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1987 | Wahren | Sylke Müller (19) ermordet

Ungeklärte Fälle im Focus.
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Salva
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1987 | Wahren | Sylke Müller (19) ermordet

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » So, 24. Jun. 2018, 19:50

Die 19-jährige Sylke Müller wurde von ihrem Freund verlassen und hat deswegen Liebeskummer. Darüber redet sie noch am 22.März 1987 mit ihrer Oma, die in Böhlitz-Ehrenberg wohnt. Gegen 17 Uhr macht sie sich auf dem Weg nach Hause nach Lützschena. Doch dort kommt sie nie an.

Bild
Sylke Müller, † 19. Foto: Privat/Polizei

Als Sylke am nächsten Morgen noch immer nicht zu Hause ist, beginnt eine großangelegte Suchaktion. Polizisten durchstreifen umliegende Wälder, befragen Verwandte, Freunde und Passanten. Doch Sylke bleibt spurlos verschwunden.

42 Tage später meldet sich der 26-jährige Jörg M. bei der Polizei und sagt, dass auf einem Abbruchgrundstück hinter dem Wahrener Rathaus eine tote Frau liegt. Sofort macht sich die Mordkommission auf den Weg und findet in einer alten Trockentoilette kopfüber die tote Sylke. Sie wurde vergewaltigt und erdrosselt. Im Genitalbereich finden sich Spermaspuren und in ihrer Brust klafft eine große Bisswunde: die stammt von Jörg M.! Doch der Mann kommt, so die Ermittler, als Täter nicht infrage. Er war zur Tatzeit - als Todeszeitpunkt wurde der 22. März, 21.30 Uhr, bestimmt - in Berlin. Aber wie kamen die Bissspuren in die Brust der Leiche? Jörg M. sagt: "Ich will darüber nicht mehr reden." Wer hat Sylke dann getötet? Jörg M.: "Ich war’s nicht."

Das Alibi des Tatverdächtigen

Jörg M. wurde verhaftet, bestritt aber die Tat. Man brachte ihn in eine Zelle, die er mit einem sogenannten Zelleninformanten teilen musste. Die Ermittler hofften, dass er sich ihm gegenüber öffnen würde. Doch er erzählte nur, was die Kripo ohnehin wusste: Dass er zur fraglichen Zeit im Grenzgebiet Berlin-Treptow bei seinem Bruder war, der dort eine Laube besaß. Er wurde ohne Passierschein aufgegriffen und überprüft. "Grenzer der Hauptstadt gaben unserem Verdächtigen praktisch ein Alibi", bestätigte der damals oberste Fahndungschef der DDR-Kriminalpolizei, Gerhard Lauter. Zudem passte ein Gebißabdruck des Tatverdächtigen nicht zweifelsfrei zu dem auf Sylkes Körper.

Asservate verschwunden

Der einstige Chef-Ermittler Lauter, er hatte sich inzwischen als Rechtsanwalt niedergelassen, begann auf Drängen von Sylkes Vater mit neuen Recherchen. "Der Fall hatte mich nie losgelassen", gesteht er. "Sylkes Vater drängte und bevollmächtigte mich." Mit Erlaubnis der Staatsanwaltschaft sichtete Lauter Dutzende Kartons mit Aktenordnern, las die Vernehmungsprotokolle seiner früheren Kollegen. "Sie hatten gute Arbeit geleistet", meint der heute 64-Jährige. Und er erzählt auch, dass bei ihm ein Verdacht reifte, für den er aber keine Beweise erbringen konnte. Vor allem, weil das Wichtigste fehlte: die Asservate mit den Spuren des Täters, die die Polizei damals am Fundort sichergestellt hatte. Darunter der Slip mit Spermasekreten sowie Unterhemd und Anorak des Opfers.

Da Mord nicht verjährt, werden solche Asservate bei der Polizei sorgfältig beschriftet aufbewahrt - bis ein Fall geklärt ist. Zur Not über Jahrzehnte hinweg. Im Fall von Sylke Müller sind sie verschwunden. Vermutlich in den Wendewirren, beim Umzug der Behörde oder durch ein Hochwasser.

Sylke's Mutter Elisabeth ist an der Ungewissheit und ihrem Schmerz zugrunde gegangen. Sie begann zu trinken. Am 29. Oktober 1995 brachte sich die 57-Jährige mit einem Fön in der Badewanne um.

