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Doppelmord in Babenhausen - Der Fall Andreas Darsow

Wenn Unschuldige büßen.
Randall Flagg
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#151

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Fr, 13. Mär. 2015, 14:47

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

"Zeugen wegräumen..."

Warum dann erst in die Situation kommen welche zu haben...?

Sorry, hätte ich zitieren sollen.

Gruß



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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#152

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 13. Mär. 2015, 16:02

Randall Flagg hat geschrieben:"Zeugen wegräumen..."
Ah, okay. Kein Problem wegen dem zitieren, wusste nur nicht, was und wen du gemeint hattest ;)

Mir stellt sich auch die Frage mit dem beobachten bzw. ausspionieren:
Wie lange musste ein fremder Täter sein Opfer beobachtet haben, bis er dessen Gewohnheiten gekannt hatte? Und konnte der das ohne aufzufallen tun? Er musste das Haus der Tolls wenigstens 1 Woche ausspioniert haben und zwar rund um die Uhr. Aber von wo aus?
Selbst wenn dem jemand das mit dem Müllraustragen gesteckt hat, konnte er sich dessen sicher sein? Und wer sollte dem das verraten haben? Auch nur jemand, der diese Angewohnheit 100%-ig sicher kannte, also jemand aus der Nachbarschaft.
Irgendwann kam mal die Frage auf, ob AD vielleicht jemanden für die Morde angeheuert haben könnte. Auch das gab es schon oft genug und wäre eine nicht abwegige Möglichkeit. AD konnte so ohne Weiteres den Zeitpunkt und die Umstände bestimmen und die Gewohnheiten und Örtlichkeiten kannte er sowieso. Und es würde dann auch Sinn machen, weshalb der Täter auch die beiden Frauen ausschalten wollte.
Solange ich mich mit dem Fall schon beschäftige, komme ich bzgl. der Frauen auf nur zwei Gründe: Hass oder Rache. Aber weshalb und wofür?
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Randall Flagg
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#153

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Fr, 13. Mär. 2015, 18:08

Andreas soll jemanden angeheuert haben?

Aber dann wäre es doch wohl so, dass er nicht alleine ohne Alibi zu Hause ist, oder?? :-)

Gruß

Nightrider
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#154

Ungelesener Beitrag von Nightrider » Fr, 13. Mär. 2015, 18:15

Also wenn er jemand angeheuert hätte, dann wohl jemanden, den er nicht erst die Bauanleitung für den Schalldämpfer hätte ausdrucken müssen. -;)

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#155

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 13. Mär. 2015, 19:18

@Randall Flagg & @Nightrighter

Dann lest mal bei Allmy nach ;)
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#156

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 13. Mär. 2015, 21:13

@all

ein von Darsow geheuerter Killer scheidet aus aus den Gründen, die nightrider und Randall hier entwickelt haben.

Zu Klaus Tolls Gewohnheiten: Die hat er laut Urteil seit Jahren an den Tag gelegt. Das können unzählige aus seinem Umfeld mitbekommen haben. (Erzählung der Ehefrau "Mein Mann bringt ja nachts immer den Müll raus, da gabs vor Jahren schon mal Ärger" oder gottweißwoher) Der Killer, der nachts eindringen wollte, kann auch schlicht Glück gehabt haben ("Huch, da kommt ja der Typ und macht mir auch noch auf") Also da vermag ich jetzt kein Argument zu sehen. Dann ist es ja immer der Nachbar.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#157

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 14. Mär. 2015, 16:59

Und dennoch muss es ja jemand gewesen sein, wenn es Andreas Darsow nicht war.
Also mir geht es nicht nur darum, ob der Richtige eingefahren ist, sondern wer es sonst gewesen sein könnte und vor allem: warum?? Über den Toll kann man streiten oder nicht, aber die beiden Frauen... warum zur Hölle sollte die jemand killen? Also ich denke mal, das Argument mit der Zeugenbeseitigung zieht nicht so recht, denn die Gefahr entdeckt zu werden ging doch eher von der Nachbarschaft aus.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#158

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Sa, 14. Mär. 2015, 21:52

Salva hat geschrieben:Und dennoch muss es ja jemand gewesen sein, wenn es Andreas Darsow nicht war.
Also mir geht es nicht nur darum, ob der Richtige eingefahren ist, sondern wer es sonst gewesen sein könnte und vor allem: warum?? Über den Toll kann man streiten oder nicht, aber die beiden Frauen... warum zur Hölle sollte die jemand killen? Also ich denke mal, das Argument mit der Zeugenbeseitigung zieht nicht so recht, denn die Gefahr entdeckt zu werden ging doch eher von der Nachbarschaft aus.

Ahoi, Chef

noch einmal: Alle drei zu ermorden machte für jeden Täter bei jeder nur erdenklichen Motivlage Sinn

a) Zeugen beseitigen
b) viel wichtiger noch: Anlaufen der Fahndung verzögern

Besonders b) war denn ja auch - leider - erfolgreich.

Es gibt übrigens noch ein Darsow deutlich entlastendes Indiz (wieviele haben wir? beim 8ten habe ich aufgehört zu zählen!): Der Täter hat keine exorbitante, aber schon eine ziemlich gute Schießleistung an den Tag gelegt; insbesondere, wenn wir an den Eigenbau-Schalldämpfer denken, der ja das Zielen erschwert. Man macht sich da immer falsche Vorstellungen. Nur Chuck Norris und Jesse James treffen, wie sie wollen ;-) Das war schon die Tat eines, der sich mit Waffen auskannte, zumindest mehr als nur einmal geübt haben müsste. Referenzfall Marianne Bachmeier (Lübecker Selbstjustizfall; wäre auch ein Fall für unsere Kategorie "Verbrechen, die Geschichte schrieben"): Die hat, wie der Staatsanwalt später erklärte, eine Schießleistung an den Tag gelegt, die so gut war, dass alle erfahrenen Schützen ihm erklärt haben: Die muss geübt haben. Und zwar nachhaltig. Wir wissen heute: Sie hat geübt, ziemlich massiv (für alle Lübecker: Im Keller ihrer Kneipe "Tipasa"!), und die Tat dürfte geplant gewesen sein. (Für Interessierte: Die Folge "Bachmeier" aus der Reihe "Die grossen Kriminalfälle" gibts auf der Tube, will ich hier jetzt nicht einstellen, weils nur sehr indirekt hierher gehört.) Wo hat Darsow geübt? Wann? Wie oft? Mit Schalldämpfer? So ein Eigenbauschalldämpfer hält nicht so lange, muss er also mehrere hergestellt haben...
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Nightrider
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#159

Ungelesener Beitrag von Nightrider » So, 15. Mär. 2015, 18:15

Das ist doch kein Darsow entlastendes Indiz, das der Täter getroffen hat aus unmittelbarer Nähe.????

Da wäre dann aber ein belastendes Indiz, das Darsow bei der Bundeswehr war, sogar Reservist.
Das alleine belastet ihn genauso, wie ihn Dein Argument entlastet.
Also langsam kommt ja da nur noch die NSA in Verbindung mit der CIA in Frage als Täter.

Also ich bin raus.
Für mich ist das ein geklärter Fall. Der Mann wurde m.E. Zurecht aufgrund der Indizienkette verurteilt.
Für mich sitzt da der Richtige

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#160

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 02:10

Nightrider hat geschrieben:Das ist doch kein Darsow entlastendes Indiz, das der Täter getroffen hat aus unmittelbarer Nähe.????

