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Nachweis von K.o.-Tropfen per Schnelltest

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Salva
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Nachweis von K.o.-Tropfen per Schnelltest

#1

Ungelesener Beitrag von Salva » Sa, 10. Aug. 2019, 18:41

Keine Erinnerung, Willenlosigkeit bis hin zur Lähmung, Enthemmung oder auch Bewusstlosigkeit: K.-o.-Tropfen im Drink sind brandgefährlich. Und die Dunkelziffer der Opfer ist hoch. Wie kann man sich davor schützen?

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Besonders in Diskotheken und Wohnungen werden den Opfern die k.o.-Tropfen ins Getränk gemischt
Foto: dpa/Achim Scheidemann/NOZ

Die Fälle ähneln sich:
In Hamburg vergewaltigt ein 60-Jähriger eine 19-Jährige und gibt vor Gericht zu, dass K.-o.-Tropfen im Spiel waren.
Frauen werden in Düsseldorf in Hotels gelockt und vergewaltigt – vermutlich wurden K.-o.-Tropfen genutzt.
In München kämpft eine Frau momentan um einen Prozess gegen einen ihrer mutmaßlichen Vergewaltiger. Ihrer Überzeugung nach hat sie K.-o.-Tropfen bekommen.
In Freiburg läuft derzeit ein Prozess wegen der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen. Laut Anklage wurden auch ihr K.-o.-Tropfen verabreicht.
Jedes Mal waren sie in Getränken versteckt.

Die Taten sind verstörend, die Dunkelziffer ist laut der Opferschutzorganisation Weißer Ring beträchtlich. Sie unterstützt auch die 36-Jährige in München in ihrem Kampf um eine Anklage. "Die Substanzen lassen sich nur sehr kurzfristig nachweisen. Wir gehen deshalb schon davon aus, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist", sagt ein Sprecher. Nach Angaben des Bundeskriminalamts ist die in polizeilichen Statistiken registrierte Fallzahl zwar gering und bewege sich seit einigen Jahren relativ stabil im unteren dreistelligen Bereich. "Das Dunkelfeld dürfte weitaus größer sein."

Armband zum Überprüfen von Getränken

Das Tückische an den Tropfen ist nicht nur, dass sie wenige Stunden nach Einnahme nicht mehr nachzuweisen sind. Sie sind auch geruchs- und geschmacksneutral. Einmal im Getränk, merken die Opfer zunächst nichts davon, bis die Wirkung einsetzt. "Mir wurde schwindelig und schlecht", berichtet eine 18 Jahre alte Betroffene. Sie verließ daraufhin den Club, in dem sie zuvor mit ihrer Clique gefeiert hatte, mit dem "Freund des Freundes einer Freundin", um nach Hause zu fahren. Er habe sich im Auto an ihr vergangen, die junge Frau sei durch die Tropfen widerstandsunfähig und wie gelähmt gewesen.

"Jeder kennt jemanden, der irgendwie schon mal mit K.-o.-Tropfen in Kontakt war", erzählt Unternehmerin Kim Eisenmann. Nachdem die 30 Jahre alte Karlsruherin einen solchen Fall im Bekanntenkreis erlebte, entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Freund ein spezielles Armband. Wird der Tropfen eines Getränkes auf einen der darauf liegenden Testpunkte gegeben, verfärbt sich der Bereich. Eisenmanns Worten zufolge können Drinks so auf die bekanntesten K.-o.-Tropfen getestet werden.

Nachweis von K.o.-Tropfen schwierig

Wie sicher das ist – auf dem Markt gibt es auch andere Schnelltests – ist umstritten. Nicht alle Substanzen werden abgedeckt. Dennoch: Seit Eisenmann das Armband im Online-Shop einer Drogeriemarkt-Kette vermarktet, sei die Nachfrage enorm und das Band zwischenzeitlich ausverkauft gewesen. Im Laufe dieses Monats soll das Band daher auch in Filialen zu kaufen sein, sagt ein Sprecher des Unternehmens "dm".

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KO-Tropfentest als Armband. Der Xantus-Viererpack kostet aktuell 9,95 €, der Doppelpack 5,49 €.
Bild/Quelle: pf-bits.de

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KO-Tropfentest / Drink Detektiv: Für 4.99 € können zwei Getränke separat (linkes und rechtes Testfeld) getestet werden.
Bild/Quelle: drogendetektive.com

Eine Einschätzung zum realen Ausmaß von Schädigungen durch K.-o.-Tropfen ist schwierig, erklärt eine Sprecherin des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums. Der Grund: Weil die Tropfen schnell abgebaut werden, lässt sich eine mögliche Tat dann nicht mehr nachweisen. "Allein die erheblichen Gefahren für Leben und Gesundheit" erforderten aber strengere Regelungen – egal ob jemand die Substanz absichtlich in Form etwa von Liquid Ecstasy oder unbeabsichtigt als K.-o.-Tropfen zu sich nehme.

