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1986 | Vöcklabruck/Mondsee, Österreich | Martina Posch (17) ermordet

Ungeklärte Fälle im Focus.
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1986 | Vöcklabruck/Mondsee, Österreich | Martina Posch (17) ermordet

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 5. Dez. 2014, 08:56

Vor 28 Jahren, am 12. November 1986, verschwindet in Vöcklabruck, Oberösterreich, die 17-jährige Martina Posch spurlos, 10 Tage später wird ihre Leiche im Mondsee gefunden, sie weist Spuren eines Sexualverbrechens auf.
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Daraufhin beginnt eine der größten Ermittlungsaktionen des Landes, mehr als 2000 Personen werden befragt, aber der Täter wird nie gefunden. Trotzdem ist der Fall 28 Jahre später noch immer im Gespräch, die Bevölkerung stellt noch immer Mutmaßungen an, Kindern und Enkelkindern wird die Geschichte weitererzählt, Bücher erscheinen, neue Theorien tauchen auf und Zeitungen berichten über angebliche Versäumnisse in der Vergangenheit genauso wie über Parallelen zu heutigen Fällen. In den Köpfen der Menschen lebt der ungelöste Mordfall Martina Posch als Mysterium weiter.

Am 12. November 1986 verlässt Martina in Vöcklabruck/OÖ das Haus ihrer Mutter, um wie gewohnt mit dem Bus zur Arbeit zu fahren, sie ist Lehrling in einem Betrieb im benachbarten Attnang-Puchheim. Dort kommt sie nie an. Nachdem sie um 6.40 aus dem Haus gegangen war, hat sie nie wieder jemand lebend gesehen - außer ihrem Mörder. Der Freund Herbert B. und die Mutter des Mädchens starten in den Abendstunden, als klar ist, dass Martina nicht in der Arbeit erschienen war, eine großangelegte Suchaktion, die Gendarmerie wird eingeschaltet. 10 Tage nach ihrem Verschwinden finden Taucher im Mondsee die halbnackte Leiche des Mädchens, in Planen gehüllt. Die Tote fällt ihnen geradezu in die Arme, war sie doch an der seichtesten Stelle des Sees versenkt worden. Alles deutet darauf hin, dass sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Gesicherte Spuren weisen außerdem auf einen kühlen Zwischenlagerungsort hin, Reste von Saatkörnern, Getreide, stützen die Theorie, dass es sich um eine Scheune handeln könnte. Außerdem ergibt die Untersuchung der Leiche, dass sie spätestens zwei Stunden nach Verlassen des Elternhauses durch Erwürgen getötet worden sei.

Von diesen Fakten kann man auch heute noch mit Sicherheit ausgehen, aber was in der Zeit vom 12. November, 6.40, bis zum 22. November passiert ist, darüber gibt es wilde Theorien, viele Mutmaßungen, aber schließlich eine große Ahnungslosigkeit, verbunden mit der Hoffnungslosigkeit, dass der Täter in Ruhe alt werden wird, stirbt, ohne je für seine Tat belangt worden zu sein.

In regelmäßigen Abständen berichten Boulevardblätter wie die Kronen Zeitung wieder über den Fall, decken angebliche Versäumnisse auf und schüren den Glauben an eine Lösung des Falls. Es wird angeprangert, dass die zwei Planen, in die das Opfer gewickelt war, verschwunden sind, ebenso kehrte ihr Pullover nie aus dem Studio von Aktenzeichen XY zurück. Angeblich erhielt das Landesgericht Wels nur einen Teil des Aktenordners, den die Gendarmerie im Fall Martina Posch angelegt hatte. 2008, als der Amstettener Inzestfall rund um Josef Fritzl bekannt wurde, geriet der Fall Martina Posch wieder ins Interesse der Medien und der Bevölkerung, weil die Fritzels zum Zeitpunkt der Tat am Mondsee eine Pension betrieben hatten. Der Verdacht wurde geprüft, aber genau wie den zahlreichen Verdächtigen vorher, konnte man Josef Fritzl keine Verbindung zu dem Mädchen nachweisen.

Die tatsächlichen Ermittlungsarbeiten von Manfred Schmidbauer, leitender Kriminalist im Fall Martina Posch und jetzt Landesgendarmeriekommandant a. D., begannen mit 10 Tagen Verspätung, 10 Tage, die wie ein Geschenk für den Mörder waren. Vorher konzentrierten sich die Ermittlungen aufgrund falscher Hinweise darauf, dass Martina entführt worden, oder einfach von zu Hause ausgerissen ist, was man in ihrem Alter nicht für unwahrscheinlich hielt.

