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Gerd Wenzinger, Dr.

Taten, Profile und Opfer.
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Salva
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Gerd Wenzinger, Dr.

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Fr, 26. Feb. 2016, 19:00

Bild
NameWenzinger
VornameGerd
Auch bekannt alsDer Folter Doktor / Havel Ripper
KlassifizierungSerienvergewaltiger und Foltermörder
Alter† 54
Geburtsdatum1943
GeburtsortSt. Blasien
NationalitätDeutsch
Tatort/eDeutschland / Brasilien
Datum/ Zeitraum1991 - 1996
TatmotivationSexuell motivierter Foltermörder
Opfer (bewiesen)1: Dana Franzke, † 23
Opfer (vermutet)17+
Tatausführung/ ArtErstechen, ein Opfer mit Kettensäge, schwere Folter
Verhaftet amFebruar 1996 in Salvador, Brasilien
Verurteilt am-
UrteilSalvador stellte den Prozess ein, denn Wenzinger stand die Auslieferung nach Deutschland bevor. Darauf hin erhängte er sich am 16. Juni 1997 in seiner Zelle

► Zur Person

Gerd Wenzinger ist 1943 in St. Blasien geboren. Für die Eltern war der Zweitgeborene das unproblematische ihrer drei Kinder, für die jüngere Schwester war er der "unglaublich liebe" Bruder, der Geige spielt, gern malt und modelliert. Nach dem Abitur beginnt er ein Mathematik- und Physikstudium, wechselt zur Medizin. Eine Ehe scheitert nach vier Jahren, wechselnde Partnerschaften folgen. "Er hat sich sehnsüchtig eine gute Beziehung gewünscht, hatte eine opernhafte Vorstellung von der ganz großen Liebe", sagt seine Schwester. "Er hat eine Nähe geschaffen, wo keiner mehr Luft holen kann. Aber mit seiner Eifersucht und seiner eigenen Untreue hat er immer alles zerstört."

1978 läßt Wenzinger sich als Arzt für Allgemeinmedizin in Stuttgart nieder. Seine Patienten schätzen ihn. Doch bürgerlich-unauffällig ist nur die Oberfläche. 1991 entdeckt eine seiner Partnerinnen Videobänder und gibt sie weiter: Er hat Patientinnen während der ärztlichen Behandlung heimlich gefilmt. Die Ärztekammer untersucht den Vorfall, der Arzt gibt seine Approbation zurück, verkauft seine Praxis und zieht nach Berlin. Arbeiten muß er fortan nicht mehr er denkt daran, sich wieder der Musik zu widmen.

Mehrmals reist er nach Brasilien, siedelt schließlich ganz um, hat neue Beziehungen - und sucht sich Prostituierte für sein Triebleben.

Später, im Gefängnis von Salvador, stellt er dem Besucher sein Verhalten in vielen Gesprächen als harmlos dar: "Etwa einmal im Monat brauche ich diese Form der Sexualität." Ein Sadist? Er verteidigt sich: Stets habe er darauf geachtet, daß die Frauen weder Schmerzen empfanden noch bleibende Schäden davontrugen.

"Ich habe Freude daran, am weiblichen Körper Veränderungen vorzunehmen", erklärt er locker. Den Lustgewinn ziehe er erst aus dem nachträglichen Betrachten der Videos. Zum Ausleben dieser Sexualität kam es offenbar erst in der Krise, etwa ab 1993 in Berlin. "Aber ich kann mich entsinnen, daß ich schon als achtjähriger Junge solche Phantasien hatte."

Ein Schuldbewußtsein, das wird in allen Gesprächen mit ihm deutlich, gibt es nicht für ihn, weder juristisch noch persönlich. "Die Frauen haben alle freiwillig mitgemacht, viele sind mehrmals zu mir gekommen." Tatsächlich wird er in Brasilien nicht angeklagt, weil die Zeuginnen übereinstimmend erklären, Wenzinger habe sie großzügig entlohnt und gut behandelt. Daß er arme und meist drogenabhängige Frauen ausgebeutet hat, die sich zur Prostitution gezwungen sahen, spielt für ihn keine Rolle. Mit einigen von ihnen hält er über den bezahlten Dienst hinaus Kontakt.