Da wäre dann aber ein belastendes Indiz, das Darsow bei der Bundeswehr war, sogar Reservist.
Das sehe ich auch so, trotz aller Gegenargumente.
Nicht vergessen: für Herrn Toll waren 6 Schüsse notwendig um ihn umzubringen - einer hat sein Ziel sogar verfehlt - und ich schätze mal, weil es ein "bewegliches" Ziel war. Die beiden Frauen lagen arg- und wehrlos in ihren Betten und selbst da hatte die Tochter noch ungemeines Glück, dass sie den Mordanschlag überlebt hat.
Das alles deutet eben schon auf einen ungeübten Schützen hin, auch wenn AD beim Bund war. Ein Profi war das auf keinen Fall. Schon wegen des seltsamen Schalldämpfers.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#161

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 02:31

pfiffi hat geschrieben:...Es gibt übrigens noch ein Darsow deutlich entlastendes Indiz (wieviele haben wir? beim 8ten habe ich aufgehört zu zählen!)
Das sind Indizien, wie sie die Pro-Darsow-Fraktion jeden einhämmern möchte. Die wichtigsten konnten allerdings nicht entkräftet werden:
Motiv, Alibi, Gelegenheit, Ortskenntnis, Kenntnis über die Gewohnheiten und vor allem der Nutzen, der sich aus dem Tod der Tolls ergab. Die Familie lebt ja heute noch Nebenan und Beschwerden wegen Lärmbelästigung dürfte es auch keine mehr geben.

Und dein Argument bzgl. der Zeugenbeseitigung kann ich dir auch ganz anders auslegen:
Vielleicht hatte AD die Tolls bedroht? Und vielleicht haben sich die Tolls deswegen so isoliert? Und wenn ich mal die Rockergeschichte mit aufgreife... vielleicht suchte er Schutz bei denen und die 30.000 Euro waren für die Aufpasser, nur das AD eben schneller war? Wer sagt uns, dass es nicht so war oder sein könnte? Wenn dem so war, dann hatte AD NOCH einen guten Grund, die beiden Frauen zu töten! Weil die nämlich um die Gefahr wussten, die von AD ausging.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#162

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 16. Mär. 2015, 04:52

Also, ich kann nur sagen: ich habe noch nie eine Waffe inder Hand gehabt und würde eine solche Schützenleistung nicht erbringen können auf Anhieb. (Rückstoß in Rechnung stellen etcetc)
Nightrider hat geschrieben:
Also ich bin raus.
Fänd ich schade.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#163

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Mo, 16. Mär. 2015, 09:11

Wow, seid ihr früh dran :-)

Also ich habe mal bei einem Schützenverein mit verschiedenen Waffen geschossen...
Ich denke, auf die kurze Entfernung bei einem unbeweglichen Ziel, ist es möglich für jemanden der schon mal
irgendwann eine Waffe in der Hand hatte...

Ich habe damals auf 15 Meter (glaube ich) geschossen und auch die Ringe auf Anhieb getroffen. Klar, nicht in die Mitte, aber war ja auch weiter.

Und den Rückstoß musst Du nicht in Rechnung stellen, da ist die Kugel schon weg.

Sieht hier für mich auch so aus, dass der Täter beim ersten Opfer noch nicht so sicher war. Und, wie ja erwähnt, sich das Opfer bewegt hat. Das ist dann deutlich schwerer für ungeübte...

Gruß

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#164

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 10:49

Randall Flagg hat geschrieben:Ich denke, auf die kurze Entfernung bei einem unbeweglichen Ziel, ist es möglich für jemanden der schon mal irgendwann eine Waffe in der Hand hatte...
Auf jeden Fall. Vor meiner Zeit als Soldat kannte ich Waffen wenn überhaupt von der Kirmes her. Als ich später Soldat wurde war ich sehr überrascht, wie leicht die Handhabung einer echten Waffe ist und wie leicht auch das Schießen sein kann. Gerade mit einer Pistole.
Es ist, wie du sagst: bevor man den Rückstoß mitbekommt, ist die Kugel bereits im Ziel. Gerade bei so einer extrem kurzen Distanz. Was den Unterschied zwischen einem geübten und ungeübten Schützen ausmacht ist die Schnelligkeit, mit der man die Waffe wieder unter Kontrolle bringt, zielt und wieder feuert. Und das spiegelt sich auch im Trefferbild bei Herrn Toll wieder.
Was hingegen nicht zu unterschätzen ist, ist die Bereitschaft schießen zu wollen, vor allem auf einen Menschen, und da kommen eben die jahrelange Wut und eine gewisse Ausweglosigkeit mit ins Spiel, die AD mit Sicherheit gehabt hatte. Und das überwindet diese Barriere. Gut möglich, dass der Täter bei der Tochter eine gewisse Hemmung hatte und sie deshalb überleben konnte, denn ein wehr- und bewegungsloses Ziel nicht tödlich zu treffen, hat nicht unbedingt mit Schießfertigkeit zu tun. Der Kopf spielt dabei die größte Rolle und Astrid war durch ihre Behinderung am allerwenigsten Schuld an ihrer Lage. Bestimmt auch aus der Sicht eines Täters, der durchaus Andreas Darsow heißen könnte.
Vielleicht gehört AD zu dieser Sorte Täter, wie sie in anderen Fällen immer so häufig angenommen wird: "Der nette Nachbar von nebenan".
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#165

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 16. Mär. 2015, 11:05

Hallo, Ihr Beiden. Es geht um die Streuung. Je geringer die Streuung, desto erfahrener der Schütze. Unerfrahrene lassen sich da vom Rückstoß leicht irritieren.

Die Stresssituation bei der Tatausführung ist nicht mit der Übungssituation (Sport oder BW) vergleichbar.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#166

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 11:29

pfiffi hat geschrieben:Hallo, Ihr Beiden. Es geht um die Streuung. Je geringer die Streuung, desto erfahrener der Schütze. Unerfrahrene lassen sich da vom Rückstoß leicht irritieren.
Richtig. Und dieser Streuung wirkt man mit Kontrolle entgegen und die wiederum erlangt man durch Übung. Und der Mörder der Tolls war alles andere als geübt.
Die Stresssituation bei der Tatausführung ist nicht mit der Übungssituation (Sport oder BW) vergleichbar.
Auch richtig. Aber offensichtlich überwinden Menschen diese Stresssituation, sonst würde es keine Tötungen mit Schusswaffen geben. Wir wissen alle zu was Menschen fähig sind, wenn sie erst mal ein Motiv haben.
Rufe mal diese Google Suche auf und schau mal nach den Überschriften. Erstaunlich, wieviele Nachbarn ihren Nachbarn und andere erschießen. Auch wegen Ruhestörung.
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Randall Flagg
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#167

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Mo, 16. Mär. 2015, 11:38

Aber im Bezug auf den Stress ist es doch so:

Die Frauen lagen alle ruhig im Bett und haben sich nicht bewegt. Der Täter hatte hier keine Eile und konnte seinen ersten Schuss genau vorbereiten. Damit meine ich vom Hinstellen übers Zielen und Abdrücken. Er hatte da eine weitaus weniger große Stresssituation. Wer weiß wie lange er da stand....?
Ich weiß auch gar nicht, ob genau dokumentiert wurde, wo er genau stand. Also wie weit weg...

