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1968 | Zehlendorf | Berta Frank (51) und Peter Hunger (5) ermordet

Ungeklärte Fälle im Focus.
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1968 | Zehlendorf | Berta Frank (51) und Peter Hunger (5) ermordet

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Mi, 14. Okt. 2015, 02:25

Berlin, 22. Februar 1968, Hamburger Abendblatt

Doppelmord im Kinderheim - Außerdem noch zwei Mädchen in Berlin verletzt / Unbekannter Täter flüchtig

DOPPELMORD IM KINDERHEIM, 1968

TATORT: Argentinische Allee in Zehlendorf.
OPFER 1, tot: Berta F, ( † 51), Erzieherin. Lag im Bett. 51 Messerstiche. Lokalisierung der Stiche weist auf Sexualverbrechen.
OPFER 2, tot: Peter H. ( † 5), Heimkind. Lag im Bett. 26 Messerstiche.
OPFER 3 überlebt: Brigitte, 15 Jahre alt, Heimkind. Mehrere Messerstiche.
OPFER 4 überlebt: Marina, 15 Jahre alt, Heimkind. Mehrere Messerstiche.
TÄTER: männlich, etwa 20 Jahre alt, mittelgroß, roter Pullover.
ASSERVIERT: Handschuhe, blutbeschmiert
BZ
Eine grauenhafte Bluttat hat sich heute morgen in Berlin ereignet. In einem Kinderheim des Bezirks Zehlendorf fielen die 51jährige Kindergärtnerin Berta F. und der fünfjährige Peter H. einem brutalen Mordanschlag zum Opfer. Der bisher unbekannte Täter erstach seine Opfer. Die Frau hatte er zuvor mißbraucht. Seit 4 Uhr früh ist die Mordkommission im Großeinsatz bemüht, das Verbrechen aufzuklären, dem zwei weitere 15jährige Heiminsassinnen offensichtlich nur durch einen Zufall entgingen.

Kurz vor 4 Uhr wurde im Obergeschoß des Jugendheims die 15jährige Brigitte N. dadurch wach, daß sich die Tür ihres Zimmers öffnete und ihr jemand mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchtete. Das Mädchen begann zu schreien. Der Mann stach mit einem Messer auf sie ein und stürzte sich dann auf die im selben Zimmer schlafende 15jährige Marina L. Nachdem er auch dies Mädchen durch Messerstiche verletzt hatte, floh er.

Auf die Hilferufe der Mädchen alarmierte der Hausmeister des Kinderheims die Polizei. Noch vor ihrem Eintreffen entdeckte er die ermordete Kindergärtnerin und den fünfjährigen toten Jungen. Der Täter war durch ein eingeschlagenes Badezimmerfenster in das Gebäude eingedrungen.

Offensichtlich muß sich der Täter beim Einschlagen der Fensterscheibe verletzt haben. Nach Angaben des Krankenhauses, in das die beiden Mädchen eingeliefert wurden, besteht für sie keine Lebensgefahr. Eine sofort eingeleitete Fahndung der Polizei in der näheren Umgebung des Kinderheims blieb bisher ohne Erfolg.

Schnell arbeitete heute früh die zuständige Jugendbehörde des Berliner Bezirks Zehlendorf. Sie will die etwa 40 Kinder, die in dem Heim untergebracht sind, und die durch das grausige Geschehen in ihrer nächsten Umgebung unter starker Schockwirkung stehen, möglichst schnell zu einem Erholungsaufenthalt verschicken.
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Re: Doppelmord im Kinderheim Zehlendorf (1968)

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » Mi, 14. Okt. 2015, 02:29

Ein etwas ausführlicherer Artikel zum Fall ist am 03. Juni 1968 im Spiegel erschienen:
Am Morgen des 22. Februar 1968, es war um 3.36 Uhr, alarmierte eine Funkstreife der Berliner Polizei die Mordkommission. Im Kinderheim an der Argentinischen Allee 28 im Prominentenbezirk Zehlendorf hatte -- so der Funkbericht -- "ein mittelgroßer, etwa 20jähriger Mann ein Blutbad angerichtet".

