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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

Ungeklärte Fälle im Focus.
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Salva
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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 15. Aug. 2015, 03:33

24. Mai 2013

Schrecklicher Fund im Brunnenschacht

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Christa Mirthes, 15, vrmutlich am 1. Mai 1978

Es war eine der großen Schlagzeilen Ostbayerns. Doch auch nach 35 Jahren bleibt der Sexualmord an der 15-jährigen Schwandorferin Christa Mirthes ungeklärt.

SCHWANDORF. Der Täter musste von hier stammen. Wer sonst hätte sich in dem leerstehenden Haus in der Klosterstraße 30 ausgekannt? Zu diesem abschließenden Ergebnis kamen die Ermittler der Kripo Amberg, nachdem die Leiche von Christa Mirthes in einem Brunnenschacht mitten in dem maroden Gebäude in der Schwandorfer Innenstadt entdeckt worden war. Es blieb das einzig greifbare Ermittlungsergebnis. 35 Jahre nach der Tat ist die Akte der Soko „Mirthes“ noch nicht geschlossen. Der Mörder des damals 15-jährigen Mädchens läuft immer noch frei herum, wenn er nicht mittlerweile gestorben ist.

Am 16. Juni 1978 tummeln sich der zehnjährige Thomas und sein elfjähriger Freund Ewald in dem verlassenen Haus mit seiner geisterhaften Atmosphäre in der Klosterstraße. Das Gebäude ist ein wunderbarer Abenteuerspielplatz für die Buben – bis sie eine grausige Entdeckung machen: Aus einem Unrathaufen in einem Brunnenschacht ragt eine Hand. Die Buben halten sie für die Gliedmaßen einer Puppe. Trotzdem kommt es ihnen komisch vor, dass sich darauf so viele Fliegen sammeln. Sie rufen einen Nachbarn herbei. Johann J. erkennt schon am stechenden Leichengeruch, dass die Hand zu einem toten Menschen gehören muss. Wenig später riegelt die Polizei das Haus ab. Die Leiche von Christa Mirthes liegt zusammengekrümmt in dem schmalen Schacht. Sie ist nackt und trägt Spuren bestialischer Gewalt. Der Mörder hat mit einem stumpfen Gegenstand Kopf und Kiefer der 15-Jährigen zertrümmert. An Brust, Arm und Unterleib finden sich mehrere Einschnitte.

Ermittlungen im Rotlichtmilieu

Fieberhaft beginnen die Beamten der Soko „Mirthes“ die Suche nach dem Mörder. Sie konzentrieren sich auf das Rotlichtmilieu der Kreisstadt und ihrer Umgebung. Christa Mirthes galt als „Rumtreiberin“. Schon mit 13 Jahren soll das hübsche Mädchen als Animierdame im „Seehaus Neubäu“ gearbeitet haben, einem Bordell vor den Toren Schwandorfs. Auch in weiteren Nachtklubs der Region war die Schülerin öfter zu Gast. Im März 1977 wurde sie nachts betrunken vor dem Eingang zum Truppenübungsplatz Hohenfels aufgegriffen. Sie hat viele Männerbekanntschaften und bleibt oft von zuhause weg. Die Kripobeamten befragen Gäste und Angestellte, kommen aber keinen Schritt weiter.

Auch die Rekonstruktion der möglichen Tatzeit endet im Nichts. Am 28. April 1978 trifft Christa Mirthes auf dem Schwandorfer Marktplatz einen Bekannten, lässt sich eine Zigarette geben und verabschiedet sich dann in Richtung Diskothek „Captain Cook“. Zwei Schülerinnen wollen sie dann noch zwei Tage später auf dem Weg zum „Elvis Club“ gesehen haben. Zum letzten Mal lebend soll sie am 1. Mai gesehen worden sein. Dann verliert sich ihre Spur.