Wie war das eigentlich mit dem Schalldämpfer? Hat man Hinweise darauf gefunden, ob der die ganzen Schüsse
auf der Waffe fest geblieben war?

PS: Ist ja Wahnsinn mit dem Link... Hätte ich gar nicht gedacht, dass so viele Nachbarschaftsprobleme mit einem Tod enden...!

Gruß

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#168

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 12:08

Randall Flagg hat geschrieben:Wer weiß wie lange er da stand....?
Ich weiß auch gar nicht, ob genau dokumentiert wurde, wo er genau stand. Also wie weit weg...
Wie lange der dort stand ist nicht bekannt. Es wird ja auch teilweise behauptet, der Täter hätte sich länger im Haus aufgehalten und die Todeszeitpunkte waren ganz andere. Dummerweise hatten die Ermittler versäumt, eben diese Todeszeitpunkte feststellen zu lassen! Unglaublich eigentlich, aber so war's.

Was die Entfernung zu den beiden Frauen bei den Schussabgaben betrifft:
Urteil_Seite-25.jpg
Urteil_Seite-26.jpg
Urteil_Seite-27.jpg
Anhand der gefundenen Bauschaumpartikel muste der Dämpfer noch an der Waffe gewesen sein.
Hätte ich gar nicht gedacht, dass so viele Nachbarschaftsprobleme mit einem Tod enden...!
Dito!
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#169

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Mo, 16. Mär. 2015, 14:14

Du hast Recht, da denkt man doch, dass gehört wie das Amen in der Kirche immer zu den Standard Ermittlungen eines Mordes...

Das da aber auch der zuständige Mediziner nicht mal nachfragt..? Sollte doch wohl normal sein..

Gruß

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#170

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 14:28

Randall Flagg hat geschrieben:Das da aber auch der zuständige Mediziner nicht mal nachfragt..? Sollte doch wohl normal sein..
Vor Gericht wurde der danach gefragt und hat sinngemäß darauf geantwortet, dass es nicht sein Auftrag gewesen wäre. Die Todeszeitpunkte wurden später anhand von Faustformeln ermittelt. Steht im Urteil ab Seite 63 bis 67.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#171

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 16. Mär. 2015, 15:22

@salva wie Dein Urteilsauszug belegt: Schon sehr geringe/keine Streuung. Zweimal jeweils zwei Kopftreffer (in einem Fall offenbar Abwehrreaktion des linken Arms des Opfers). Ich würde das auf Anhieb nicht schaffen; ich müsste üben. Recht gute Schützenleistung also.

Danke für Deinen Link. Wie man sieht: Alles ist vertreten, Lärmstreit, Nebenbuhlerschaft...eines aber ist wichtig und trifft immer zu: Immer gab es in den letzten Monaten Krach und Streit zwischen den Parteien, worum auch immer. Immer war der Streit aktuell.

Hier aber gab es den eigentlichen Streit über 8 Jahre vorher.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#172

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 16. Mär. 2015, 15:22

Randall Flagg hat geschrieben:Du hast Recht, da denkt man doch, dass gehört wie das Amen in der Kirche immer zu den Standard Ermittlungen eines Mordes...

Das da aber auch der zuständige Mediziner nicht mal nachfragt..? Sollte doch wohl normal sein..

Gruß
Natürlich hast Du recht.

In diesem Fall ist so manches nicht normal...
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#173

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Mär. 2015, 20:30

Also wenn der Schütze am Fuß des Bettes steht und den Waffenarm austreckt, dann ist die Mündung der Pistole max. 1 Meter von Ziel entfernt. Was gibt es da groß zu streuen? Und trotzdem hat er es nicht geschafft, Astrid zu töten.

Bei Herrn Toll muss es sogar unter 1 Meter gewesen sein und da hatte der 6 Schüsse abgefeuert und einer ging sogar daneben. Keine Ahnung, was du da an Übung erkennen willst, @pfiffi.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#174

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Di, 17. Mär. 2015, 21:38

salva, @all da kann man verschiedener Meinung sein. Die Streuung bei den beiden Frauen war gering; Klaus Toll dürfte in Bewegung gewesen sein. Marianne Bachmeier hat Grabowski aus einer Entfernung von ca 10 Metern erschossen; Grabowski saß mir dem Rücken zu ihr und hat sich nicht bewegt. Ich glaube, 6 von 8 Schüssen trafen, und das war eine schon ziemlich exzellente Schützenleistung, die darauf hinwies, dass sie geübt haben muss (was sie auch getan hat, wie wir heute wissen; im Prozess wurde das noch bestritten). 5 von 6 bei Klaus Toll trafen, beide Schüse auf die schlafenden/ruhenden Frauen trafen, wobei die Tochter sich ggfls bewegt hat, beide wurden im Gesicht getroffen (dass dier Tochter überlebt hat war extremes Glück). Das ist schon mal nicht schlecht. Ich würde das definitiv nicht bringen, schon gar nicht mit einem beim Zielen störenden Selbstbauschalldämpfer. Der Täter muss zeitnah geübt haben.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#175

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Di, 17. Mär. 2015, 21:43

Ich pack den Beginn der Doku zu Bachmeier mal doch hier rein; es waren sogar nur 6 bis 8 Mater. 2 Fehlschüsse. Dennoch (zu recht!) exzellente Schützenleistung. Gleich zu Beginn der Staatsanwalt. Und dann Hark Bohm:

[video]https://www.youtube.com/watch?v=rc0CPKQvYzk[/video]
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Nightrider
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#176

Ungelesener Beitrag von Nightrider » Mi, 18. Mär. 2015, 23:26

Marianne Bachmeier hatte wohl geübt. Das sagte eine Bekannte später aus.
A.D. hatte seine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolviert. Anschließend Wehrdienst und diverse Ersatzübungen. Also eine Ausbildung an Waffen und anschließend über Jahre regelmäßige Reserveübungen zur Auffrischung.
Ich denke mal man kann davon ausgehen, das A.D. wesentlich öfter in seinem Leben eine Waffe abgefeuert hat, als M. Bachmeier

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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#177

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 19. Mär. 2015, 19:46

@pfiffi
Klar kann man verschiedener Meinung sein. Um Gottes Willen!
Letztendlich wissen wir nicht wie es wirklich abgelaufen ist. War es ein in der Handhabung der Waffe geübter Schütze, der, als es darauf ankam, plötzlich gar nicht mehr so zielsicher war? War es ein ungeübter, der einfach drauf losgeballert hat? Kann auch sein, denn die Entfernungen waren bei keinen der drei Ziele so groß wie das im Fall Bachmeier.
Was mich auch schon immer gewundert hat: warum hat der Täter den Frauen die Pistole nicht gleich an den Kopf gehalten? Die haben doch geschlafen und hätten den Knall gar nicht mehr gehört. Und sicherer wäre das auf jeden Fall gewesen. Aus der Sicht des Täters...
Nightrider hat geschrieben:Ich denke mal man kann davon ausgehen, das A.D. wesentlich öfter in seinem Leben eine Waffe abgefeuert hat, als M. Bachmeier
Das denke ich auch mal.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#178

Ungelesener Beitrag von Salva » Do, 19. Mär. 2015, 20:17

Eine interessante Zusammenfassung, warum Andreas Darsow als Täter ausscheidet. Zwar müsste die schon jeder kennen, der sich intensiver mit dem Fall beschäftigt hat, aber ich finde, die sollte hier nicht fehlen.
Widersprüche im Fall Andreas Darsow.
M. Pootemans Mai 2014

1. Der Schalldämpfer

Ausgangspunkt der gesamten Ermittlungen war, dass die Ermittler überzeugt waren, wegen der am Tatort gefundenen Bauschaumpartikel müsse ein aus einer PET Flasche gebauter Schalldämpfer verwendet worden sein. Woher sie diese Kenntnis gehabt haben wollen, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls ist die Annahme nicht richtig. Man kann nämlich aus allen möglichen Hohlkörpern einen bauschaumgefüllten Schalldämpfer bauen, der genau die gleichen Spuren hinterlassen würde. Das sagt zumindest die „deutsche Koryphäe in Sachen Schalldämpfer“, Martin Erdinger.