Als Opfer des Attentats summierten die Kriminalbeamten zwei Tote und zwei Schwerverletzte. Allen Anzeichen nach hatte der Täter wie im Wahn getötet: Leichen wie Überlebende wiesen Dutzende von Messerstichen auf. "Sogar an den Decken machten wir Blutspuren aus", schildert Hauptkommissar Karl Schwichtenberg, Chef der Abteilung M I (Mord) im Berliner Landeskriminalamt.

Die Bluttat, eine der schwersten in der Nachkriegsgeschichte Berlins, war Ende letzter Woche noch immer nicht aufgeklärt -- und sie gehört offenbar zu jenen Verbrechen, die auch die Polizei ratlos machen. Denn nichts hat die Berliner Kripo unversucht gelassen, den Fall aufzuhellen.

Über 300 Berliner schickten der Kripo Hinweise auf verdächtige Personen -- fünfmal mehr als im Normalfall. Auf der Jagd nach dem Mörder mußte ein Bürger gar sein Leben lassen: Vor dem Flughafen Tempelhof wurde der Taxifahrer Erich Nickel, 66, von einem flüchtigen Einbrecher niedergeschossen, den die von Passanten gerufene Polizei für den Zehlendorfer Messerstecher hielt.

Alle Winke, wie auch dieser, führten die Kripo nicht weiter. In den Ermittlungen reihte sich Mißerfolg an Mißerfolg -- wie es schon am Tage nach der Tat gewesen war. Schuhabdrücke des Mörders, im frisch gefallenen Schnee, leiteten die Verfolger damals keineswegs zu einem vermuteten Schlupfwinkel in der stillen Villengegend, sondern zum Verkehrsknotenpunkt Zehlendorf -Mitte, dem Halteplatz von acht Buslinien. Beamte befragten drei Nächte lang die Frühaufsteher an den Haltestellen.

Vergebens auch forschten Kriminalisten im Bekanntenkreis aller Helminsassen, um einem möglichen Beziehungstäter auf die Schliche zu kommen. Erfolglos durchkämmten Spezialisten die Verbrecherkartei nach alten Kunden, denen die Tat zuzutrauen war.

Anfang April sah sich denn Hauptkommissar Karl Schwichtenberg veranlaßt, den Dingen selber auf den Grund zu gehen. Er prüfte alle Beweismittel seiner Beamten, um eine Ermittlungslücke herauszufinden, durch die der Unbekannte unter Umständen geschlüpft sein konnte. Zunächst konzentrierte der Kommissar seine Aufmerksamkeit auf zwei Zigarettenkippen, die -- wie der Speicheltest ergab -- von ein und demselben Raucher stammten.

Der eine Zigarettenrest war die Hinterlassenschaft eines Einbrechers in einer Villa der Zehlendorfer Limastraße. Dort war der Verbrecher in der Mordnacht, vermutlich gegen ein Uhr, eingedrungen. Er labte sich an den Eisschrankvorräten -und machte es sich sodann im Wohnzimmer gemütlich.

Im Gegensatz zu Einbrecher-Kollegen hielt der Unbekannte pedantisch auf Ordnung. Überbleibsel seiner Mahlzeit deponierte er im Mülleimer, und er holte sich, als er Lust zum Rauchen verspürte, einen Aschenbecher aus dem Geschirrschrank. Nur 500 Meter von der Limastraße entfernt, im Kinderheim an der Argentinischen Allee, fanden Kriminalbeamte die zweite Kippe. Einbrecher und Mörder waren also identisch.

Im Kinderheim verschaffte sich der Unbekannte, gegen zwei Uhr, durch ein Parterrefenster an der Rückfront Einlaß. Er klinkte im Erdgeschoß die nächstbeste Tür auf -- zum Aufenthaltsraum der Erzieherin Berta Frank, 51, und tötete die Schlafende mit Messerstichen.