Über 2000 Personen wurden befragt, Anrainer, Freunde, Bekannte, Angehörige und auch Pendler, die die Bushaltestelle passiert hatten, wurden als Zeugen vernommen. Noch nie war in Oberösterreich großflächiger ermittelt worden. Schon bald begann man aber den Kreis der Verdächtigen sehr eng zu ziehen, der Täter wurde im Umfeld des Opfers angenommen, jedoch ohne Ergebnis. Norbert Blaichinger, Journalist und Autor des Buches „Mysteriöse Kriminalfälle aus Österreich“ mutmaßt, dass diese frühe Fokussierung das Glück des Mörders gewesen sein könnte. Er befasst sich in diesem Buch eingehend mit diesem Fall. Aus Interesse, weil der Fall so Nahe bei ihm passiert sei und weil es dabei um ein junges Mädchen geht, begann er sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und beschäftigt sich noch immer damit. Seiner Theorie zufolge hatte sich Martina mit einem Unbekannten verabredet, der sie eventuell schon vorher öfters zur Arbeit gebracht hatte, was fehlende Busabrechnungen belegen würden. Der Unbekannte wurde dann zudringlich, Martina wehrte sich und wurde im Affekt erwürgt. „Wenn die Polizei aber der Theorie, die ich ihnen jetzt geliefert habe, nicht nachgeht, dann ist es für mich zu Ende. Dann sehe ich keine Chance mehr, noch weiter zu agieren.“ Eigentlich hält Norbert Blaichinger den Fall noch für lösbar.

Auch Manfred Schmidbauer, der damals leitender Ermittler war und als Oberösterreichs erfolgreichster Kriminalist bezeichnet wird, lässt der Fall noch 26 Jahre danach nicht los. 179 Fälle konnte er in seiner erfolgreichen Karriere aufklären aber einer, der Fall Martina Posch, blieb ungelöst und beschäftigt ihn noch jetzt, in seiner Pension. Manfred Schmidbauer hat sich auch an Norbert Blaichingers Buch beteiligt und ist mit ihm die von verschiedenen Seiten aufgestellten Theorien durchgegangen. „Einige sind wenig wahrscheinlich, aber sie müssen gestellt werden, um objektiv und neutral zu bleiben.“ Außerdem erhofft sich der Kriminalist a.D., dass der Täter durch solche Bücher und auch dadurch, dass der Fall nicht in Vergessenheit gerät, verunsichert wird und einen Fehler begeht.

Auch die Kriminalistik legt einen ungelösten Mordfall nicht einfach ab und erklärt ihn für beendet. Er wird zu einer sogenannten Cold Case Ermittlung, zu Deutsch einem Verfahren der Schwerkriminalität, wie man es aus amerikanischen Filmen und Serien kennt. Obwohl keine verwertbaren Spuren mehr vorhanden sind, wird der Akt Martina Posch in regelmäßigen Abständen von Spezialisten wie Kriminalisten, Analysten und Psychologen auf neue Erkenntnisse hin bearbeitet.

„Auch wenn ich weiß, dass es sehr unwahrscheinlich ist, den Täter noch zu überführen, gebe ich die Hoffnung nicht auf“ betont Manfred Schmidbauer. Auf die Frage, was ihn am Fall Martina Posch am meisten beschäftige, antwortet er: „Der Umstand, dass ich mir sicher bin, mit dem Täter bereits gesprochen zu haben.“

Quelle: http://worterei.blogspot.de/2012/07/die ... loste.html


Video: Martina Posch
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Zuletzt geändert von Salva am Di, 12. Apr. 2016, 20:46, insgesamt 1-mal geändert.



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Der Fall Posch, Martina

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 5. Dez. 2014, 09:07

Ermittlungen

Durch ihre Fahrkartenabrechnungen bei ihrer Arbeitsstelle und durch Zeugenaussagen von Freundinnen ergab sich die Tatsache, dass Martina Posch seit September 1985 in unregelmäßigen Abständen von einem Mann mit dem Auto zur Arbeit gebracht und wieder nach Hause gefahren wurde. Die Identität dieses Mannes konnte jedoch nie festgestellt werden. Trotz mehr als 2.000 Verhören und Befragungen, der Überprüfung von mehr als 500 Alibis sowie der Ausstrahlung des rekonstruierten Mordfalles in der Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst, konnten keine weiteren Hinweise auf einen Täter erhalten werden. Ebenfalls unbekannt blieben der Tatort sowie der Zwischenablageort der Leiche, bei dem es sich anhand gesicherter Spuren wahrscheinlich um eine Scheune gehandelt hat.