• Dana Franzke, † 23, Berlin

Im Mai 1996 begann die Klärung des Mordes an Dana Franzke, als eine Videokassette über die Stationen München und Stuttgart die Berliner Kripo erreichte. Zuvor sollten Wenzingers Angehörige damit erpresst werden. Der Film dokumentierte Dana's Folterung, Tötung, Schändung und Zerstückelung und war vom Täter in seinem Berliner Haus gedreht worden, der darauf hin identifizert werden konnte.
In Danas Körper wurden drei Sedativa und Narkotika nachgewiesen, die nur in der Anästhesie gebräuchlich sind. Gerd Wenzinger hatte die Frau wahrscheinlich so dosiert betäubt, dass sie handlungsunfähig, aber nicht bewusstlos war, hatte ihr dann mit Nadeln Verletzungen an der Brust, mit einer zunächst vermutlich noch ausgeschalteten Kettensäge Verletzungen an Hals und Rumpf zugefügt und die Folter anschließend mit laufender Säge bis zum Tode des Opfers fortgesetzt. Er missbrauchte die Leiche, schnitt ihr die Brüste ab, “hantierte damit in triumphal-degradierender Weise” und zerteilte die Tote höchst ungewöhnlich, nämlich nicht der Anatomie folgend, sondern “in absoluter Systematik” mit Kettensägen-Schnitten in regelmäßigen Abständen, wobei er die Schnitte gleichzeitig zum Überdecken der Folterspuren nutzte. Nur die abgetrennten Brüste bildeten davon eine Ausnahme.

Das Videoband ist eines Tages verschwunden und bis heute nicht wieder aufgetaucht.

► Prozess, Auslieferung, Suizid

Nur diese! "Tristan und Isolde, Aufnahme Bayreuth 1966 mit Birgit Nilsson", wollte Gerd Wenzinger in seine Zelle im Gefängnis von Salvador da Bahia, Brasilien, geliefert haben. "Andere Einspielungen sind nicht anzuhören." Zwischentöne lagen ihm nicht, und deshalb formulierte er auch andere Fragen radikal: entweder die Freiheit in Brasilien oder Selbstmord, falls er an die deutsche Justiz ausgeliefert werden sollte.

Am Morgen des 16. Juni macht er seine Drohung wahr. Gerd Wenzinger wird erhängt in seiner Zelle gefunden. Die Zeitungen in Deutschland berichten in großer Aufmachung vom Tod des "Havel-Rippers", die in Brasilien vom "deutschen Monster": Bild verdächtigt ihn, dreizehn Prostituierte getötet zu haben, Folha de SÆo Paulo spricht von "Dutzenden" und meldet weiter, er habe "Hunderte" von Frauen gefoltert.

Im vergangenen Jahr hat die Staatsanwaltschaft in Berlin Gerd Wenzinger angeklagt, 1994 die Prostituierte Dana Franzke ermordet zu haben. Für weitere Tötungsdelikte hat die Kriminalpolizei in Berlin keine Anhaltspunkte gefunden das wird auf Nachfrage zweifelsfrei bestätigt. Trotzdem war dieser Mann alles andere als ein gewöhnlicher Angeklagter.

Im Februar 1996 fanden Polizeibeamte, von argwöhnischen Nachbarn gerufen, in Wenzingers Wohnung in Salvador Videokassetten. Sie zeigen ihn bei der Mißhandlung von Frauen: Er vergrößert mit Wasser die Brüste der betäubten Frauen, traktiert Geschlechtsteile mit Nadeln. Das brasilianische Fernsehen zeigt Ausschnitte. Der Deutsche wird verhaftet. Ein österreichischer Freund, dem der Inhaftierte den Schlüssel für seine Wohnung überläßt, findet dort weitere Filmbänder. Das grauenerregende Material, mit dem Wenzingers Angehörige in Berlin zunächst erpreßt werden, landet schließlich bei der Kripo in Berlin. Für die ist damit der mysteriöse Fall jener im Sommer 1994 in der Havel aufgefundenen Leichenteile geklärt: Die Bänder zeigen den mutmaßlichen Frauenmörder beim Sexualakt mit dem Leichnam der Dana Franzke und beim anschließenden Zerteilen ihres Körpers.

In den ersten Wochen nach seiner Verhaftung gibt der Deutsche der brasilianischen Polizei und auch den Medien bereitwillig Auskunft über seine Sexualpraktiken. "In Brasilien sind die Menschen toleranter", erklärt er und ist überrascht, daß seine perversen Praktiken auch in Brasilien Entsetzen hervorrufen. Einzelne Kommentatoren rufen nach der Todesstrafe.