Stichwunden im Unterleib des Opfers ließen zunächst auf ein Sittlichkeitsdelikt schließen. Eine genauere Untersuchung aber ergab dafür keinen Anhaltspunkt. Zudem hatte der Mörder, im allgemeinen untypisch für einen Triebverbrecher, die Handtasche der Toten nach Geld durchwühlt.

Im Obergeschoß betrat der Unbekannte ein Kinderzimmer, in dem neun Zöglinge ruhten -- im Bett neben der Tür der fünfjährige Peter Hunger. Ihn tötete der Mörder mit 26 Messerstichen. Keiner der übrigen Rauminsassen wachte dabei auf.

Nun wandte sich der Täter dem gegenüberliegenden Zimmer zu, dort unternahm er den Versuch zu einem Sexualdelikt. Er näherte sich dem Bett der wach werdenden Schülerin Brigitte Nieschalk, 15, strich ihr über die Wangen und fragte sie ("In hochdeutsch ohne Dialekt"): "Hast du schon einen Freund?" Das Mädchen antwortete: "Ja, einen Schulfreund", und sogleich wurde der Unbekannte zudringlich.

Angsterfüllt schrie Brigitte Nieschalk auf. Der sich Wehrenden fügte der Mörder schwere Messerstiche in Arme und Beine zu. Die gleichen Verletzungen trug Brigittes Freundin Marina Lohde davon, die zu Hilfe eilte.

Der Täter flüchtete aus dem Kinderheim. Als einzige Anhaltspunkte für die Kriminalpolizei hinterließ er den Abdruck seiner Schuhsohlen, ein paar blutverschmierte Nylon-Handschuhe und die Zigarettenkippe.

Nach dieser Analyse stand es für den Hauptkommissar fest, warum seine Beamten "wie vor einer Bretterwand" (Schwichtenberg) gestanden hatten: Der Täter ist sowohl Lustmörder als auch Sexual Verbrecher wie Einbrecher und Dieb -- eine Verbrecherkombination, wie sie der Berliner Kripo in einer Person noch nicht unterlaufen ist. "Ein Geisteskranker oder Einzelgänger", so der Hauptkommissar, "der in keinem Kreis der Unterwelt zu Hause und demzufolge auch nicht auszumachen ist."

Selbst die Kriminal-Kollegen aus der Bundesrepublik konnten den Berlinern nicht helfen. Schwichtenberg: "Ein solcher Typ war auch dem Bundeskriminalamt bislang nicht auf gefallen." Der Chef der Mordabteilung kam zu dem Schluß: "In einem Fall wie diesem müssen wohl die modernen Methoden der Kriminalistik versagen. Den Mörder fängt unter Umständen nur Kommissar Zufall."
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Feelee
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Re: Doppelmord im Kinderheim Zehlendorf (1968)

#3

Ungelesener Beitrag von Feelee » Mi, 21. Okt. 2015, 10:54

Ich hatte von diesem furchtbaren Fall noch nichts gehört. Grausam. Dennoch scheint ja eine Art Mordlust vorhanden zu sein. Er müsste doch in den Jahren danach auch aufgefallen sein. Wer so eine Tat verübt, taucht doch nicht einfach wieder in den tristen Alltag und lebt sein normales Leben weiter.

Wie ist es mit den DNA-Spuren. Seit wann werden Dinge, wie Zigarettenkippen etc. verwahrt? Könnte man diese heute abgleichen und so evtl. noch auf den Täter, der vielleicht aufgrund einer anderen Tat gespeichert wurde, kommen?

Mir stellt sich die Frage, hatte er in irgendeiner Weise, eine Verbindung zur Erzieherin? Evtl. früheres Heimkind? Oder hat er sich seine Opfer ganz ohne Hintergrund ausgesucht?

Vom Gedanken her, würde ich sagen, er kannte sein Opfer, die Erzieherin. Evtl. war er danach so im Rausch, dass er auch noch den Jungen tötete und zu den Mädchen ging.
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