Für die Verwendung eines Schalldämpfers aus einer PET Flasche gibt es also nicht den geringsten Hinweis. Es können ebenso zahlreiche andere Hohlkörper verwendet worden sein.

Doch geleitet von ihrer keineswegs erwiesenen Annahme gingen die Ermittler im nächsten Schritt davon aus, dass der Mörder sich die Bauanleitung von der Internetseite silencer.ch geholt haben muss. Auch das trifft aber nicht zu. Denn selbst wenn er eine PET Flasche verwendet hat, muss der Täter diese Kenntnis keineswegs von dieser Internetseite haben. In Waffenkreisen scheint dass nämlich eine ganz bekannte Methode zu sein. Es wurden in der Schweiz sogar sogenannte PET-Adapter aus Aluminium frei verkauft, mithilfe derer man sich eine PET Flasche auf eine Waffe montieren konnte. Dass das „Geheimnis“ also unbedingt auf dieser Seite zu finden sein musste ist falsch.

Doch diese angebliche Gewissheit führt dann zu dem dritten Fehlschluss, dass derjenige, der die Bauanleitung von dieser Seite ausgedruckt hat, auch der Mörder sein muss. Selbst wenn der Mörder eine PET Flasche verwendet hat und selbst wenn er wirklich die Bauanleitung von dieser Schweizer Webseite hatte, was beides lediglich eine Hypothese ist, ist das noch immer kein Schuldbeweis zu Lasten des Angeklagten. Denn allein im Umkreis von Babenhausen wurden in einem eng begrenzten Zeitraum 274 Zugriffe auf diese Seite registriert, hätte man den Zeitraum und den Radius erweitert wären vermutlich zigtausende User ermittelt worden. Das Frankfurter Rotlichtmilieu ist ganze 32 km vom Tatort entfernt. Im Großraum Frankfurt/Wiesbaden/Aschaffenburg leben mehrere Millionen Menschen. Es kann überhaupt nicht ausgeschlossen werden, dass sich darunter jemand befand, der ein Mordmotiv hatte. Andere Quellen und Webseiten, die womöglich auch eine ähnliche Bauanleitung enthielten, wurden erst gar nicht überprüft.

Die Annahme, dass derjenige, der die Bauanleitung von dieser Seite ausgedruckt hat, auch der Mörder sein muss ist falsch. Es gab zahllose andere Zugriffe auf diese Seite.
Die Anklage geht am Ende dann davon aus, dass es nur Andreas Darsow gewesen sein kann, der diese Anleitung angesehen und ausgedruckt hat. IT Experten können aber nicht ausschließen, dass es unter der IP Adresse der Firma auch ein anderer Mitarbeiter gewesen sein könnte.

Aber selbst wenn man im Sinne des Urteils als erwiesen ansehen würde, dass sich tatsächlich Andreas Darsow selber diese Seite angesehen und ausgedruckt hat, wäre das zwar ein schwerwiegendes Indiz, aber noch lange kein überzeugender Beweis für seine Schuld. Auch sein Leugnen wäre es dann nicht. Denn wenn er es erst einmal aus Angst, auch gegenüber seiner Frau abgestritten hatte, konnte er später natürlich nicht mehr hinter seine erste Aussage zurück, ohne sich noch mehr zu belasten.

Das Faktum, dass wenige Wochen vor dem Mord an seinen Nachbarn jemand ausgerechnet von Andreas Darsows Rechner nach einen Schalldämpfer ähnlicher Bauart gesurft hat, wie er bei der Tat verwendet wurde, wirft Fragen auf. Ein Schuldbeweis ist es nicht.

2. Die Schmauchspuren

Es wurden an Andreas Darsows alter Bundeswehrhose und einem Pulsmesser geringe Mengen Schmauchspurenpartikel gefunden. Zunächst hatte man darin den Beweis erblickt, dass er die Schüsse am Tatort abgegeben hat. Irgendwann ist man dann aber darauf gekommen, dass es wohl unmöglich ist, dass gleichzeitig keine Blutanhaftungen der Opfer oder andere Spuren an der Hose zu finden sind.

Es ist davon auszugehen, dass es geringe Mengen an Schmauchspuren an seiner Hose gibt, die wohl auch mit der am Tatort verwendeten Munition übereinstimmen. Dies hat aber nur eine begrenzte Aussagekraft, da das für etwa 16% der weltweit verwendeten Munition zutrifft. Nachdem feststeht, dass die Hose aber nicht am Tatort gewesen sein kann, hat diese Spur so gut wie keinen Beweiswert. Jedenfalls in keinem Falle ausreichend für eine Verurteilung. Das Vorhandensein der geringen Menge Schmauchspuren beweist nur eins: nämlich geringe Mengen von Schmauchspuren, von denen niemand weiß, wann und wie diese angetragen worden sind.

Das Gericht stellt die These auf, die Schmauchantragungen seien bei Schusstests entstanden. Es gibt aber in Wirklichkeit keinerlei Beweise für diese vermeintlichen Tests. Insbesondere wann und wo er das gemacht haben soll, ohne das seine Frau oder irgendwer sonst etwas bemerkt hat, darüber gibt es keine Erklärung.

Da er die Testschüsse ja wohl kaum zu Hause vorgenommen haben wird, muss er dafür also irgendwo hingefahren sein. Nur fanden sich in seinem Auto keinerlei Spuren, obwohl er die frisch beschossene Waffe, die ja gerade vorher die Spuren auf der Bundeswehrhose hinterlassen haben soll, ja wieder mitgenommen haben wird. Wenn er so schlau war, dass er wusste, das er keine Schmauchspuren hinterlassen darf, wieso hat er sie dann überhaupt an der Hose? Wenn Schmauchspuren an seiner Kleidung waren, wieso nicht auf den Autositzen?

In der aktuellen kriminalistischen Forschung wurde festgestellt, dass es im Zusammenhang mit Schmauchspuren eine extrem hohe Fehlerquote gibt. Es wurde nachgewiesen, dass Schmauchspuren an Personen, Kleidungsstücken etc. gefunden werden, die nie auch nur in der Nähe einer Schusswaffe waren. Dies gilt wohl in ganz verstärktem Maße, wenn es sich um kleine und kleinste Spurenmengen handelt!
Selbst Airbags, Silvesterknaller und gebrauchte Bremsbeläge können solche Spuren abgeben. Unbeabsichtigte Antragungen durch dritte Personen, die eine Schusswaffe tragen oder kürzlich getragen haben, wie zum Beispiel durch Polizeibeamte sind selbst bei größter Vorsicht alltäglich. Das FBI, als weltweit führendes Institut der Kriminalwissenschaft misst Schmauchspuren mittlerweile faktisch keine Beweiskraft mehr zu.