Größte Hoffnung stützten die Beamten auf die fehlerhaft hergestellte Plane, mit der Martina Posch eingewickelt war. Diese wurden ausschließlich in Lenzing produziert und solche, die wegen eines Gewebefehlers ausgesondert worden waren, vergünstigt an werksinterne Personen abgegeben. Die Beamten überprüften erfolglos sämtliche Mitarbeiter des Werks und stellten Beispielplanen in Geschäften und Banken der Umgebung aus.

Im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte verschwanden ein Pullover, der an der Leiche sichergestellt wurde, und die beiden Planenteile, in die Martina Posch eingewickelt war. Nachforschungen über den Verbleib dieser Gegenstände blieben erfolglos. Das Landesgericht Wels beklagte zudem, dass es selbst auf mehrmalige Anforderung hin nie die vollständigen Akten, Niederschriften und Beweismittel zu dem Mordfall erhalten habe. Damals wurden auch noch keine DNA-Spuren gesichert, wie es bei aktuellen Mordfällen zum Standard-Prozedere gehört. Der Versuch einer nachträglichen DNA-Sicherung an den noch vorhandenen Beweisstücken blieb lange erfolglos. Dies erwies sich als besonderer Rückschlag, da es nun nach über 25 Jahren und ohne DNA-Vergleich nahezu nicht mehr möglich war, einen leugnenden Verdächtigen zu überführen. Am 9. Februar 2013 meldeten die Oberösterreichischen Nachrichten und ebenso die Salzburger Nachrichten, dass es den Sicherheitsbehörden gelungen sei, unter den Fingernägeln des Mordopfers DNA-Spuren zu isolieren, von denen sich die Ermittler sicher seien, dass sie vom Täter stammen. Zehn Verdächtige konnten dadurch bereits als nicht mehr verdächtig eingestuft werden.

Manfred Schmidbauer, der ehemalige Chefermittler und letzte Landesgendarmeriekommandant von Oberösterreich, befasst sich weiterhin mit dem Delikt („Dieser Fall hat mich bis heute nicht in Ruhe gelassen“... „Der Mörder von Martina Posch soll nicht ruhig schlafen können“). Von 179 Tötungsdelikten, in denen er ermittelte, ist der Mordfall Martina Posch der einzige, der unaufgeklärt blieb. Er unterstützte auch den Journalisten Norbert Blaichinger bei dessen 2011 erschienenen Buch „Mysteriöse Kriminalfälle in Oberösterreich“, dessen größtes Kapitel sich dem Mordfall Martina Posch widmet.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Martina_Posch
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Der Fall Posch, Martina

#3

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 5. Dez. 2014, 09:08

Hauptverdächtige

Als einer der Verdächtigen zählte Konrad K. aus dem oberösterreichischen Leonding, der wegen Vergewaltigung von vier Mädchen 1991 verurteilt wurde. Es konnte ermittelt werden, dass er sich rund 20 Minuten nach dem Mord im nur 12 km entfernten Laakirchen aufhielt. Die Ermittler befragten ihn mehrmals zu dem Fall, doch K. leugnet die Tat vehement.

Ein weiterer Verdächtiger wurde Wolfgang Ott, der zwei Frauen an Ufern von Gewässern in der Steiermark ermordet hatte und 1995 nahe dem Attersee in Oberösterreich verhaftet wurde. Auch Ott leugnete das Verbrechen. Selbst Friederike Blümelhuber, eine in Österreich führende Kriminaltechnikerin, glaubt nicht an seine Täterschaft.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte der Mordfall nach der Festnahme des Sexualstraftäters Josef Fritzl im Jahr 2008, der seine Tochter rund 24 Jahre in einer Kellerwohnung gefangenhielt und mit ihr sieben Kinder zeugte. Fritzl betrieb zur Tatzeit gemeinsam mit seiner Frau die gegenüber der Leichenfundstelle gelegene Pension „Zum Seestern“. Martina Posch soll zudem seiner Tochter sehr ähnlich gesehen haben.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Martina_Posch
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