausgepolstert, fanden die vier Männer Rick J. neben dem an Armen und Beinen gefesselten, geknebelten und am Kopf mit Klebeband umwickelten Mädchen.

Ihre Brüste waren bis zur Blaufärbung abgeschnürt – laut Rick J., um ihr den Geschlechtsverkehr, gegen den sie sich beim vorherigen Treffen »immer wieder weggedreht« hatte, angenehmer zu machen.

Vorgänge auf Video dokumentiert
Die 14-Jährige, die den Zeugen noch spontan erklärt hatte, freiwillig mit Rick J. im Feld zu sein, zeigte bei der polizeilichen Vernehmung zwei Wochen später sowie bei folgenden Gesprächen mit Ermittlungsbeamten alle Anzeichen einer schweren Traumatisierung.

An die auf Video dokumentierten Vorgänge im Maisfeld – das Filmmaterial wurde bei einer ersten Durchsuchung von J.s Wohnung in Friedrichsdorf sichergestellt – vermochte sie sich angeblich nicht zu erinnern, leugnete den Kontakt zu ihm, leugnete selbst, sich auf den sichergestellten Selfies zu erkennen.

Vier weitere Ermittlungsverfahren
Ein einziges Mal äußerte sie sich gegenüber einer auf Sexualdelikte spezialisierten Kriminalbeamtin – distanziert in der dritten Person. »Ein Mädchen«, so die Aussage der inzwischen 16-Jährigen, habe im Maisfeld Angst gehabt, »sich bestimmt Scheiße gefühlt«, nicht sagen können, dass er aufhören solle, Schmerzen gefühlt und Dinge erlitten, »die ihr nicht gefallen haben«.

Zwei Freundinnen aus der Schule gaben zu Protokoll, ihre Freundin habe ihnen gegenüber von »einem Mädchen« gesprochen, das »im Maisfeld vergewaltigt« worden sei.

Aus den Auswertungen der diversen Chatverläufe ergaben sich nach Angaben einer Kriminalbeamtin vier weitere Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs gegen Rick J., die derzeit bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt anhängig sind.
Link zum Text aus der Wetterauer Zeitung: https://www.wetterauer-zeitung.de/regio ... 189,480739
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#37

Ungelesener Beitrag von DiegoTristan » Mi, 19. Sep. 2018, 01:49

Ein Bericht 15. Verhandlungstag (7.9.2018):
Fall Johanna: Abgründe hinter der Fassade des Angeklagten

Der 15. Verhandlungstag im »Fall Johanna« gibt weitere Einblicke in die Abgründe hinter Rick J.’s Fassade. Jugendlichen soll er absichtlich Überdosen LSD gegeben haben.

Einziger Erwachsener, der mit kleinen Kindern im Planschbecken des Eschersheimer Freibads sitzt; impotenter Sexbesessener bei unterschiedlichsten Analpraktiken mit einer durch Fesselung wehrlosen, teilweise vor Schmerzen wimmernden Frau; dämonisch grinsender Dealer, der naive, noch minderjährige Schüler mit LSD-Überdosen auf lebenslang prägende Horrortrips schickt – dem Bild des Psychopathen, das seit Monaten im Landgericht Gießen von Rick J. gezeichnet wird, fügten Zeugen am gestrigen 15. Verhandlungstag weitere verfeinernde Pinselstriche hinzu.

Drei Jahre vor dem Verschwinden der achtjährigen Johanna im September 1999 lernte ein damals 16-Jähriger, heute selbstständiger Fliesenleger, den vier Jahre älteren Rick J. kennen, der ihm als Dealer empfohlen worden war. Haschisch stand auf der Wunschliste des Schülers und seiner Clique. Beschreibungen von Bekannten zufolge erwartete er einen durchtrainierten hochgewachsenen Kampfsportler und war enttäuscht vom dem, was er vorfand: »eine kleine Kreatur, in der Ecke des Bettes sitzend, mit wirrem, irrem Blick«. Gleichwohl nutzten er und seine Freunde J.’s chaotische Wohnung als Refugium für ungestörtes Kiffen.

Überdosis LSD
Irritiert wurde der heute 38-jährige Zeuge hin und wieder von J.’s Angewohnheit, sich mit Freundin Annette (Name geändert) oder einem der anderen drei Mädchen seines Umfelds nach dem Genuss von Drogen teilweise stundenlang im Bad der Wohnung einzuschließen. Dabei seien auch Schreie zu hören gewesen – ob aus Lust oder Qual ausgestoßen, habe man nicht erkennen können.

Das auf Schwarzlichtwirkung hin ausgestaltete Badezimmer mit den durch fluoreszierende Motive verzierten Wänden spielte auch eine Rolle bei einem Schlüsselerlebnis des Zeugen mit J.: Dieser habe ihn, den unerfahrenen Schüler, neugierig gemacht auf die angeblich belustigende Wirkung von LSD, ihn dann aber gleich sieben Trips auf einmal, in Cola aufgelöst, konsumieren lassen.