Es ist sicher nicht davon auszugehen, dass die Kripo in Darmstadt einen fundierteren Kenntnisstand in Bezug auf Schmauchspuren hat, als das amerikanische FBI, aus dem Land der Waffennarren.

Die winzigen gefundenen Schmauchpartikel haben keinen wirklichen Beweiswert.

3. Der Bewegungsmelder

Angeblich soll Andreas Darsow den Bewegungsmelder abgeklebt haben, um zu verhindern, dass er auslöst und das Licht einschaltet. Bewegungsmelder haben nun aber eine dumme Angewohnheit, wenn man sie abklebt, nämlich auszulösen und das Licht einzuschalten. Man kann einen funktionierenden und eingeschalteten Bewegungsmelder nicht abkleben, ohne dass das passiert. Das ist schlicht unmöglich.

Um das zu verhindern, hätte Andreas Darsow also am Tag vorher den Bewegungsmelder abkleben müssen. Hätte er es schon ein paar Tage vorher getan, hätte der Nachbar es vermutlich bemerkt un den Streifen wieder entfernt. Tagsüber konnte Andreas Darsow den Klebestreifen aber kaum unbeobachtet angebracht haben. Da sich Bewegungsmelder in aller Regel nicht auf Augenhöhe befinden, musste er sich also nicht nur am helllichten an der Haustür seines Nachbarn, der die meiste Zeit zu Hause war, zu schaffen machen und sondern dabei vermutlich auch noch mit einer Leiter hantieren und zudem Handschuhe tragen um Fingerabdrücke zu vermeiden. Es ist höchst unwahrscheinlich dass der Nachbar selber oder einer der anderen Nachbarn das nicht bemerkt hätte.

Nicht auszuschließen ist dagegen, dass der Bewegungsmelder schon seit längerem abgeklebt war. Die Beobachtung, dass öfters das Licht angegangen sein soll, muss dem nicht widersprechen. In aller Regel verfügen solche Schaltungen nämlich auch über eine Handbetätigung. In diesem Falle bestünde also die Möglichkeit, dass Herr T. den Melder selbst abgeklebt hat - z.B. weil Vögel ihn ungewollt ausgelöst haben - und das Licht stattdessen von Hand eingeschaltet hat. Die Tatsache dass kein Klebebandrest bei ihm gefunden wurde, könnte daran liegen, dass das schon eine Weile her ist, und die Restrolle längst verbraucht und im Müll gelandet ist.

Die Feststellung, dass bei Andreas Darsow keine entsprechende Restrolle gefunden wurde, sei laut der Kammer kein Grund anzunehmen, dass er nicht den Bewegungsmelder abgeklebt habe. Dann kann aber der Fakt, dass auch bei dem Opfer keine Klebeband gefunden wurde, nicht belegen, dass nicht er den Bewegungsmelder abgeklebt hat.

Es wird beschrieben, das Klebestreifenstück sei fein säuberlich auf die Größe des Sensors des Bewegungsmelders zugeschnitten worden. Darin sieht das Gericht einen Beleg für die gründliche Vorgehensweise des Mörders, was angeblich genau zu Andreas Darsow passen würde. Aber mal ehrlich: warum in aller Welt würde sich ein Mörder eine solche Mühe machen. Will er einen Schönheitspreis gewinnen?

Ein solches Sensorfenster ist schmaler als die meisten handelsüblichen Tapebänder. Wenn man vorübergehend einen Bewegungsmelder außer Gefecht setzen will, reißt man einfach ein Stück Klebeband von der Rolle und pappt das drüber. Fertig. Das fummelige mühselige Zuschneiden bringt für einen Mörder keinerlei Vorteil, braucht aber sehr viel mehr Zeit und erhöht enorm das Entdeckungsrisiko. Wenn ein Mörder nicht ohnehin einfach die Lampe kaputthaut oder das Kabel durchzwickt. Dann bräuchte er sich über das Licht überhaupt keine Gedanken mehr zu machen und spart sich den ganzen Zirkus mit dem Bewegungsmelder.

Will man es aber dauerhaft machen, und ist man noch dazu der Bewohner des Hauses, schneidet man das Band genau auf die Größe des Sensorfensters, damit es auch schön aussieht. Wie macht man das nun am geschicktesten? Man schneidet es nicht vorher auf Größe, weil man sonst Gefahr läuft, dass es beim Aufkleben etwas schief gerät, sondern klebt zunächst ein größeres Stück auf und schneidet danach vorsichtig z.B. mit einem Cuttermesser an den Kanten des Sensorfensters entlang. Dann zieht man die überschüssigen Ränder ab. Ergebnis: Das Klebebandstück passt genau. Man fasst es beim Aufkleben natürlich nur an den Ecken an. Folglich hinterlässt man auch nur dort Fingerabdrücke auf den Adhäsionsflächen, die mit dem Abschneiden der Ränder dann verschwinden.

Wenn die Kammer behauptet, dass es nur Andreas Darsow gewesen sein kann, hätte sie eine Theorie darlegen müssen, wie er das denn angesichts der oben geschilderten Probleme bewerkstelligt hat und warum man Herrn T. selber absolut ausschließen kann. Das ordentliche Zuschneiden spricht eigentlich eher dafür, dass er den Bewegungsmelder abgeklebt hat.

Kunststoffklebebänder beinhalten z.B. in aller Regel chemische Weichmacher und Farbpigmente, die in der Witterung langsam aus dem Material entweichen. Ich habe nichts darüber gelesen, dass man untersucht hätte, wie lange sich das Klebeband schon im Freien befand.

Ob das Abkleben des Bewegungsmelders überhaupt mit der Tat in Verbindung steht, kann nicht belegt werden. Eine Verbindung zu Andreas Darsow gibt es aber auf jeden Fall nicht.

4. Die Schußwaffe

Eine Tatwaffe wurde nie gefunden, geschweige denn, man hätte eine Waffe mit Andreas Darsow in Verbindung bringen können. Das Gericht behilft sich mit der Behauptung, es hätte ihm schon irgendwie auf mysteriöse Weise eine Waffe "zur Verfügung" gestanden. Woher, wieso, womit bleibt einfach unbeantwortet. Vermutlich hat die Polizei hat alles daran gesetzt, ihn mit einer Waffe in Verbindung zu bringen aber offenbar nicht die geringste Spur gefunden.

Wie aber hat es Andreas Darsow hinbekommen, sich eine illegale Waffe zu besorgen, schon allein, ohne dass es seiner Frau aufgefallen ist? Denn selbst wenn man es schafft, einen Kontakt zur Unterwelt herzustellen und den vor den Ermittlungen der Polizei verborgen zu halten, muss man dem illegalen Händler für sein Risiko sicher eine Menge Geld hinblättern, viel mehr als eine solche Waffe legal wert ist.