Während sich in Schwandorf Gerüchte über den möglichen Tathergang verbreiten wie ein Krebsgeschwür, halten sich die Polizeibeamten an die Fakten. Die stehen jedoch weiterhin nur sehr spärlich zur Verfügung. Weder Christa Mirthes’ in der Nähe des Auffundorts zurückgelassene schwarze Veloursjacke mit gelbem Teddyfutter noch ihre grünen, hochhackigen Schuhe mit Plateausohle im typischen Stil der siebziger Jahre geben Hinweise auf den Mörder. Um im Chaos des Abbruchhauses Blutspuren zu sichern, wird der Raum rund um den Brunnenschacht mit dem fluoriszierenden Mittel „Luminol“ ausgespritzt. Doch nur an zwei Stellen finden die Ermittler geringe Spuren von Blut, und die lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Zumindest ist damit klar, dass der Auffindeort nicht der Tatort gewesen sein kann. Keine Hinweise liefern auch die am Tatort gefundenen Schmuckstücke, etwa das Halskettchen des Opfers, in dessen Anhänger der Name „Peter“ eingraviert ist.

Alle Hinweise führen ins Nichts

Gut vier Meter vom Brunnenschacht entfernt wird ein goldfarbiger Anhänger in Form eines Wanderschuhs gefunden. Mit einem Phantombild wird nach einem zirka 40jährigen Mann mit schwarzen Haaren, auffallend dunkler Gesichtsfarbe und fränkischem Dialekt gesucht. Bis heute vergeblich. Mit jedem Jahr schwinden die Chancen, dass der Mörder der 15-Jährigen noch gefunden wird. Die Akte Mirthes bleibt weiter geöffnet. Mord verjährt nicht.

Quelle: MZ
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Duchonin
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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

#2

Ungelesener Beitrag von Duchonin » So, 18. Apr. 2021, 22:04

Wichtige Fakten des Falles:

(1) Der Täter musste aus dem Raum Schwandorf stammen. Wer sonst hätte sich in dem leerstehenden Haus in der Klosterstraße 30 ausgekannt?

(2) Die Leiche von Christa Mirthes liegt zusammengekrümmt in dem schmalen Schacht. Sie ist nackt und trägt Spuren bestialischer Gewalt.
Wie die Obduktion später ergeben wird, wurde die Jugendliche Opfer eines bestialischen Sexualverbrechens. Ihr Mörder ist äußerst brutal vorgegangen: Kopf und Kiefer der 15-Jährigen wurden mit einem stumpfen Gegenstand zertrümmert. Es fanden sich außerdem mehrere Einschnitte an Brust, am rechten Oberarm und Unterleib sowie Einstiche am rechten Schlüsselbein.
Ihre Zähne wurden ausgeschlagen und die Brustwarzen wurden ihr abgetrennt.

(3) Das Haus, in dem vor der Tat vier Jahre lang niemand mehr gewohnt hat, wird genauestens untersucht. Vier Tage nach dem Fund der Leiche kommt Professor Dr. Gert Schaidt vom Institut für Rechtsmedizin in Erlangen nach Schwandorf. Mithilfe des Luminol-Verfahrens macht er sich auf die Suche nach Blutspuren. Drei Stunden lang besprühen der Professor und Kriminalbeamte in mühevoller Kleinstarbeit Raum für Raum des Anwesens mit Chemikalien. Das Ergebnis ist ernüchternd: Lediglich an zwei Stellen auf dem Fußboden sowie an einer Wand im ersten Stock und rund drei Meter neben dem Brunnenschacht zeigt das Reagenzmittel Wirkung.
Dabei hatten sich die Ermittler vor allem im zweiten Obergeschoss, in dem die Jacke des Mädchens ursprünglich gefunden wurde, deutliche Spuren erhofft. Auch Experte Schaidt ist enttäuscht: "Eine magere Ausbeute für eine derart blutige Angelegenheit." Die wenigen gefundenen Spuren lassen sich am Ende zudem nicht eindeutig Christa Mirthes zuordnen.

