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1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

Ungeklärte Fälle im Focus.
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loraflora
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1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

#1

Ungelesener Beitrag von loraflora » Sa, 5. Nov. 2016, 13:13

Andrea Welsch (22) aus Coburg vor 35 Jahren auf Ibiza verschwunden
Bild nicht mehr vorhandenAndrea Welsch (22) seit 1981 vermisst. Quelle: Tinypic
Mutter gegen Mädchenhändler

Vor 25 Jahren verschwand eine junge Deutsche auf Ibiza. Ihre Spur verliert sich im Zuhälter-Milieu, dem auch ein Solinger und ein Kölner angehören. Kein deutscher Polizist ermittelt mehr in diesem Fall. Nur die Mutter sucht weiter - obwohl sie damit ihr Leben aufs Spiel setzt.

Die Geschichte endet, wie sie vor 25 Jahren begann: Andrea ist weg. In diesen gut zwei Jahrzehnten hat eine Mutter Fürchterliches ertragen, ihr Leben riskiert, immer weiter gekämpft, haben Polizisten Verdächtige verhört, verhaftet und wieder freigelassen, haben Anwälte ermittelt, Aktenordner gefüllt und beiseite gelegt, haben viele offenbar nicht genug und eine Mutter alles Menschenmögliche getan. Es änderte nichts. Andrea ist weg. Verschwunden am 29. August 1981 auf Ibiza. Vielleicht ertrunken. Vermutlich ermordet. Oder lebt sie noch?

Andrea W. ist ein lebensfroher Mensch. 22 Jahre alt, volles dunkles Haar. Die Industriekaufrau aus Franken arbeitet in einer Möbelfabrik. Manchmal steht sie Modell für die Fotos in den Möbelkatalogen. Andrea schaut man sich gerne an. Rainer P. sieht Andrea am Abend des 28. August 1981. Da sitzen sie und ihre Freundin im Restaurant "Marisol" in Ibiza-Stadt. Der blonde Kölner, der auf der Baleareninsel lebt, und die beiden Urlauberinnen rücken zusammen, reden, wechseln gemeinsam die Kneipe. Andrea trinkt einen Kakao mit Rum. Und ihr wird übel. "Sie wollte sich nur noch hinlegen." Das sagt ihre Freundin Tage später der Polizei. Rainer P.'s Boot ankert im nahen Hafen. Er nimmt die Frauen mit an Bord der "Gitana". "Ruh dich aus. Ich zeig‘ deiner Freundin Ibiza. In einer Stunde holen wir dich wieder ab", schlägt er vor. Andrea willigt ein. Nicht eine, vier Stunden zieht P. mit der Freundin durch die Stadt. Dann verabschiedet er sich von ihr, sie geht zurück ins Hotel. Dort erscheint Andrea nicht. Nie mehr.

Vier Tatverdächtige mit vier Versionen

Was ihr widerfährt, werden später vier Tatverdächtige, darunter der Kölner Rainer P. und der Solinger Dirk P. , schildern, jeder eine andere Version. "Andrea ist an ein Bordell nach Afrika verkauft worden." "Andrea ist bei der Übergabe auf See über Bord gefallen." "Andrea ist vergewaltigt worden, ins Meer gesprungen, von der Schiffsschraube erschlagen worden." Drei Tage später fliegt die Freundin zurück nach Nürnberg. Allein. Erst jetzt, am Flughafen, erfährt Andreas Mutter, dass ihr einziges Kind verschwunden ist. "Da bin ich fast durchgedreht", erinnert sich Christel W., die nach 25 Jahren Kampf gegen die mutmaßlichen Mädchenhändler anonym bleiben möchte.