Kurzum, das alles kostet sicher sehr viel Zeit und Geld. Und darin lag ein erhebliches Entdeckungsrisiko. Denn er muss dafür auch eine Weile unterwegs gewesen sein, da es illegale Waffen wohl nicht in Babenhausen beim Krämerladen um die Ecke zu kaufen gibt. Und das geht nicht mal eben auf die Schnelle, sondern braucht sicherlich eine monatelange akribische und Vorbereitung und vorsichtige Anbahnung. Da er das nicht während der Arbeitszeit tun konnte, musste er also öfter abends oder am Wochenende unterwegs gewesen sein, übrigens auch für die angeblichen Schusstests. Müsste der Ehefrau das nicht aufgefallen sein, ebenso der Verlust einer größeren Summe Geldes? Vielleicht würde sie nicht gleich auf einen illegalen Waffenkauf tippen, sonder eher auf eine heimliche Freundin ihres Mannes.

Illegale Waffenhändler verkaufen sicher nicht einem unbeschriebenen Blatt wie Andreas Darsow einfach mal so eine scharfe Waffe. Sie werden sich vorher auch absichern, dass sie nicht einem verdeckten Ermittler aufsitzen. Auch er selbst musste beim Erstkontakt äußerst vorsichtig sein. Woher sollte er wissen, ob sein Ansprechpartner nicht herumquatscht oder sogar am nächsten Tag zu Polizei läuft.

Das Gericht unterstellt, er hätte „bis zuletzt“ gezögert, ob er die Tat wirklich begehen soll. In Wirklichkeit hätte er sich aber da schon längst strafbar gemacht, wenn er bereits im Besitz einer scharfen Waffe war. Es kann ja durchaus sein, dass jemand mal gedanklich durchspielt, seinen Chef, seine Schwiegermutter oder seine Geliebte zu erschießen. Wenn man sich aber eine illegale scharfe Waffe beschafft, dann ist man über das Stadium des Räsonierens schon hinaus, dann hat man bereits den Vorsatz die Tat auch auszuführen. Allerdings macht es natürlich keinen Sinn, dass er sich dann immer noch nach Wohnungen umgeschaut hat.

Wenn man Andreas Darsow keine Verbindung zu einer Waffe nachweisen kann, gibt es zwei mögliche Erklärungen:

A. Ein unbescholtener und unerfahrener Familienvater hat sie sich bei der Beschaffung unglaublich geschickt und professionell angestellt und jede denkbare Spur vermieden, das auch auf misteriöse Weise vor seiner Frau verborgen gehalten und hat dann auch noch Mittel und Wege gefunden, sie unauffällig wieder verschwinden zu lassen.

B. Er hatte einfach keine Waffe,

Die wahrscheinlichere Erklärung ist die Variante B.


5. Die Schüsse

Wenn die Reihenhäuser, wie mehrfach im Urteil betont, so besonders „hellhörig“ gewesen sein sollen, wie kann es dann sein, dass Schüsse erst die halbe Nachbarschaft aufwecken, nach Schließen der Tür aber nicht mehr zu hören sind, obwohl der Schalldämpfer, der schon am Anfang nicht besonders gut gearbeitet hat, ja mit jedem Schuss etwas von seiner geräuschdämmenden Wirkung verlieren dürfte.

Die Streitereien und Geräusche der Familie seien beinahe täglich über mehrere Häuser hinweg zu hören gewesen. Pistolenschüsse aus dem gleichen Haus aber nicht.
Es scheint nach der Spurenlage festzustehen, dass die Ehefrau im Schlaf getötet wurde. Offenkundig ganz entgegen ihrer angeblichen sonstigen Gewohnheit, nachts schreiend durchs Haus zu rennen. Ist es nicht merkwürdig, wieso sie nicht wach geworden ist, nachdem auf ihrem Mann 6 Mal geschossen wurde? Mit Schüssen, die im Außenbereich trotz Schalldämpfer noch so laut waren, dass mehrere Nachbarn aus dem Schlaf gerissen wurden, wobei ja davon auszugehen ist, dass ein selbst gebauter Schalldämpfer aus Bauschaum und Plastik gerade bei den ersten zwei Schüssen noch am besten funktioniert? Und das in einem Haus, wie das Gericht mehrfach betont, das so furchtbar hellhörig ist.

Wenn das Haus von innen nicht eine einzige Gummizelle war, ist doch wohl anzunehmen, dass ein Knall innerhalb geschlossener Räume, wo harte und glatte Flächen den Schall mehrfach reflektieren, deutlich lauter wahrgenommen wird, als im Freien, wo er sich in alle Richtungen sich ausbreitet und teilweise von Rasen, Bäumen und Büschen absorbiert wird. Kleine Erfahrung von mir: eine Rockband braucht Open Air eine 10 Mal stärkere Anlage als in einer geschlossenen Halle.

Wie kann es also sein, dass die Schüsse, im Hause offenbar überhaupt nicht zu hören waren? Die beiden Frauen also „selig“, wie das Gericht wörtlich zu berichten weiß, weiter schliefen. Das spricht dafür, dass die Frauen wirklich einen tiefen festen Schlaf der Gerechten hatte. Hatten wir nicht gehört, dass sie jede Nacht durch das Haus geistern und Lärm machen?

Angeblich hätten gerade die beiden Frauen beinahe jede Nacht so einen Radau gemacht, dass der vermeintliche Täter im Nebenhaus außerstande war ohne Ohrenstöpsel nachts ein Auge zuzumachen. Von diesem dauerhaften Lärm soll er ja so zermürbt gewesen sein, dass er sich keinen anderen Rat mehr wusste, als die gesamte Nachbarsfamilie umzubringen.

Wie konnte er sich dann so sicher sein, dass er die beiden Frauen ausgerechnet in dieser Nacht „selig“ schlafend vorfinden würde? Ja, sie sogar so tief und fest schlafen würden, dass sie selbst von Pistolenschüssen nicht wachzukriegen waren?

Hätte er nicht befürchten müssen, dass eine wache Ehefrau von den Schüssen im Souterrain etwas mitbekommt und womöglich die Polizei ruft, oder laut um Hilfe schreit, bevor er die Tat vollenden kann? Soll er sich nicht gerade deshalb einen Schalldämpfer gebastelt haben, weil er vermeiden wollte, - so das Gericht – dass jemand aus der Nachbarschaft frühzeitig die Polizei ruft und ihm dann nicht mehr genug Zeit bleibt die Tat über vier Stockwerke zu vollenden? Er muss ja gewusst haben, dass sein selbstgebastelter Schalldämpfer nicht wirklich gut funktioniert, denn – so das Gericht – er hat ihn ja vorher ausprobiert.

Entweder sind die Häuser furchtbar hellhörig, wie das Gericht behauptet, dann hätten die bereits zuvor erwachten Nachbarn auch die Schüsse im Haus hören müssen, wenn sie schon ständig menschliche Stimmen aus dem Haus vernommen haben sollen.

Oder aber die Häuser waren doch nicht so hellhörig, und haben die letzten acht Schüsse völlig nach außen absorbiert. Dann kann es aber wiederum nicht sein, dass die Geräusche der Nachbarn so stark waren, dass sie einen unbescholtenen Bürger in die Verzweiflung treiben und zum Mörder werden lassen.

Da es die Schüsse im Haus definitiv gegeben hat und da die Nachbarn sie aber definitiv nicht gehört haben, kann es nur einen Schluss geben:

Die Behauptung von den „hellhörigen Häusern“ ist falsch.