Politik diskutiert Vorbeugemaßnahmen

So regte Minister Manne Lucha (Grüne) im Juni auf der Gesundheitsminister-Konferenz in Leipzig an, den Umgang mit Substanzen einzudämmen, die für K.-o.-Tropfen verwendet werden. Möglich sei dafür etwa, das Arznei- oder Betäubungsmittelgesetz zu ändern. Der Ball liegt nun beim Bundesgesundheitsministerium. Auch wird diskutiert, diese Substanzen mit Bitterstoffen zu versetzen. Der Nutzen ist aber fraglich, da in vielen ohnehin bitter schmeckenden Cocktails auch der Bitterstoff nicht unbedingt herausgeschmeckt werden könnte. Das Innenministerium in Baden-Württemberg geht nach Worten eines Sprechers davon aus, dass auch die Innenministerkonferenz das Thema auf die Tagesordnung nehmen wird.

Die gute Nachricht ist, dass laut Weißem Ring die Berichterstattung zu den Gefahren von K.-o.-Tropfen nicht zuletzt auch wegen spektakulärer Fälle – wie zuletzt dem in Freiburg – zugenommen hat. Das habe zu einem relevanten Anstieg der Zahl Hilfesuchender geführt, die sich bei dem Opferschutzbund gemeldet hätten, sagt der Sprecher. Prävention sei allerdings eine Daueraufgabe: "Den Enkeltrick gibt es inzwischen zum Beispiel seit mehr als 20 Jahren und er funktioniert immer noch", sagt er. "Wir müssen auch bei K.-o.-Tropfen dran bleiben."

About

Begriff

Der Begriff K.-o.-Tropfen ist ein umgangssprachlicher und unspezifischer Begriff, der entgegen der weit verbreiteten Wahrnehmung nicht nur mit einer, sondern mit einer Vielzahl an Substanzen in Verbindung gebracht wird, die je nach Anwendungszusammenhang auch vollkommen andere und erwünschte Wirkungen haben. Viele dieser Substanzen werden normalerweise therapeutisch als Schlaf- oder Beruhigungsmittel oder als Partydroge benutzt, sie werden also erst durch die Heimlichkeit und zudem oft erst durch Überdosierung zu K.-o.-Tropfen.

Wirkstoffe

Beispiele sind Benzodiazepine wie Flunitrazepam und Temazepam, Antihistaminika, Neuroleptika, γ-Hydroxybuttersäure (GHB, Liquid Ecstasy) und deren intramolekularer Ester γ-Butyrolacton (GBL), Ketamin, Anticholinergika wie Scopolamin (Hyoscin) und Atropin, 1,4-Butandiol oder Haloperidol. Früher wurden auch Chloralhydrat, Barbiturate und Methyprylon genannt. Insgesamt sind weit über 100 Wirkstoffe missbräuchlich als "K.-o.-Mittel" einsetzbar.

Gefahren

Hinsichtlich der Sicherheit sind vor allem Barbiturate sowie GBL und GHB bei Überdosierung lebensgefährlich, da die Gefahr eines Atemstillstands besteht. Potenzielle Täter stehen somit vor der "Herausforderung", einen Angriff exakt und unter Berücksichtigung der Verfassung des Opfers zu dosieren, da insbesondere bei GBL und GHB in niedrigerer Dosierung die von freiwilligen Konsumenten gewünschten Effekte wie Bewegungsdrang und Euphorie überwiegen, bei Überdosierung jedoch Atemstillstand und Tod drohen, insbesondere im Zusammenhang mit Alkohol.

Insbesondere Ketamin und GBL werden oft in genau dem Umfeld, in dem sie mutmaßlich als Vergewaltigungsdroge missbraucht werden, nämlich in Clubs und Diskos, als Partydroge auch freiwillig konsumiert, da sie in geringerer Dosis eine eher entspannende oder euphorisierende als einschläfernde Wirkung haben. Die Einordnung einer Substanz als K.-o.Tropfen ist daher nur angebracht, wenn diese Mittel heimlich bzw. in heimlich höherer Dosis verabreicht werden. So kommentierte die taz, das Problem sei "die Heimlichkeit, der Übergriff und der Vergewaltiger – und nicht der Stoff".

"Date Rape Drug" Alkohol

Im übertragenen Sinne können auch Alkohol bzw. alkoholische Getränke als „K.-o.-Tropfen“ bezeichnet werden, da das absichtliche Betrunkenmachen anderer Personen mit dem Ziel sexueller Annäherung eine weitverbreitete Praxis ist, beispielsweise durch das Einladen oder Auffordern zum Konsum alkoholischer Getränke, umgangssprachlich auch "jemanden abfüllen" genannt. Im Unterschied zu "klassischen" als K.-o.-Tropfen bezeichneten Substanzen wird Alkohol allerdings in der Regel nicht heimlich verabreicht und auch nicht als Tropfen beigemischt, sondern in größeren Mengen getrunken. Eine Veröffentlichung der University of Ulster bezeichnet Alkohol als die weitestverbreitete "Date Rape Drug". Eine in Großbritannien durchgeführte und 2006 veröffentlichte Studie ermittelte, dass in über 99 % der untersuchten Verdachtsfälle Alkohol zumindest beteiligt war.


Quellen: e110 | BZ | NOZ | Wikipedia

Weitere Infos:

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Doku


37 Grad - K.o. getropft

"Ein Junge hat einen Drink ausgegeben Wir haben getanzt, und dann wird es dunkel mit meinen Erinnerungen. Wie eine Art Filmriss." Am Morgen wacht Nina nur halb bekleidet im Park auf. Was ist passiert?
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