Noch am gleichen Tag versucht die heute 67-Jährige, einen Privatjet zu chartern. Zwei Tage später fliegt sie - Linie - nach Ibiza. Ihr Kind findet sie nicht, wohl aber den Kölner P., von dem die Freundin nicht mehr wusste, als dass er Rainer heißt und einen gelben Mini fährt. Die Mutter weiß bald mehr: Schon einmal hat die Bande um P. eine Deutsche aus einer Disco nach Marokko zu verschleppen versucht. Sie entkam - nachdem sie der Kölner vergewaltigt hatte. Rainer P. arbeitet für Zuhälter und Dealer. Und: Rainer P. hat viele Freunde, auch unter ibizenkischen Polizisten. P. wird verhört und gehen gelassen. In den folgenden Jahren wird er immer wieder in U-Haft sitzen und bald wieder draußen sein - genauso wie die anderen Tatverdächtigen. Die Kölner Staatsanwaltschaft, die in Deutschland ermittelt, "fühlt sich machtlos". Die spanischen Kollegen kooperieren nicht, halten die Akten unter Verschluss. Die Arbeit der Behörden - Christel W. übernimmt sie. Und mehr. Sie schreibt Petitionen, beauftragt Detektive, spürt den Verdächtigen nach, reist wieder und wieder nach Ibiza. "Mein letztes Geld habe ich ausgegeben. Es war für mein Kind."

Ermittlungen wurden eingestellt

Nach Informationen unserer Zeitung wird die Akte Andrea W. bei der Kölner Staatsanwaltschaft zuweilen auf- und wieder zugemacht. Kein deutscher Polizist ermittelt mehr. Bleibt ein Mord ungesühnt? "Wenn jetzt jemand sagte, er habe Andrea umgebracht, gäbe mir das inneren Frieden", sagt Christel W.. "So aber wird es mich bis zum letzten Tag belasten." Diese Mutter hat alles Menschenmögliche getan. Und doch: Andrea ist weg.
Wie die Mutter selbst bedroht wurde erfahrt ihr im vollständigen Artikel von Kathrin Lenzer bei RP-Online vom 29. August 2006.
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Re: 1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

#2

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 5. Nov. 2016, 18:08

@loraflora
Habe deinen Thread wie besprochen bearbeitet. Ist besser als löschen und neu einstellen lassen ;)

Ich habe zum Fall noch andere Quellen gefunden:

Zeit online: Warten auf ein Lebenszeichen
Von Peter H. Jamin am 10. April 1992
In dem Artikel wird Andrea als 20-Jährige benannt

Vermisste Menschen - Personensuche
Dort sind noch weitere Quellen gelistet

Zudem habe ich dort auch diese spanischen Quellen aufgerufen und kaue die mal durch. Beim überfliegen habe ich ein paar interessante Infos entdeckt.

@loraflora
Hast du einen persönlichen Bezug zu diesem Fall? Mir ist aufgefallen, dass die Threads in den anderen Foren auch erst ein paar Tage alt sind.
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loraflora
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Re: 1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

#3

Ungelesener Beitrag von loraflora » Sa, 5. Nov. 2016, 19:15


"Ich will, dass kein Opfer von Gewalt und Missbrauch je vergessen wird!"
- Salva

Darum geht es auch in diesem Fall. Das ist mein Anliegen.

Ja, inzwischen gibt es Berichte darüber auf mehreren Plattformen und das ist gut so.
Die spanischen Zeitungsberichte sind sicher interessant, denn sie scheinen die beiden einzigen deutschen Artikel, die es online gibt, in wichtigen Zusammenhängen zu ergänzen. Es wäre wünschenswert, Übersetzungen davon zu haben.

Peter H. Jamin hat den von dir geposteten ZEIT ONLINE Artikel mit diesem Satz eröffnet:
Auf Ibiza verschwand 1981 die damals zwanzigjährige Andrea Welsch aus Coburg. Die Polizei vermutet, daß sie von international tätigen Zuhältern und Drogendealern entführt wurde.
Mehr erfahren wir dort leider nicht über den Fall, aber die Tatsache, daß er ihn an erster Stelle erwähnt, spricht für sich.

Noch deutlicher wurde er in dem Artikel, den er für die Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, Nr. 4 April 2007, schrieb:
Andrea W. – die Entführer sind frei

