Schon Mitglied bei Allcrime?
Werde Teil unserer Community und du kannst auf unserer kostenlosen und werbefreien Kriminalplattform Themen erstellen, Beiträge verfassen, chatten, dich privat mit anderen Foristen austauschen und alle Funktionen nutzen. [Mitglied werden]

1989 - 1991 | München | Der Kustermann-Mörder

Ungeklärte Fälle im Focus.
Benutzeravatar
Diskussionsleitung
Salva
Administrator
Administrator
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 204
Beiträge: 7472
Registriert: 05.08.2014
Geschlecht:
Wohnort: Cadolzburg
Alter: 55
Status: Offline

1989 - 1991 | München | Der Kustermann-Mörder

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » So, 30. Nov. 2014, 11:51

http://www.tz.de/muenchen/stadt/kusterm ... 62488.html

Bild

"Kustermann-Mörder": Der Biedermann mit dem Pepita-Hut

Ein spießiges Pepita-Hütchen wurde in den Jahren 1989 und 1991 zum Sinnbild des Schreckens.

Es war das Markenzeichen eines Räubers, der als äußerst brutaler „Kustermann-Mörder“ monatelang die Schlagzeilen bestimmte. Als Tatorte wählte er stets belebte Orte aus, an denen zahlreiche Menschen Zeugen seiner Überfälle wurden. Seine Skrupellosigkeit und Geldgier ließ ihn bereits beim ersten Überfall mitten in der Stadt zum Mörder werden. Bei zwei weiteren Überfällen streckte er zwei weitere Männer und ein Mädchen (16) mit gezielten Schüssen nieder. Obwohl so viele Zeugen diesen Mann gesehen haben, ist es nie gelungen, die Identität des Kustermann-Killers zu klären.

Sein erstes Opfer wurde Eckehard Klein (46) — ein Vater von drei Kindern, der zehn Jahre lang in Untermenzing eine Wirtschaft betrieb. Aus Liebe zu seiner kranken Lebensgefährtin Angelika gab Eckehard Klein 1988 sein Lokal auf und suchte sich einen neuen Job. So wurde er Geldbote bei der Münchner Wach- und Schließgesellschaft.

Als guter Sportschütze war er den Umgang mit der Waffe bereits gewohnt. Doch der Mörder ließ ihm nicht mehr die Zeit, zur Waffe zu greifen …Am Abend des 31. Mai 1989 gegen 17.30 Uhr ist die Gegend um den Rindermarkt im Herzen der Stadt voller Menschen. Einer Hausfrau fällt am Haupteingang des Traditions-Geschäftes Kustermann ein seltsamer Mann auf. Er trägt einen beigen Blouson über brauner Hose. Sein Gesicht ist unter Pepita-Hut, breiter Hornbrille und Schnauzbart kaum zu erkennen. Sein Gang wirkt plump, weil er die Fußspitzen beim Laufen auffallend nach außen setzt.

Kurz darauf fährt der weiß-blau lackierte und gepanzerte Geldtransporter vor. Streng nach Vorschrift bleibt Fahrer Attila J. (30) bei laufendem Motor am Lenkrad sitzen, während Beifahrer Eckehard Klein aussteigt. Um 17.45 Uhr kommt er mit dem Geldbombe-Sack wieder aus dem Traditionsgeschäft. Doch das Fahrzeug erreicht er nicht mehr. Ohne eine Wort zu sagen tritt der Mann mit dem Pepita-Hut auf ihn zu und feuert ohne Warnung. Zwei Kugeln treffen Eckehard Klein in den Bauch, die dritte durchschlägt seine Lunge, die vierte verfehlt ihn. Der Wachmann verliert sofort das Bewusstsein. Noch auf der Straße – umgeben von Schaulustigen – beginnt der Wettlauf der Ärzte gegen den Tod. Um 21.30 Uhr stirbt der Familienvater auf dem OP-Tisch. Der Mörder entkommt mit 80 000 Euro. Eckehard Kleins schwer geschockter Kollege Attila J. hat nie mehr einen Geldtransporter gefahren.

Im Sommer des darauffolgenden Jahres – am 6. August 1990 – schlägt der Räuber wieder zu. Der Vizechef der Quelle-Filiale in der Landwehrstraße bringt mit einem Kollegen einen Diplomatenkoffer voller Geld (70 200 Euro) und Schecks zur Bank in der Sonnenstraße. Beide sind unbewaffnet. Plötzlich tritt ein bewaffneter Mann mit Sonnenbrille und Pepita-Hut auf die beiden zu. Als Manfred V. (49) den Koffer nicht sofort hergibt, schießt der Räuber. Drei Kugeln treffen den Quelle-Vize-Chef in den Bauch. Er überlebt knapp.

Seinen letzten, bekannten Überfall verübt der große Unbekannte am 23. Dezember 1991 mitten im Einkaufsgewühl des Olympia-Einkaufszentrums. Genau gegenüber der Nordsee-Filiale versucht der Räuber, dem Hettlage-Geldboten Ralf H. (60) eine Aktentasche mit 50 000 Euro zu entreißen. Doch auch Ralf H. gibt nicht kampflos auf. Dann eilt ihm Nordsee-Verkäuferin Isabella S. (16) zu Hilfe. Da schießt der Räuber wieder. Eine Kugel trifft Ralf H. in den Bauch, die zweite trifft Isabella ins Bein. Die dritte geht ins Leere. Beide Opfer überleben. Der Kustermann-Mörder entkommt mit seiner Beute im weihnachtlichen Einkaufstrubel.