6. Das Motiv

Das Gericht sieht das Motiv in den angeblichen anhaltenden Ruhestörungen, die von der Nachbarsfamilie ausgingen, und besonders störend waren, weil die Häuser extrem hellhörig seien. Im Zusammenhang mit den Schüssen wurde unter 5. schon dargelegt, dass das mit der Hellhörigkeit so nicht stimmen kann. Über die Geräuschentwicklung durch die Familie T. gibt es von den Nachbarn verschiedene Aussagen. Wenn er fast jede Nacht von dem Lärm der Frauen terrorisiert worden sein soll, so dass er Ohrenstöpsel tragen musste, dann musste er fest damit rechnen, dass auch in dieser Nacht wieder mehrere Menschen im Nachbarhaus wach sind. Wenn er sich aber sicher war, dass nur der Mann wach ist, worauf sich die gesamte Tathypothese des Gerichtes stützt, dann kann es mit dem dauernden nächtlichen Lärm von nebenan so nicht stimmen.

Ein Mann, der nur wegen einer Ruhestörung, sei sie auch noch so extrem belastend und jahrelang anhaltend, wie das Gericht unterstellt, einen akribisch geplanten, eiskalten, heimtückischen und perfiden Mord an einer ganzen Nachbarsfamilie begeht, ist sehr wahrscheinlich eine gefährliche, hochgradig psychopathische und schizoide Borderline Persönlichkeit mit schweren emotionalen Defiziten, einer ausgeprägten dissozialen Persönlichkeitsstörung und fehlender Gewissensbildung. Dann geht von dieser Person eine erhebliche Gefahr aus. ( i.S. ICD-10 F60.2 / DSM-IV 301.7 u.a.)

Dass davon in vierzig Lebensjahren vorher, in Kindergarten, Schule, Militär, Ausbildung, Sportverein, Arbeitsplatz oder Familie, nicht die geringsten Anzeichen, von verdrängter oder unterdrückter Aggression, von Gefühlskälte, fehlender Empathie oder ähnlichem bemerkt worden sein sollen, ist sehr zweifelhaft. Wenn eine solche Persönlichkeit, über Jahre eine unglaublich innige und stabile Beziehung geführt hat, zu einer Ehefrau, die tatsächlich „in guten wie in schlechten Zeiten“ unabdingbar zu ihm hält, ihn liebt und an ihn glaubt, wird das noch unglaubwürdiger.

Das Gericht versucht eine Charakterisierung indem es behauptet, weil er stets pünktlich war, als gradlinig, genau und penibel galt, Kritik zwar angenommen habe aber erkennbar verletzt gewesen sei, wenn er sich ungerecht kritisiert fühlte und bei Kritik einmal gezittert habe, sei es „mehr als nur naheliegend“, dass er eine solche „….kaltblütige Tat tatsächlich begehen……“ würde. Das ist grober Unfug, da solche Zuschreibungen auf Millionen völlig normaler Personen zutreffen.

Wenn der Lärm aus dem Nachbarhaus aber tatsächlich so extrem und massiv war, dass es einen doch halbwegs normalen Mann in den Wahnsinn getrieben und zum Mörder gemacht hat, dann wiederum ist es vollkommen ausgeschlossen, dass die in im gleichen Haus aufwachsenden Kinder davon nichts mitbekommen haben und davon nicht tangiert wurden.

Einerseits sollen die Störungen Auslöser dafür sein, aus einem bislang völlig unbescholtenem, als besonnen und verantwortungsvoll beschriebenen Familienvater einen kaltblütigen Doppelmörder zu machen. Andererseits waren sie offenbar nicht so schlimm, dass die Familie, abgesehen von einem kurzen Briefwechsel vor 8 Jahren, anschließend nicht mehr allzu viel dagegen unternommen hat.

Wäre nicht zu erwarten, dass auch die Ehefrau und Mutter alles, aber auch wirklich alles unternimmt, um ihre Kinder vor einem solchen Terror zu schützen? Das sie Himmel und Hölle in Bewegung setzt, ihre Kinder aus einer solchen Situation zu befreien? Was ihrem Mann schlaflose Nächte bereitet und ihn zum Monster verwandelt hat, kann doch wohl nicht spurlos an den kleinen Kindern vorbeigegangen sein.
Kinder sind ein sehr guter Lakmustest für ein Familiengeschehen, da sie, anders als Erwachsene, ihre Emotionen viel weniger kontrollieren. Wenn sie hochgradig verhaltensauffällige und gestörte Kinder vorfinden, dann müssen sie davon ausgehen, dass die Kinder im häuslichen Umfeld erheblichen traumatisierenden Impressionen ausgesetzt sind.

Wenn sie dagegen ausgeglichene, sozial kompetente und integrierte Kinder vorfinden, können sie im Umkehrschluss diagnostizieren, dass die Kinder in einem behüteten und weitgehend stressfreien Heim aufgewachsen sind, jedenfalls keinen unverhältnismäßigen Traumatisierungen ausgesetzt waren.

Wie gesagt, wir reden nicht von gelegentlichem Lärm. Sondern von einem jahrelangen Terror, der einen Ehemann zum Äußersten treibt. Bei Kindern, die dauerhaft einem solchen Umfeld ausgesetzt sind, würde ich Anpassungsstörungen, eruptive Aggressionen, Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Enuresis, phobische Angststörungen, Schuldefizite....etc. erwarten. Noch dazu bei einem Vater, der jahrelang mit unterdrückten, destruktiven Aggressionen herumläuft, die schließlich in einem Massaker enden.

Oder aber, er ist doch von vorneherein die gefährliche, hochgradig psychopathische und schizoide Borderline Persönlichkeit, die wegen einer läßlichen Störung seines Privatlebens völlig austickt und zum eiskalten Killer mutiert. Die Ergebnisse bei den Kindern wären sehr ähnlich.

Es wäre interessant zu wissen, was ein Schulpsychologe über die Kinder sagt. Vermutlich hat niemand danach gefragt.

Obwohl das Motivkonstrukt und damit das gesamte Urteil darauf fußt, gibt es über die Persönlichkeitsstruktur des Andreas Darsow in dem ganzen Urteil keine validen Angaben, sondern nur Tratsch, Spekulationen und die Westentaschenpsychologie des Vorsitzenden. Es wurde versäumt einen psychiatrischen Gerichtsgutachter hinzuzuziehen.

Wenn Andreas Darsow wirklich eine derart gefährliche Person ist, hätte das Gericht über eine Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie, oder zumindest eine anschließende unbefristete Sicherungsverwahrung entscheiden müssen. Das geht aber nur mit einen entsprechendem Gutachten.

Wenn das, was man über Andreas Darsow hört und liest – einschließlich der Zuschreibungen aus dem Urteil - stimmen, dann ist allerdings davon auszugehen, dass der Gutachter keine besonderen Anzeichen für eine besondere kriminelle Energie, einen außergewöhnlichen Aggressionslevel oder die oben genannten Störungen diagnostiziert hätte.

Die Schlüsse, die die Kammer in Bezug auf Andreas Darsows Persönlichkeit gezogen hat, wären vermutlich widerlegt worden.