Die Folge der Überdosierung beschrieb der Zeuge noch nach zwanzig Jahren mit sichtlicher Erregung als »Höllentrip meines Lebens«, den er nie vergessen könne, Rick J. als grinsenden Dämonen, der sich an dem Zustand des Jugendlichen weidete, ihn in dieser hilflosen und als beängstigend empfundenen Situation mit Genuss vorführte und verspottete, ihn seine Macht spüren ließ.

Junge Leute »auf LSD zu bringen«, sie nachher mit Valium »wieder herunterzuholen«, dann wieder »hochzubringen«, sei J.’s Spezialität gewesen, sexuelle Handlungen mit unter Drogen gesetzten Mädchen eine regelmäßige Folge. Er selbst, so der Zeuge, sei »wie ein geprügelter Hund zu seinem Herrchen« immer wieder zu J. gegangen.

Aufgestaute Wut bei Zeugen
Seinen Bruch mit J. 1998 führte denn auch nicht die LSD-Überdosis herbei. Den Ausschlag gab ein ihn schockierender Fund von Zeitschriften mit Fotos nackter Kinder in J.’s Wohnung während dessen Abwesenheit. Lang aufgetaute Wut brach sich am Ende der Vernehmung Bahn, als der Zeuge J. zum Abschied zurief: »Und dir wünsche ich, dass du in der Hölle schmorst, du Bastard!«

Elf Stunden lang ist eines der Videos, die im Zuge der Ermittlungen gegen J. wegen des »Maisfeld-Falles« bei einer Wohnungsdurchsuchung gefunden worden waren. Es zeigt in zwei von drei stundenlangen Sequenzen unterschiedlichste Analpraktiken, die J. an einer später ermittelten erwachsenen, drogen- und alkoholabhängigen Frau vornahm, während diese gefesselt und zeitweise auch geknebelt war; teilweise wimmerte die Frau und bat darum, aufzuhören.

Im August 2017 war dann auch die Soko Johanna auf J.s Fährte, ließ ihn observieren. Den 29. August verbrachte J. im Freibad in Eschersheim, wo er mal als einziger Erwachsener im Planschbecken bei den kleinen Kindern herumtollte, mal die Rutsche ins Becken herunterrutschte und zwischen den Kindern landete, dann das Becken umrundete, und zwar, wie der Beamte sich erinnerte, »mit suchendem Blick«.
Link zum Text aus der Gießener Allgemeinen: https://www.giessener-allgemeine.de/reg ... 189,483010


Zukünftige Verhandlungstermine im Landgericht Gießen:

• 25.09.2018 um 14:00 Uhr
• 16.10.2018 um 13:30 Uhr
• 18.10.2018 um 09:00 Uhr
• 23.10.2018 um 09:00 Uhr
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1999 | Ranstadt-Bobenhausen| Johanna Bohnacker (8) ermordet l Prozess

#38

Ungelesener Beitrag von Salva » Mi, 19. Sep. 2018, 19:57

@DiegoTristan
DiegoTristan hat geschrieben:Daß

die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Taten ergibt, dass er infolge eines Hanges zu erheblichen Straftaten, namentlich zu solchen, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden, zum Zeitpunkt der Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich ist.

ist doch im Grunde eine Tatsache. Oder etwa nicht? Die Dinge, die in diesem Thread hier nachzulesen sind und sein werden, dürften das eigentlich eindeutig beweisen. Aber scheinbar reicht dieser Punkt nicht aus (wahrscheinlich müssen alle oder mehrere Punkte in dem von dir verlinkten Gesetzestext erfüllt sein - da muß man nochmal drüber nachdenken). Wäre es aber KEINE Tatsache, wie lange könnte man ihn denn dann wegsperren?
Zunächst einmal: es müssen nicht mehrere Punkte aus dem Gesetzestext erfüllt sein, um die SV verhängen zu können. Einer reicht da völlig aus. Wenn es um die Frage der SV geht, sind zunächst die Psychiater mit ihren Gutachten gefragt. Und es werden natürlich die bis dato begangenen Straftaten bewertet plus die Prognosen.

Wie hoch die Haftstrafe des Angeklagten sein könnte, hängt zunächst davon ab, ob er wegen Mord verurteilt werden kann. Und natürlich von seiner Schuldfähigkeit. Da der Missbrauch an Johanna nicht mehr nachgewiesen werden kann, dürfte es für das Gericht nicht einfach sein, ein Mordmerkmal feststellen zu können. Mord wegen Verdeckung einer anderen Straftat (Missbrauch) entfällt schon mal. Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen dürfte ebenfalls kein Thema sein und dass die Tat heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln verübt wurde, muss ich leider bzw. trotz allem auch bezweifeln.
Was bleibt, wäre dann § 212 StGB - Totschlag:
(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.
Wird er wegen Totschlag verurteilt, entfällt auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Meine persönliche Einschätzung derzeit: 8 - 10 Jahre für die Tötung der kleinen Johanna. Maximal.
Meine Hoffnung auf die SV hat sich ja bereits zerschlagen, so dass ich noch den Hauch einer Chance sehe, dass dieser Verbrecher in den Maßregelvollzug muss und dann heißt es: open end!
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