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Gewalt gegen Frauen: Wie Risikobeziehungen eskalieren

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Salva
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Gewalt gegen Frauen: Wie Risikobeziehungen eskalieren

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Mo, 16. Sep. 2019, 20:50

Vom Liebesschwur zum Mord - Eskaliert Gewalt in Beziehungen nach einem bestimmten Muster? Ja, sagt die britische Kriminologin Dr. Jane Monckton Smith. Sie stellt einen Acht-Phasen-Plan vor, der helfen soll, Frauenmorde zu verhindern.
(Dieser "Zeitplan" soll eine Handreichung für Polizei und Sozialbehörden sein, rechtzeitig Risikobeziehungen zu erkennen und einzugreifen, bevor es zu Gewaltdelikten kommt.)

Bild
Dr. Jane Monckton Smith lehrt Kriminologie an der Universität Gloucestershire im Südwesten Englands. Sie forscht zu Stalking, Partnerschaftsgewalt und Femiziden.
Foto: Academia

Für die britische Kriminologin Jane Monckton Smith folgte die Beziehung einer vom ihrem Partner missbrauchte und vergewaltigte Frau einem prototypischen Muster. Die Wissenschaftlerin hat ein Acht-Phasen-Modell für Risikopartnerschaften entworfen, das Polizei und Behörden helfen soll, früher gegen häusliche Gewalt vorzugehen - und Tötungen zu vermeiden.

Hintergrund:

Geschätzt 30.000 Frauen wurden 2017 weltweit von ihren früheren oder aktuellen Partnern umgebracht. In Deutschland waren es 364. "Die wenigsten Opfer werden im Affekt getötet", sagt Monckton Smith. Ihre neueste Untersuchung kommt zu dem Ergebnis: Die Mehrzahl der Täter tötet geplant. Und fast alle wollten zuvor vor allem eins: Kontrolle über die Frau und die Beziehung.

Monckton Smith: Acht Stufen einer Risikobeziehung

► Stadium 1: Vorgeschichte
Der potenzielle Täter ist vorbelastet, er ist durch Stalking oder häusliche Gewalt aufgefallen oder bereits mit Gewaltdelikten straffällig geworden. Er zeigt Kontrollverhalten, ist dünnhäutig und streitlustig.

► Stadium 2: Frühe Beziehung
Schnelle Vertrautheit und Verbindlichkeit. Das Paar ist ständig zusammen, vernachlässigt andere soziale Beziehungen, zieht in eine gemeinsame Wohnung, bekommt früh ein Kind. Besitzanspruch manifestiert sich sprachlich: "Du gehörst mir." "Wir werden für immer zusammen sein." Frühe Eifersucht. Versuche, zu bremsen oder die Beziehung zu beenden, werden abgeschmettert.

► Stadium 3: Kontrolle
Etablierte Beziehung: Kontrollverhalten, Stalking, Gewalt (Schubsen, Schieben), sexuelle Aggression, Besitzanspruch, Eifersucht. Drohungen, auch gegen Kinder oder Haustiere. Der Täter zwingt die Partnerin, den Alltag nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Fernhalten des Opfers von Familie und Freunden. Drogen- und Alkoholprobleme. Täter droht, sich selbst oder die Partnerin zu töten.

► Stadium 4: Mord-Trigger
Kontrollverlust durch Trennung, Angst vor Trennung, drohende Trennung. Finanzielle Probleme, sich verschlechternde psychische oder physische Gesundheit bei Opfer oder Täter. Ein Vorfall, der Rachegelüste gegen das Opfer entfacht. Entlassung, Arbeitslosigkeit, Renteneintritt. Täter unterstellt Opfer Untreue.

► Stadium 5: Eskalation
Besorgniserregendes Verhalten des Täters häuft sich, wird schwerwiegender. Er versucht, Kontrolle wiederherzustellen. Taktiken: Bitten, Weinen, Gewaltandrohung, Gewalt, Stalking, Verfolgung. Todes- oder Suiziddrohungen. "Ich werde dich nicht gehen lassen." "Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich niemand haben."

► Stadium 6: Sinneswandel
Endgültiger Kontrollverlust. Täter erleidet finanziellen Ruin oder verliert seinen guten Ruf. Seine Gesundheit ist irreversibel geschädigt. Er unternimmt letzten Versuch, die Beziehung wiederherzustellen. Stalking. Das Opfer reagiert nicht auf Drohungen oder ist nicht in der Lage, es zu tun. Es gibt eine neue Beziehung im Leben des Opfers. Statusverlust und Sinneswandel beim Täter. Er fühlt sich ungerecht behandelt und sinnt auf Rache. Erste Mordgedanken.

► Stadium 7: Mordplanung
Der Täter benimmt sich außergewöhnlich. Er verstärkt die Drohungen, stalkt sein Opfer weiter. Er sucht im Internet nach Mordarten und Waffen. Sammelt Waffen. Versucht, das Opfer zu isolieren.

► Stadium 8: Tatdurchführung
Mord, erweiterter Suizid, Mord, der als Suizid oder Unfall inszeniert wird, Mord der als Gnadentod (wegen schwerer Krankheit) inszeniert wird - oder als fehlgeschlagenes Sexspiel. Der Täter übt sich in Victim-Blaming - er versucht, sich als Opfer darzustellen, behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben.

Quelle, Interview mit Dr. Jane Monckton Smith und weiterführende Links zum Thema: Spiegel
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