In zwei Fällen hatten die Angehörigen der Opfer böse Vorahnungen. So sagte die Frau des Quelle-Chefs damals weinend: „Ich wollte nicht, dass immer mein Mann das Geld zur Bank bringt. Ich habe gewusst, dass so was mal passiert wie bei Kustermann.“ Und auch Eckehard Kleins Lebensgefährtin hatte ihren Freund mehrmals gebeten, eine schusssichere Weste zu tragen. Doch der 46-Jährige zog da nicht so recht mit. Er sagte: „Das ist mir zu heiß im Sommer …“

Woher hatte er die drei Schusswaffen?

Der Kustermann-Mörder müsste heute ein Rentner von etwa 65 Jahren sein. Er hatte offenbar mühelos Zugang zu scharfen Waffen, weil er bei jeder seiner Taten eine andere Waffe verwendete. Anhand der Geschosse identifizierten die Ballistiker damals drei verschiedene Modelle.

Der Wachmann Eckehard Klein wurde mit einer Pistole Walther PP oder PPK (Kaliber 7.65) getötet. Den Quelle-Vize-Chef trafen Geschosse aus einer tschechischen Ceska-Pistole (Modell 50 oder 70, Kaliber 7,65 Browning). Und im Olympia-Einkaufszentrum eröffnete der Räuber das Feuer auf den Geldboten und die Verkäuferin mit einem Revolver Kaliber 22 Winchester Magnum mit Hohlspitzgeschossen.

Die beiden Pistolen und der Revolver sind nie mehr aufgetaucht und auch bei keinem anderen Verbrechen eingesetzt worden. Sie könnten sich also noch im Besitz des Mannes befinden oder auch illegal verkauft worden sein. Unter Tel. 089/29 10-0 bittet die Mordkommission um Hinweise. Die Belohnung von damals – 73 000 Mark – gilt noch heute.
0



Benutzeravatar
pfiffi
Level 3
Level 3
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 10
Beiträge: 517
Registriert: 25.01.2015
Geschlecht:
Wohnort: Hamburg
Alter: 52
Status: Offline

Re: Der Kustermann-Mörder

#2

Ungelesener Beitrag von pfiffi » Mo, 23. Feb. 2015, 19:33

Was für ein Fall. Kannte ich noch nicht. Ganz dumpf vermeine ich mich an den Pepitahut zu erinnern.

Erstanalyse: Täter ist extrem auf den Gelderfolg angewiesen - stellt dann aber seine Taten ein. Warum? Wegen anderer Taten gefasst = Gefängnis? Oder: Ziel erreicht! Normaler Spießer, der sich beim Hausbau übernommen hat (man google "Hammermörder")? Waffennarr? Muss so sein, er hat in sein Inventar gegriffen. zwar ist es, bei entsprechenden Kontakten, möglich, immer mal wieder Waffen aufzutreiben...das aber würde das Millieu schnell spitz kriegen. Und sooo exorbitant hoch war die Beute nun auch nicht, auch damals nicht. Es war gutes Geld...aber keine Summe, mit der man sich auf die Malediven absetzen kann, ausgesorgt hat (vergl die Schleckerentführer, die haben viel mehr geld durchgebracht und mussten weiter Banken überfallen).

Mein intuitiver Tip: Waffennarr, Spießer, der sich, wie der Hammermröder, beim Hausbau oä übernommen hat.
0

Benutzeravatar
Duchonin
Level 4
Level 4
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 80
Beiträge: 882
Registriert: 13.04.2020
Geschlecht:
Wohnort: Mogilow
Alter: 44
Status: Offline

1989 - 1991 | München | Der Kustermann-Mörder

#3

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Fr, 18. Dez. 2020, 16:39

Ich möchte Zweifel anmelden.
Die ersten beiden Taten könnte der gleiche Täter begangen haben. Die Waffen sind sehr ähnlich und verwenden die gleiche Munition. 7,65mm gilt als kleinstes Kaliber, was noch für Dienstwaffen geeignet ist.

Die dritte Tat mit einem Revolver im Kaliber 5,6mm passt da nicht.
Das ist eher eine Sportwaffe.
Der Täter könnte m.E. eine "Trittbrettfahrer" gewesen sein.

Anderseits könnte bei einem heute ci. 65-jährigen der Vater oder Großvater Offizier gewesen sein.
Damals bestand die Pflicht, in Uniform eine Waffe mitzuführen, um "die Ehre der Uniform schützen zu können".
Und eine P-38 oder gar Parabellum P-08 ist zum Ausgehanzug zum Tanz/Konzert/Kino u.ä. einfach zu groß und unhandlich.
Die Offiziere beschafften sich also privat meist weitere Waffen in kleineren Kalibern.
Die könnte der Täter "geerbt" haben.
Dazu würde allerdings eine Ceska 50/70 nicht passen, weil die erst ab 1947 produziert wurde.
Eine Ceska 27 würde hier passen.
0

Benutzeravatar
IsabellaS
Level 0
Level 0
Beiträge zum Thema: 1
Reaktionen: 0
Beiträge: 1
Registriert: 04.01.2021
Status: Offline

1989 - 1991 | München | Der Kustermann-Mörder

#4

Ungelesener Beitrag von IsabellaS » Mo, 4. Jan. 2021, 22:47

Ja, die Waffe ist nicht die selbe, aber das Vorgehen bei Tat 2 und 3 doch sehr ähnlich. Bei beiden Taten versucht er erst die Geldtaschen zu entreißen und schießt dann. Bei der ersten Tat schießt er sofort. 🤔🤔
0

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema

Zurück zu „Cold Cases“

Wer ist online?

0 Mitglieder | 1 Gast