Einer der ungewöhnlichsten Vermisstenfälle, der mich schon seit Anfang der 1990er Jahre immer wieder beschäftigt, ist das Verschwinden der damals 22 Jahre alten Andrea W.. Im August 1981 fliegen die junge Frau und eine Freundin in den Urlaub nach Ibiza. Sie quartieren sich in einem Doppelzimmer im Hotel „Florida“, 12 Kilometer außerhalb von Ibiza-Stadt, ein. Am 28. August lernen die Freundinnen einen Deutschen und einen Österreicher kennen, mit denen sie in Nähe des Hafens von Ibiza-Stadt das Restaurant „Marisol“ besuchen. Später wechseln sie gemeinsam ins Restaurant „La Terra“, wo Andrea einen Kakao mit Rum trinkt. Nach dem Genuss wird es Andrea schlecht. Ihr Zustand verschlimmert sich, die 22-Jährige hat nur noch einen Wunsch, sich hinzulegen. Der Deutsche bietet dem Mädchen an, sich auf seinem Boot „Gitana“, das im Hafen vor Anker liegt, auszuruhen. Andrea willigt ein und wird zum Schiff gebracht. Seitdem wird die junge Frau vermisst – der Beginn einer Entführung. (...)
Link https://www.gdp.de/Gdp/Gdp.nsf/id/dp200 ... ol0704.pdf Seite 10/11

Dieser Artikel bezieht sich auf den vorherigen von Kathrin Lenzer und ergänzt ihn um einige Details.

Peter H. Jamin dürfte hier jedem ein Begriff sein: http://www.jamin.de/Jamin/VERMISST.html

Warum das Alter von Andrea in dem ZEIT-Artikel mit 20 angegeben wird, weiß ich nicht. Vielleicht einfach ein Übertragungsfehler?
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Re: 1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

#4

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 5. Nov. 2016, 19:58

Alles klar, @loraflora. :like:
Ich dachte, dass du eventuell jemanden aus der Familie kennst oder kanntest. Wäre nicht das erste mal, dass sich hier Bekannte oder Angehörige zu Wort melden.
[hr][/hr]
Zusammengefasst beschreiben diese spanischen Artikel, was der bei RP-Online auch schon umrissen und angedeutet hat: einen Sumpf aus Kriminellen, die sich um diesen Rainer Pertuch getümmelt haben und deren Beziehungen zur spanischen bzw. örtlichen Polizei. Letztere ging später davon aus, dass Andrea ertrunken sei und in dem betreffenden Seegebiet aufgrund der starken Strömungsverhältnissen weder gefunden, noch geborgen werden könne.
Am 18. Februar 1982 wurde bekannt, dass der Kölner Kriminalbeamte Hans Sigfried nach Spanien reiste, um bei den Verhören anwesend sein zu können. Womöglich gingen die deutschen Behörden recht früh von einem Mordfall aus, während die spanischen Kollegen einen Unfall plausibel machen wollten. Inwiefern die Verstrickungen der Polizei und den Menschenhändlern und Zuhältern der Wahrheit entsprachen, wird dort nicht genannt.

Gleichzeitig mit Rainer P., wurde auch Andrea's Freundin und Reisebegleiterin Marina Fleischmann einige Tage nach dem Verschwinden von Andrea verhaftet und vernommen. Beide mussten aufgrund Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden, wobei P. zudem noch ein Alibi von einem Freund bekam.
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1981 | Ibiza | Andrea Welsch (22) vermisst

#5

Ungelesener Beitrag von loraflora » So, 30. Sep. 2018, 18:54

Aus dem Buch von Peter H. Jamin, das er unter Mitarbeit von Kathrin Lenzer 1993 veröffentlicht hat:

Beispiele gibt es viele: Auf Ibiza verschwindet 1981 die damals 20jährige Andrea Welsch aus Coburg – vermutlich von international tätigen Zuhältern und Drogendealern entführt. (Seite 12)

Im August 1991 erhalten Freunde und Bekannte der Familie Welsch aus Süddeutschland eine Din-A4-große Karte. Auf gelblichem Büttenpapier ist ein junges Mädchen abgebildet. Darunter steht in fetter schwarzer Schrift „Andrea Welsch, geboren: 24.10.1959, vermißt: 31.8.1981 auf Ibiza (Spanien)“. Daneben ist ein Text gedruckt: „Wir erinnern an unsere innigstgeliebte Andrea. Seit zehn Jahren gilt Andrea als vermißt – von einem Urlaub nicht mehr zurückgekehrt. Trotz größter Bemühungen konnte ihr Schicksal bis heute nicht aufgeklärt werden. Wir werden nie aufhören, nach Andrea zu suchen und empfehlen sie in der Zwischenzeit der Fürsorge Gottes.“