Damit ist klar, dass der Fundort der Leiche eigentlich nicht der Tatort sein kann. Auf der anderen Seite hätte der Mörder die Leiche des Mädchens aber durch die belebte Schwandorfer Altstadt schaffen müssen, um sie auf das verlassene Grundstück zu bringen.

(4) Eine Rekonstruktion der möglichen Tatzeit gelingt nicht. Die Gerichtsmediziner kommen nach der Obduktion zu dem Schluss, dass der Leichnam von Christa Mirthes vermutlich schon zwei Monate in dem Brunnenschacht gelegen haben muss. Zeugen wollen das Mädchen Ende April noch getroffen haben.

Zahlreiche Hinweise gehen bei der Kriminalinspektion Amberg ein. Am 9. Februar wird die junge Frau in den Abendstunden im Bahnhofshotel in Begleitung eines unbekannten Mannes gesehen. Der etwa 40-Jährige mit dunklem, fettigen Haar und fränkischem Akzent hat laut Zeugenaussagen eine Reisetasche bei sich. Die Ermittler vermuten, dass die 15-Jährige mit ihm verreist sein könnte. Keiner weiß, wo sich das Mädchen in den darauffolgenden Wochen aufgehalten hat.

An einem warmen, sonnigen Nachmittag Ende April wird Mirthes schließlich in der Benzstraße – unweit ihres Elternhauses – noch einmal gesehen. Sie ist wieder in Begleitung eines Unbekannten. Den Zeugenbeschreibungen nach könnte es sich um den gleichen Mann gehandelt haben. Auf dem Schwandorfer Marktplatz trifft die 15-Jährige am 28. April einen Bekannten, lässt sich eine Zigarette geben und verschwindet dann in Richtung der Diskothek "Captain Cook". Auch zu diesem Zeitpunkt ist ein Unbekannter bei ihr.
Zwei Schülerinnen wollen das Mädchen dann noch einmal zwei Tage später auf dem Weg zum "Elvis Club" gesehen haben. Ab dem 1. Mai verliert sich Christa Mirthes Spur dann endgültig.
Mit einem Phantombild wird nach einem zirka 40jährigen Mann mit schwarzen Haaren, auffallend dunkler Gesichtsfarbe und fränkischem Dialekt gesucht.

(5) Erst mehr als 20 Jahre später gibt es einen neuen, vielversprechenden Hinweis in dem mysteriösen Fall – aus dem Rotlichtmilieu: Im Gerichtsverfahren gegen den Nachtclub-Boss Josef V. wird der Mord an dem Mädchen überraschend zum Thema. Der damals 51-Jährige musste sich 1999 wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Ein Kripobeamter macht während des Prozesses schließlich eine interessante Aussage: Der Mitangeklagte Markus D. habe bei seinen Vernehmungen vielsagende Andeutungen gemacht: Er wisse noch mehr über die erheblichen Straftaten sein Ex-Chef V. – auch über den Fall Mirthes. Dieses Insiderwissen will er aber nur im Tausch gegen eine neue Identität preisgeben. Die Ermittler lehnen das ab. Zu ihrer großen Verwunderung liefert D. trotzdem ein paar detaillierte Informationen über den ungeklärten Mord. Ohne Protokoll.

Die Staatsanwaltschaft nimmt daraufhin die Ermittlungen wieder auf, führt erneut Vernehmungen durch. Einzelne Angaben von Markus D. sollen sich sogar bestätigt haben. Trotzdem wird die Akte nach 21 Jahren ein zweites Mal geschlossen.