Günther Müller, Sylke's Vater, starrt auf ein eingerahmtes Bild in der Schrankwand. Sylke! Er holt eine Kiste mit Fotos: Sylke! Als kleines Mädchen mit der Mama. Leise sagt er: „Im Keller habe ich eine Truhe mit ihrem Schlafanzug, den sie zuletzt trug. Und 8-mm-Filme, die ich damals gedreht habe. Ich hab nicht die Kraft, sie anzusehen.“ Nicht, ehe der Mörder gefunden ist.

Quellen: FP | Bild | Gabi Thieme, Freie Presse vom 23.03.2015
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1987 | Leipzig-Lützschena | Sylke Müller (19) ermordet

#2

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Di, 9. Jun. 2020, 12:20

Salva hat geschrieben:
So, 24. Jun. 2018, 19:50
Sie wurde vergewaltigt und erdrosselt, in ihrer Brust klafft eine große Bisswunde: die stammt von Jörg M.! Doch der Mann kommt, so die Ermittler, als Täter nicht infrage. Er war zur Tatzeit in Berlin. Aber wie kamen die Bissspuren in die Brust der Leiche? Jörg M. sagt: "Ich will darüber nicht mehr reden." Wer hat Sylke dann getötet? Jörg M.: "Ich war’s nicht."
Die Rechtsmedizin muss doch ermitteln können, ob die Bisswunde post mortem entstanden ist oder nicht.
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#3

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Do, 24. Dez. 2020, 21:04

Der 22.März 1987 war ein Sonntag.

Zu welchem Zweck war Jörg M. in Berlin ?
Hat er dort gearbeitet ?
Auch Sonntags ?

42 Tage später muss wieder ein Sonntag gewesen sein.
Da war aber Jörg M. in Halle.

Übrigens wenn die Bisswunde post mortem entstanden ist, wäre die Frage, wie lange das nach dem Tod war.
Nach 42 Tagen ist eine Leiche schon sehr zersetzt.
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#4

Ungelesener Beitrag von Salva » So, 20. Jun. 2021, 17:36

@Duchonin
Ich bin bei der Aktualisierung bzw. Überarbeitung des Falls auf einen Artikel aus dem Jahr 2015 gestoßen und habe den in den Eingangspost eingearbeitet. Lies dich mal durch, dort werden einige Fragen beantwortet :like:
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#5

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Di, 6. Jul. 2021, 14:26

Salva hat geschrieben:
So, 24. Jun. 2018, 19:50
Dass er zur fraglichen Zeit im Grenzgebiet Berlin-Treptow bei seinem Bruder war, der dort eine Laube besaß. Er wurde ohne Passierschein aufgegriffen und überprüft. "Grenzer der Hauptstadt gaben unserem Verdächtigen praktisch ein Alibi", bestätigte der damals oberste Fahndungschef der DDR-Kriminalpolizei, Gerhard Lauter. Zudem passte ein Gebißabdruck des Tatverdächtigen nicht zweifelsfrei zu dem auf Sylkes Körper.
1. Grenzsoldaten waren Wehrpflichtige und Unteroffiziere auf Zeit. Die hatten keine spezielle Ausbildung in der
Gesichtserkennung. Falls der Bruder eine Telefon hatte, wäre m.E. ein konstruiertes Alibi möglich. Jörg M. hätte die Tat
begangen und seinen Bruder angerufen. Wer im Grenzgebiet wohnte, wusste wo Streifen unterwegs waren. Der Bruder hätte
sich dann von einer Streife aufgreifen lassen und behauptet, er wäre Jörg M. Es könnte auch eine Freund von M. gewesen
sein, den der Bruder dann als Jörg M. idendifiziert hat. Vielleicht hatte er seine Sachen in Berlin
gelassen und sein Bruder hatte seinen Ausweis ? Hier wäre der genaue Zeitpunkt der Kontrolle wichtig. War das vor oder
nach dem vermutlichen Tatzeitpunkt.

2.
Salva hat geschrieben:
So, 24. Jun. 2018, 19:50
Im Genitalbereich finden sich Spermaspuren und in ihrer Brust klafft eine große Bisswunde: die stammt von Jörg M.!
Waren die Spermaspuren auch von Jörg M. ?
Duchonin hat geschrieben:
Di, 9. Jun. 2020, 12:20
Jörg M. sagt: "Ich will darüber nicht mehr reden." Wer hat Sylke dann getötet? Jörg M.: "Ich war’s nicht."
Wieso hat er sie in die Brust gebissen ? Und wann ? Nach 42 Tagen ist die Zersetzung des Körpers schon weit fortgeschritten
und es treten Leichengifte auf.
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