7. Entlastendes

Den oben genannten 6 zentralen Punkten aus dem Urteil stehen einige klar entlastende Aspekte gegenüber. So z.B.:

- keine DNA von ihm am Tatort,
- keine daktyloskopischen Spuren von ihm am Tatort,
- keinerlei Faserspuren von ihm am Tatort,
- keinerlei sonstige Spuren von ihm am Tatort,
- keinerlei Spur von Herkunft und Verbleib einer Schusswaffe,
- keinerlei Spur von Herkunft und Verbleib von Munition,
- keinerlei Spuren vom Tatort oder den Opfern in seinem Haus
- keinerlei Spuren vom Tatort oder den Opfern in seinem Auto,
- keinerlei Spuren vom Tatort oder den Opfern an seiner Kleidung.
- keinerlei hinführende Spuren von ihm an den Tatort,
- keinerlei zurückführende Spuren von ihm zurück in sein Haus,

Die Kammer sieht darin aber keine entlastenden Gesichtspunkte, sondern wertet es nur als weiteren Beleg für sein perfides Vorgehen.

Das erinnert mich ein wenig an die spanische Inquisition. Dass man dem Angeklagten nichts wirklich nachweisen kann ist ja geradezu ein Beweis, dass er mit dem Teufel im Bunde stehen muss. Wer mit dem Teufel im Bunde steht, ist auch schuldig.
Quelle: Michael Pootemans bei Facebook
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#179

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Fr, 20. Mär. 2015, 23:02

@salva danke für diesen Text, den ich noch gar nicht kannte und der sich im Wesentlichen ja auch mit meinen Einwänden deckt (hat Pootemans meine alten Texte gelesen? das mit der Inquisition kenne ich doch ;-) )

Ergänzend verweise ich zu silencer.ch noch einmal auf meine Argumentationsskizze hier und andernorts und auf snoopys gute Überlegungen dazu. Die Annahme, es könne ein anderer silencer.ch angesurft haben, ist mitnichten abenteuerlich und abwegig; es gibt vielmehr Indizien, die in diese Richtung weisen.

Pootemans Hinweis darauf, dass Darsows Täterschaft auch aus forensisch-psychiatrischen Gründen extrem unwahrscheinlich ist, unterstütze ich und habe es auch immer so dargetan. das von keinerlei kenntnis beleckte küchenpsychologische Gefasel des Urteils erlaube ich Viertelfachmann (Psych im Nebenfach) mir mal einfach nur peinlich zu nennen.

ich bleibe dabei: Dieses Urteil war von einer voreingenommenen Kammer mit extremem Verurteilensdrang gefällt; es hat Harry-Wörz-Potenzial. natürlich darf Strate das nicht so sagen.
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#180

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 21. Mär. 2015, 13:27

@pfiffi
Keine Ahnung, wann du mit deinen Einwänden begonnen hast, aber soweit ich weiß, gab es die bereits während den Verhandlungen. ;)
Aber ungeachtet dessen: es war ein reiner Indizienprozess und für das Gericht war die Indizienkette offenbar stark genug, um Andreas Darsow zu verurteilen.
Die unter "7. Entlastendes" von Herrn Pootemans aufgeführten Punkte sind im Urteil allesamt aufgeführt und überwiegend begründet bzw. erklärt und es stellt sich eben die Frage, wie weit man diesen folgen will.

Die Antwort auf den Post von Herrn Pootemans möchte ich auch nicht unterschlagen:

Mattheus Scholze, 12. März um 05:56:
Ich muss sagen, ihre Ausführungen sind zwar interessant zu lesen, überzeugen mich jedoch keineswegs. Nur als Beispiel: sie kommen unter Punkt 5 zu dem Schluss, dass das Haus nicht hellhörig gewesen sein kann. Warum klagte dann Herr Darsow bei den Kollegen über nächtliche Ruhestörungen? Und warum schläft er nach eigener Aussage mit Ohrstöpseln?

Bei Indizien liegt es in der Natur der Sache, dass diese durch entsprechende Gedankengänge widerlegt werden können. Jedes Indiz für sich alleine ist auch nicht geeignet eine Täterschaft festzustellen.

Der entscheidende Punkt liegt in der Würdigung aller Umstände, woraus sich ein Gesamtbild ergibt. Hier kommen wir zu etwas Entscheidendem: der Wahrscheinlichkeit.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass so viele unterschiedliche Indizien (Schmauchspuren, Bauanleitung, etc..) auf eine Person hindeuten, die nichts mit der Tat zu tun hat? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat ausgerechnet dann passiert, wenn die gesamte Familie des Herrn Darsow verreist ist, er also kein Alibi hat?

Hinzu kommt das Nachtat- und Aussageverhalten, welches sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt.

Davon abgesehen steht es jedem zu, alle erdenklichen, rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen und für eine Wiederaufnahme zu kämpfen. Die Ehefrau mit Kindern tut mir sehr leid. „Alles wird gut“-Bekundungen wird hier dennoch niemand von mir hören, denn das wird es meiner Meinung nach in diesem Fall eben nicht.
Quelle: Mein Mann ist Unschuldig

Bei dieser "Gegenargumentation" macht mir ein Wort fast schon Angst: Wahrscheinlichkeit.
Mit diesem Wort kann die Justiz den Täterkreis immens ausweiten oder eingrenzen und zwar je nach belieben oder Erfordernis. Deswegen hat dieses Wort in keiner Verhandlung etwas zu suchen, in einem Urteil eh nicht und das geht meiner Meinung nach nur, wenn Indizienprozesse abgeschafft werden. Entweder kann einem Tatverdächtigen die ihm zur Last gelegte Tat zweifelsfrei nachgewiesen werden oder er ist freizusprechen. Ganz einfach. Konstrukte, Annahmen, Fehler oder Diskrepanzen wie im Fall Darsow führen nämlich genau in die Richtung, in die niemand will: Zweifel am deutschen Rechtssystem.
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Randall Flagg
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Re: Eheleute Klaus und Petra Toll aus Babenhausen ermordet

#181

Ungelesener Beitrag von Randall Flagg » Mo, 23. Mär. 2015, 12:52

Hallo,

natürlich ist das mit wahrscheinlich nicht so ganz einfach...

Aber, wir reden hier ja auch nicht von Wahrscheinlichkeiten wie: Wahrscheinlich gewinnt der FC Bayern sein Heimspiel gegen Gladbach... - Wie wir sehen, daneben!

Wie viel % hätte man den Gladbachern eingeräumt das zu schaffen, und dann noch ohne Gegentor? 5%? 2%? 1%?

Die prozentuale Chance in diesem Fall, das eben alle diese Indizien auf eine Person führen, ist für meine Begriffe hier aber sehr viel niedriger. Natürlich, das heißt nicht, dass es nicht doch anders war.

Aber ein Gericht wird auch nicht wie ein Pokerspieler die Chance in % annehmen, dass die letzte Karte dann die fehlende Dame ist und danach dann entscheiden, ob man weiter macht oder nicht...

Ich weiß auch nicht, ob man einfach sagen kann, die Kammer war schon vor Beginn von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Es gab wohl offensichtlich überhaupt keine anderen Hinweise, Beweise oder Indizien das die Tat in irgendeiner anderen Form abgelaufen sein könnte.

Man hat keine Spuren gefunden... Richtig: Man hat "überhaupt" keine Spuren gefunden. Auch von keinem anderen.

Und die Tochter lebt jetzt ganz unbedroht weiter und der Täter sieht keine Notwendigkeit, sein "Werk" nicht noch zu vollenden. Immerhin war es ihm ja offensichtlich wichtig in der Tat Nacht, "alle" im Haus zu beseitigen. Jetzt nicht mehr?

Gruß

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