(6) Im Jahr 2003 startet die Kripo einen weiteren Versuch, Christa Mirthes Mörder vielleicht doch noch zu finden. Der Fall wird zum Thema in der RTL-II-Serie "Ungeklärte Morde – Dem Täter auf der Spur". Ein Fernsehteam kommt nach Schwandorf, filmt die Originalschauplätze, führt Interviews mit Zeugen und Ermittlern und stellt verschiedene Szenen nach. Am 12. Mai wird die Folge schließlich ausgestrahlt. Die Hoffnung, dadurch neue Hinweise zu erhalten, zerschlägt sich jedoch schnell. Lediglich drei Hinweise gehen bei der Kripo Amberg ein – aus Lübeck, Bremen und Weiden: der eine zu einem Schmuckstück, das im Anwesen Klosterstraße 30 gefunden wurde, außerdem ein Hinweis auf eine ähnliche Straftat. Lediglich der letzte Anruf von einem Weidener, der den Mann auf dem gezeigten Phantombild erkannt haben will, wird weiterverfolgt – zum Täter führt er nicht.

Christa Mirthes Mörder ist bis heute auf freiem Fuß.
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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

#3

Ungelesener Beitrag von Duchonin » So, 18. Apr. 2021, 23:39

Es gibt dazu einen Podcast "Tödliche Oberpfalz" unter https://www.onetz.de/podcast/

U.a. mit einem der damaligen Ermittler und einem Journalisten aus Schwandorf.
Beide haben eine Person im Verdacht, wollten aber keinen Namen nennen.
Neu war darin auch, dass in dem Schacht Mullbinden gefunden und aufbewahrt wurden.
Leider hat man daran keine DNA isolieren können.
Wie weit Christa Mirthes im Rotlichtmilieu verstrickt war, konnte man nicht ermitteln.
Auf jeden Fall war sie in Nachtclubs als Animierdame tätig.
Vermutlich kam auch gelegentlich Sex mit Gästen vor.
Ob sie schon eine "richtige" Prostituierte war, ist nicht klar.

Es wurde auch angesprochen, dass es nicht unbedingt eine Sexualstraftat eines perversen Täters gewesen sein muss, sondern auch nur so dargestellt worden sein konnte, um vom wirklichen Motiv und Täter abzulenken.
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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

#4

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Mo, 19. Apr. 2021, 00:02

In dem Podcast tut man verwundert, dass in der Oberpfalz die Szene der Nachtcubs und des Rotlichtmilieues stärker vertreten war als heute.
Dafür dürfte es 2 Gründe geben:
(1) In den 70-iger Jahren waren in der Oberpfalz viel mehr amerikanische Soldaten stationiert (z.B. Grafenwöhr, Amberg, Vilseck,Weiden, Waidahaus. Dadurch bestand größerer Bedarf

(2) Heute bekommt man "sexuelle Dienstleistungen" wenige Kilometer östlich viel billiger.
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1978 | Schwandorf | Christa Mirthes (15) ermordet

#5

Ungelesener Beitrag von Duchonin » Mo, 19. Apr. 2021, 00:11

Zusammenfassend meine Meinung zu Motiven und Tätern:

(1) Es war wirklich ein sexuell Perverser, der seinen "Lustgewinn" daraus gezogen hat, das Opfer zu Tode zu quälen.

(2) Christa Mirthes war in diesem Fall als Prostituierte tätig und der "Kunde" war auf einmal impotend. Vielleicht hat sie ihn noch verspottet. Und deshalb des Übertöten in der Wut

(3) Es war eine Auseinandersetzung im Rotlichtmilieu und Christa Mirthes wurde zum Opfer. Sei es dass sie den "Arbeitsplatz" wechseln wollte, sei es das ein Zuhälter dem anderen Zuhälter schaden wollte.
In diesem Fall sollte vom wirklichen Motiv und Täter abgelenkt werden.

Die aufgefundenen Mullbinden dienten m.E. dazu, ein Nachbluten der Leiche beim Transport von Tat- zum Auffindeort einzudämmen, um keine Blutspuren im Fahrzeug zu bekommen.
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