Wenn es je eine beispielhafte Suche von Angehörigen gegeben hat, dann die nach Andrea Welsch aus Coburg. Sie führt die Familie an den Rand des wirtschaftlichen Ruins und in ein Minenfeld größter Enttäuschungen. Christel Welsch, die heute unter anderem Namen im Süden Deutschlands lebt, ist zu Recht „der Auffassung, selbst alles Menschenmögliche getan zu haben, um das Schicksal meiner Tochter zu erforschen“. Sie recherchiert vor Ort, investiert ihr Vermögen, beschäftigt Rechtsanwälte und Detektive, wandte sich an Politiker wie Bundeskanzler Helmut Kohl oder den spanischen Präsidenten Gonzales. Doch bis heute ist Andrea nicht zurückgekehrt.

Was geschah auf der spanischen Hippy-Flippi-Insel Ibiza? Im August 1981 fliegen Andrea Welsch und eine Freundin zum Urlaub dorthin. Sie quartieren sich in einem Doppelzimmer im Hotel „Florida“, 12 Kilometer außerhalb von Ibiza-Stadt, ein. Am 28. August besuchen die Freundinnen in Begleitung eines Deutschen und eines Österreichers in Hafennähe von Ibiza-Stadt das Restaurant „Marisol“, später wechseln sie gemeinsam ins Restaurant „La Terra“, wo Andrea einen Kakao mit Rum bestellt.

Und dann beginnt das Verhängnis: Gegen Mitternacht wird es Andrea schlecht. Ihr Zustand verschlimmert sich, die 22jährige hat nur noch einen Wunsch, sich hinzulegen. Der Deutsche bietet dem Mädchen an, sich auf seinem Boot „Gitana“, das im Hafen vor Anker liegt, hinzulegen. Andrea willigt ein und bleibt auf dem Schiff, währen ihre Freundin mit dem Deutschen in der Nacht noch verschiedene Diskotheken besucht.

Was in der Nacht und dem darauf folgenden Tag passiert, kann bis heute niemand, außer jenen, die mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun haben, genau sagen. Fest steht: Andreas Freundin hat gesehen, wie Andrea auf das Schiff ging, und Zeugen wollen das Mädchen am nächsten Tag auf Deck völlig apathisch, vollständig bekleidet in der Sonne liegend und bei der Ausfahrt des Schiffes aus dem Hafen an Bord gesehen haben. Seitdem wird die Deutsche vermißt.

„Andreas Freundin kehrt am 1. September allein aus Spanien zurück“, berichtet Maria Welsch. „Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich dann zum ersten Mal über das Geschehen der vergangenen Tage.“ Die Mutter schaltet das deutsche Konsulat in Spanien ein, setzt sich mit dem Hotel in Verbindung und erfährt dort, daß sich die gesamte persönliche Habe der Tochter – Reisegepäck, Flugticket, Reisepaß, Bargeld und Schecks – noch dort befindet.

Die Mutter hat ein gutes Verhältnis zur Tochter. „Sie war frei, ihre Lebensumstände oder ihren Lebensraum zu verändern, sei es nun mit oder ohne Billigung ihrer Angehörigen“, meint Christel Welsch. „Weder aus familiärer noch aus beruflicher Sicht – meine Tochter war als Industriekauffrau dem Betrieb meines Vaters zugehörig – findet sich eine Erklärung für das Verschwinden.“

Die besorgte Mutter fliegt auf die Insel, geht zur Polizei, zum deutschen Konsulat und versucht, die Tage des Verschwindens zu rekonstruieren und Spuren finden, die zu ihrer Tochter führen könnten. Sie verteilt Fotos der Tochter, forscht in Krankenhäusern, beauftragt deutsche und spanische Anwälte mit Recherchen. Deutsche und spanische Polizeibehörden ermitteln. Mehrmals wird im Verlaufe der polizeilichen Ermittlungen der deutsche Bootsbesitzer in Spanien festgenommen, verhört und wieder freigelassen – er soll wegen Entführung des Mädchens angeklagt werden, doch bis heute hat keine Gerichtsverhandlung stattgefunden.

