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Der Fall Lolita Brieger

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Der Fall Lolita Brieger

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » So, 18. Sep. 2016, 12:44

Ich möchte den Fall hier posten, obwohl es kein "klassischer" Justizirrtum war. Das macht dieses Tötungsdelikt jedoch nicht weniger tragisch: der Täter konnte aufgrund der geltenden Gesetze für den Tod an der 18-jährigen und ihr Ungeborenes nicht mehr belangt werden. Nach 29 Jahren war der durch das Gericht festgestellte Totschlag verjährt.


Der Fall Lolita Brieger

Es gab ein vermisstes Mädchen, das am 4. November 1982 18 Jahre alt und schwanger war: Lolita Brieger. Lolita war ein schönes Mädchen. Blonde Locken umrahmten ihr Gesicht, das hübscher war als die meisten hier, im Landkreis Vulkaneifel.
Bild nicht mehr vorhandenLolita Brieger, † 18
Gegen 13 Uhr wurde Lolita an jenem Tag letztmals gesehen: Eine Arbeitskollegin hatte sie von Jünkerath mit dem Auto mitgenommen, da sie verabredungsgemäß ihren Freund und dessen Vater auf deren Hof in Scheid aufsuchen wollte. Gegen 13 Uhr stieg sie in der Nähe von Scheid aus dem Auto ihrer Kollegin; die letzten Kilometer zu dem abseits gelegenen Dorf wollte sie zu Fuß gehen. Von da ab fehlte von ihr jegliche Spur.

Von Lolita Briegers Familie wurde wenige Tage später eine Vermisstenanzeige erstattet, woraufhin die Polizei Ermittlungen aufnahm. In der Folgezeit wurden verschiedene Ursachen für ihr Verschwinden betrachtet:

1. Sie habe Suizid begangen, da sie auf keinen Fall ihr Kind ledig großziehen wollte, zumal sie bereits zu Beginn ihrer Schwangerschaft einen Suizidversuch unternommen hatte, als Josef K., ein Sohn reicher Bauern, sich von ihr trennen wollte. Dessen Eltern missbilligten die Beziehung zu der aus einfachsten Verhältnissen stammenden jungen Frau und Aushilfsnäherin und drohten dem Spross sogar mit Enterbung. Auch ein in ihrer Wohnung gefundener Brief ließ diese Variante zunächst als möglich erscheinen. Die Unauffindbarkeit ihrer Leiche sprach jedoch zunehmend dagegen.

2. In Hinblick auf ein mögliches Tötungsdelikt geriet vor allem Lolitas (Ex-)Freund und Kindsvater in das Visier der Ermittlungen. Er sagte jedoch aus, dass Lolita noch am Nachmittag den Hof wieder verlassen habe. Gegenteilige Beweise konnten nicht gefunden werden.

3. Gerüchten zufolge sollte sich Lolita Brieger abgesetzt haben, um unter anderem Namen an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen.

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte keine Spur gefunden werden, die zur lebenden oder toten Lolita Brieger führte. Einzig im Februar 1983 wurde in Stadtkyll unmittelbar vor einer Notrufsäule am Ortseingang aus Richtung Kronenburg Lolitas Schlüsselbund von einem spielenden Kind gefunden. Stadtkyll liegt etwa 10 km westlich von dem Ort, an dem sie das Auto ihrer Kollegin verlassen hat.

Der entscheidende Durchbruch im Jahr 2011

Der Fall Lolita Brieger wurde bei der zuständigen Kriminalpolizei in Trier geführt, die Akte nicht geschlossen. So wurde der Fall Brieger im Jahr 2011 neuerlich untersucht und kam in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ... ungelöst vom 24. August 2011 zur Ausstrahlung, da seitens des ermittelnden Kriminalhauptkommissars Wolfgang Schu und des Trierer Staatsanwalts Eric Samel von Helfern bei der Beseitigung der Leiche ausgegangen wurde. Sie appellierten mit Hinweis auf die betagte Mutter Lolita Briegers an das Gewissen eventueller Mitwisser und wiesen darauf hin, dass eine derartige Hilfe inzwischen verjährt sei.

Noch während der Ausstrahlung dieses Beitrages meldete sich eine weibliche Person bei der Polizei, die einen Hinweis auf einen Mitwisser des Verbrechens – einen engen Freund des Täters – offenbarte. Dieser Mitwisser gab daraufhin bei einem Verhör zu, dem mutmaßlichen Täter seinerzeit bei der Beseitigung der Leiche geholfen zu haben. Dieser zu diesem Zeitpunkt 50-jährige mutmaßliche Täter – Lolita Briegers damaliger Freund und Vater ihres Kindes – wurde am 9. September 2011 in Untersuchungshaft genommen.

Entsprechend den Angaben des Mitwissers konnte nach einer zweiwöchigen Suche am 19. Oktober 2011 auf einer inzwischen stillgelegten Mülldeponie bei Dahlem-Frauenkron ein in Kunststofffolie verpacktes menschliches Skelett nebst Bekleidungsresten gefunden werden.[3] Eine Untersuchung im Rechtsmedizinischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz brachte wenige Tage später anhand einer DNS-Analyse Gewissheit: Es sind die sterblichen Überreste Lolita Briegers.

Am 29. Dezember 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Trier Anklage wegen Mordes; die Verhandlung begann am 6. März 2012. Der Angeklagte wurde am 11. Juni 2012 freigesprochen. Das Gericht stellte zwar fest, er sei für den Tod Briegers verantwortlich, wertete die Tat jedoch, da sichere Mordmerkmale nicht nachzuweisen waren als Totschlag, der inzwischen verjährt sei. Das Tötungsdelikt an Lolita Brieger und ihrem ungeborenen Kind bleibt daher ungesühnt.

Wikipedia | Welt | NTV

https://www.youtube.com/watch?v=HcR6zLtpl5w
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Re: Der Fall Lolita Brieger

#2

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Do, 2. Mär. 2017, 10:36

Danke. Ja, kein klassischer Justizirrtum, dennoich nicht falsch, dass er hier steht.

Ich fand das Gericht damals feige. Der Mord/Totschlag fand statt, als Lolita Brieger zu ihrem damaligen Geliebten kam. Sie war arg- und wehrlos. Ausnutzung von Arg- und Wehrlosigkeit ist ein Mordmerkmal.

Lolita Brieger kam, wie man so sagt, aus "einfachen Verhältnissen". Der Täter (Täter ist er, gerichtlich festgestellt, er hat Lolita Brieger getötet, und das darf man auch offen so sagen!) war der "Erbprinz" eines veritablen Bauernhofes, eine der 'großen' Familien im Ort.

Ob der Fall genau so ausgegangen wäre, wenn die lower-class-Putze Simone den upper-class-Erbrpinzbauern Heinz so ermordet hätte? Na, wer will wetten?

ja, ich unterstelle hier (unbewusst, sicherlich nicht vorsätzlich!) einen upper-class-Bonus.
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