"Ich habe Dana Franzke nicht getötet." Darauf beharrt Gerd Wenzinger. Es scheint ihm keine Schwierigkeiten zu bereiten, Vorwürfe in der Sache zu bestätigen, nie verwickelt er sich in Widersprüche. Seine Version: Die heroinabhängige Prostituierte habe in seiner Berliner Wohnung selber Betäubungsmittel genommen, während er gerade Besorgungen erledigte. Es gebe ein Filmband, das zeige, wie er um ihr Leben gekämpft habe, als er sie in Todeskrämpfen vorfand. Daß es dieses Band gibt, ist bewiesen - allerdings weiß niemand, was es zeigt, da es in der Zwischenzeit verschwunden ist. Und der Geschlechtsakt mit dem Leichnam? "Es war das letzte, das ich ihr an Liebe geben konnte", antwortet Wenzinger pathetisch und schildert naiv, ohne einen Anflug von Reue, den Schlußakt eines Operndramas, in dem die Liebe und der Tod sich vereinen.

In den sechzehn Monaten der Einzelhaft, auch zum eigenen Schutz isoliert von anderen Gefängnisinsassen, hofft der mutmaßliche Mörder darauf, bald freizukommen. Doch die Entlassung läßt auf sich warten, auch nachdem der Prozeß in Salvador eingestellt worden ist. Die Justizbehörden in Brasølia nämlich verhandeln mit der Staatsanwaltschaft in Berlin über die Modalitäten des Auslieferungsantrags. Verschiedene brasilianische Anwälte, die Wenzinger zu Hilfe ruft, streiten über juristische Taktiken und sondieren amigo-Kontakte für "außerrechtliche Lösungen".

Überraschend erhält er Besuch von zwei Berliner Anwälten, Walter Lodowicks und Andreas Schulz. Sie bieten an, ihn kostenlos im Berliner Verfahren zu vertreten. Warum? In wessen Auftrag? Zur Erklärung ziehen sie einen Artikel aus der SuperIllu hervor. Deutsche Millionäre finanzieren angeblich aus persönlicher Verärgerung in spektakulären Fällen die beiden Verteidiger, um den Richtern Mängel nachzuweisen. Später wechselt Wenzinger die Anwälte.

Zunehmend umzingelt sieht sich der Häftling und berichtet empört, der Freund, dem er seine Wohnungsschlüssel anvertraut hatte, habe eine Vollmacht für sein Bankkonto in Salvador gefälscht und daraufhin 1,6 Millionen Mark auf weiteren Konten in Europa abgeräumt.

Die mögliche Auslieferung nach Deutschland wird zur Bedrohung. Der Berliner Staatsanwaltschaft unterstellt er, ihn vernichten zu wollen. Seine Sexualpraxis hält er für eine von vielen möglichen. "Warum sollte ich mit einer Therapie auf das schönste in der Welt verzichten?"

In den letzten Wochen ist er zunehmend mißtrauisch gegen alles und jeden draußen. Die wenigen Menschen, die ihm geblieben sind, verprellt er im Streit. Schon in den ersten Wochen seiner Haft hat er versucht, sich umzubringen. Häufig droht er mit dem Suizid, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der Tod, die zweitbeste Lösung. Noch besser: ein freies Leben in Brasilien, von keiner Vergangenheit belastet. Er hat wieder Kontakt aufgenommen zu einer früheren brasilianischen Freundin, Rosangela S. Sie besucht ihn, sooft sie kann, er möchte sie heiraten. Als er die Dokumente für die Trauung anfordert, erfährt die Presse davon: Wenzinger wolle sich mit einer brasilianischen Heirat vor der deutschen Justiz retten. Sechs Monate lang wird die Eheschließung immer wieder verzögert. In der zweiten Juniwoche beschließt der Oberste Gerichtshof in Brasølia Wenzingers Ausweisung.

Im Abschiedsbrief an seine Freundin, den Rosangela S. in der Zeitung abgedruckt findet, beschuldigt Wenzinger Gott und die Welt der Ungerechtigkeit. Und verspricht der Geliebten "ewige Liebe".

► Quellen

Die Zeit | Berliner Kurier | SIK | AZXY
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