Die Recherchen der Mutter, die insgesamt fünfmal nach Ibiza reist, um die Aufklärung des Verschwindens ihrer Tochter voranzutreiben, die Nachforschungen von Reportern und die Ermittlungen der Polizei führen schließlich in ein undurchsichtiges Zuhälter-Milieu, in dem Aussagen erpreßt, erlogen und später wieder zurückgezogen werden.

Die Dimension dieser kriminellen Aktivitäten zeigt sich schließlich im ganzen Ausmaß, als ein Ehepaar aus Deutschland, das in die Fänge einer mysteriösen Gewaltszene in Benidorm geraten war, feststellt, daß der Deutsche, der schon mit dem Verschwinden von Andrea in Verbindung gebracht wird, offensichtlich auch hier seine Finger im Spiel hat.

Das Ehepaar aus Norddeutschland besucht eine Diskothek, dem Ehemann wird schlecht, und die Ehefrau wird bei einem Gang zur Toilette von unbekannten Männern entführt. Die Frau wird auf ein Schiff gebracht, wo sie erfährt, daß sie noch in der Nacht nach Marokko gebracht würde. Doch das Schiff, das sie abholen soll, kommt nicht. Dafür erscheint am Morgen ein Deutscher, der sich für das schlechte Benehmen seiner Besatzung entschuldigt, sich dann anbietet, sie zu ihrem Ehemann zurückzubringen, sie statt dessen aber in einem Hotelzimmer des Ortes vergewaltigt und dann verschwindet. Später identifiziert die Entführte ihn als den Deutschen, auf dessen Schiff auch Andrea verschwunden ist.

Im Dezember 1982 wird dieser Mann in Alicante festgenommen, Kriminalbeamte aus Coburg fliegen nach Spanien, um ihn zu verhören. Er liefert ihnen gleich eine Auswahl von Geständnissen, aber keine Fakten, sondern eher einen Beweis seiner Phantasie: Mal ist Andrea beim Baden ertrunken, ein anderes Mal starb sie nach einer Vergewaltigung, dann wieder sprang sie ins Meer und ertrank, als sie auf hoher See auf ein anderes Schiff übergeben werden sollte.

Das Ergebnis aller Bemühungen: Die mutmaßlichen Täter sind wieder frei, und bis heute ist das Schicksal der Vermißten Andrea Welsch nicht geklärt. Und der Mutter drängt sich immer deutlicher „der entsetzliche Gedanke auf, daß meiner Tochter möglicherweise durch ein Verbrechen ein schreckliches Leid zugefügt worden sein könnte – bis hin zur Tötung“.

Nicht zu wissen, was mit einem geliebten Menschen passiert sein könnte, ist schon schlimm. Anhaltspunkte dafür zu erhalten, daß eine Tochter in die Fänge einer Mafia geraten sein könnte, die junge Frauen mißbraucht und entführt – auf Ibiza verschwinden immer wieder junge Mädchen – bedeutet jedoch für die Angehörigen die Hölle seelischer Qualen. Insbesondere, wenn man sich vorstellt, was für einen Leidensweg die betroffenen Mädchen und Frauen mitgemacht haben oder – eine Horror-Vision – in diesem Moment durchstehen.

Aber die kriminelle Welt, in der manche Vermißten verschwinden, ist in der Tat so grausam, daß es kaum zu beschreiben ist – und die Polizei ist in vielen Fällen machtlos. Kenner der Szene wissen schon lange, daß in der Bundesrepublik ebenso wie im übrigen europäischen Ausland international organisierte kriminelle Vereinigungen ihr Unwesen treiben: Drogenhandel und Korruption, Entführung und Erpressung, Raub und Mord gehören zum Standardprogramm. (Seite 67 - 72)


VERMISST! Von Peter H. Jamin unter Mitarbeit von Kathrin Lenzer, 1993, Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach


(Sachliche Diskrepanzen, z. B. verschiedene Namen der Mutter, unterschiedliche Altersangaben von A. W., wurden unkorrigiert übernommen.)



Wurde "der Deutsche" wegen Vergewaltigung verurteilt?
Es bleiben viele Fragen, den Verfolgungsbehörden scheinen die Hände gebunden gewesen zu sein, bzw. es lagen ihnen keine ausreichenden Beweise vor?
Alles sehr, sehr seltsam und immer wieder muß man sich fragen: Cui bono?
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